Titel: Bowditch's Verfahrungsarten zum Reinigen des Steinkohlengases.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 162/Miszelle 7 (S. 449)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/mi162mi06_7

Bowditch's Verfahrungsarten zum Reinigen des Steinkohlengases.

Im polytechn. Journal Bd. CLX S. 284 sind die Verfahrungsarten mitgetheilt, welche sich W. R. Bowditch im Mai 1860 patentiren ließ, um das Steinkohlengas von solchen schwefelhaltigen Bestandtheilen und namentlich von Schwefelkohlenstoff zu reinigen, die durch die gewöhnliche Reinigungsmethode nicht daraus entfernt werden können. Derselbe nahm am 24. November 1860 wieder ein Patent auf Mittel zu diesem Zweck, welche im Wesentlichen in Folgendem bestehen:

1) Man läßt das Gas durch einen Behälter gehen, welcher Kali, Natron, Baryt, Eisenoxyd oder Manganoxyd enthält, und äußerlich (mittelst Wasserdampf, der in einen den Behälter umgebenden Mantel geleitet wird) erhitzt wird, so daß die reinigende Substanz die Temperatur von circa 149º C. erlangt. Letztere wird in nußgroßen Stücken, oder was das Kali oder Natron anbetrifft, in wässeriger Lösung von porösen Ziegelstücken absorbirt, angewendet. Der Behälter ist von Eisen, und hat die Gestalt eines Cylinders; in demselben werden mehrere Lagen des reinigenden Materials über einander angebracht. Das Gas, welches die heißen Reiniger passirt hat, läßt man sich abkühlen und dann noch durch die gewöhnlichen kalten Reiniger, die Kalk und Eisenoxyd enthalten, gehen. Am besten unterwirft man das Gas vor dem Durchgehen durch die heißen Reiniger erst dem gewöhnlichen kalten Reinigungsproceß, weil dann das Material in den heißen Reinigern nicht so bald durch Theer etc. verdorben und verstopft wird.

2) Ein anderes Verfahren besteht darin, daß man das Gas zusammen mit Wasserdampf durch Schichten von Holzkohle oder Kohks, die man in kleine Stücke zertheilt und entweder ohne weiteren Zusatz oder mit concentrirter Alkalilösung imprägnirt verwendet, strömen läßt. Das Gas enthält zwar schon Wasserdampf, muß aber, damit der Zweck möglichst erreicht werde, noch mehr davon aufnehmen, zu welchem Zweck man es über Wasser, welches auf 60 bis 82º C. erhitzt ist und für je 50,000 Kubikfuß Gas per Stunde eine Oberfläche von 25 Quadratfuß darbietet, hin strömen läßt. Wasserdampf von höherer Temperatur anzuwenden, ist nicht vortheilhaft, weil das Gas dann erheblich an Leuchtkraft verliert. Nachdem das Gas die angemessene Quantität Wasserdampf aufgenommen hat, leitet man es durch das Reinigungsmaterial, welches, sofern es bloß aus Kohle oder Kohks besteht, auf 2600 C., wenn es aber zugleich Alkali enthält, auf 1490 C. erhitzt ist. Nachdem das Gas dieses Reinigungsmaterial durchströmt hat, wird es abgekühlt und weiter gereinigt, wie zuvor angegeben wurde.

3) Man kann das Gas auch zusammen mit Wasserdampf durch auf etwa 2600 C. erhitzte Röhren leiten, die mit Ziegelstücken oder einem anderen Material, welches dem Gas und Dampf die Hitze mittheilt, gefüllt sind. Der an und für sich in dem Gas enthaltene Wasserdampf ist auch hier nicht ausreichend, sondern dem Gas wird zuvor auf die eben angegebene Art noch mehr Wasserdampf mitgetheilt.

Die vorstehenden Mittel empfiehlt Bowditch auch zum Reinigen der Oele, welche durch Destillation von Kohlenschiefer oder Steinkohlentheer gewonnen sind. Nachdem das Oel in gewöhnlicher Weise mit Säure und Alkali behandelt worden ist, leitet man es als Dampf durch die vorerwähnten, auf 197º C. erhitzten Materialien, unter denen der Braunstein für diesen Zweck am wirksamsten ist. (Repertory of Patent-Inventions, August 1861, S. 143.)

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