Titel: Reinigung der mit Seegras bedeckten Felsen mittelst Salzsäure; vom Ingenieur Marin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 162/Miszelle 12 (S. 452)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/mi162mi06_12

Reinigung der mit Seegras bedeckten Felsen mittelst Salzsäure; vom Ingenieur Marin.

Das rasche Anwachsen von Seegras auf Felsen und Mauerwerk veranlaßt nicht selten sehr unangenehmen Aufenthalt bei den Meeresbauten. Schon nach 10–12 Tagen findet man oft die Oberfläche wieder mit einem weißlichen Ueberzug junger Pflanzen behaftet, der rasch grün wird, und vollständig entfernt werden muß, wenn das Mauerwerk auf dem Felsen oder der älteren Mauer haften soll. Man kratzt daher die Oberfläche ab, was bei Kalksteinen, mehr aber noch bei Granitfelsen, eine so mühsame Arbeit ist, daß man meistens Hammer und Meißel zu Hülfe nehmen muß. Nicht selten geht die ganze Zeit des niederen Wasserstandes darüber hin und die ganze Mühe ist verloren, wenn dann wieder hohes Wasser eintritt.

Unsere Beobachtungen haben uns dahin geführt, anzunehmen, daß es eine kalkige Substanz sey, welche das Festwurzeln des Seetanges vermittelt, und daß man daher die Salzsäure als wirksames Reinigungsmittel würde anwenden können. Versuche haben diese Voraussetzung vollkommen bestätigt, und seit Anfang der Arbeiten im Jahr 1859 an dem Leuchtthurm auf den Granitfelsen les Barges hat uns das Verfahren die wesentlichsten Dienste geleistet. Man braucht nur die Säure auf die Steine oder den Felsen zu gießen, und dann mit harten Besen oder Bürsten auszubreiten und zu verreiben, worauf in 10 Minuten die Reinigung vollendet ist. Ist das Seegras schon weit entwickelt, so ist es gut, erst die Pflanzen möglichst abzureißen, um die Wurzelstellen besser der Säure auszusetzen. Zuletzt muß Alles mehrfach abgewaschen werden, um die Säure ganz zu entfernen.

Schwefelsäure ist ebenfalls versucht worden, gab aber kein befriedigendes Resultat. Außerdem ist sie viel theurer, wogegen die Reinigung mit Salzsäure fast gar keine Kosten verursacht. (Bulletin dé la Société d'Encouragement, Februar 1861, S. 113.)

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