Titel: Bischof, Werthbestimmung zweier Thone und eines Sandsteins in feuerfester Hinsicht.
Autor: Bischof, Carl
Fundstelle: 1862, Band 163, Nr. XXXVI. (S. 127–137)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj163/ar163036

XXXVI. Werthbestimmung zweier Thone und eines Sandsteins in feuerfester Hinsicht; von Dr. Carl Bischof.

Die hier zu besprechenden Thone kommen in der Braunkohlenformation bei Bautzen vor.

Der eine, bez. I, bildet das Liegende eines circa drei Lachter starken Braunkohlenflötzes in der enormen Mächtigkeit von circa 30 Lachter, und der andere, bez. II, des Hangende in sehr wechselnder Mächtigkeit. Eines der größten Thonwaaren-Etablissements Deutschlands, „die Margarethenhütte bei Bautzen“ ist darauf begründet.

Physikalische Eigenschaften.

Die beiden Thone, welche beim Anhauchen den eigenthümlichen Thongeruch zeigen, haften stark der Zunge an, nehmen Wasser begierig auf, zerfallen darin unter Entwicklung von Luftbläschen, die mit singendem Zischen entweichen. – Sie sind gypshaltig.

In folgenden Eigenschaften weichen sie von einander ab.

Thon I.

Bildet geballte Stücke von hell-blaugrauer Farbe mit eingekneteten feinen und gröberen Quarzkörnern und sehr vereinzelten Braunkohlenstückchen. – Fühlt sich, abgesehen von einem sich abreibenden sehr zarten fettigen Pulver, grobkörnig an, und schneidet sich auch so; die Schnittfläche ist durchaus rauh, zeigt einen erdigen, völlig unebenen Bruch. – Knirscht in dem Achatmörser zerrieben, sehr bedeutend in Folge der häufig beigemengten abgerundeten Quarzkörner, vorkommend bis zur Größe eines |128| Stecknadelkopfes und noch darüber hinaus. – Gibt mit Wasser angefeuchtet, eine ziemlich bindende Masse.

Braust mit Säure übergossen kaum merklich.

Digerirt mit Salzsäure, wird wenig Eisen und wenig Kalk ausgezogen.

Enthält kohlige Substanz; wird beim Glühen über der Spirituslampe erst dunkler und hierauf heller.

Thon II.

Bildet geballte Stücke von mehr hell-blaugrauer Farbe mit schieferblau gefärbten Stellen und einzelnen dendritischen pflanzlichen Resten. – Fühlt sich fettig und im Ganzen zart an. – Schneidet sich ohne Knirschen, fast glatt, die Schnittfläche ist wenig glänzend. – Zeigt stellenweise einen unvollkommen muschligen Bruch und geknetete, geglättete Flächen.

Knirscht in dem Achatmörser zerrieben, nicht wenig. – Enthält vereinzelte gröbere Sandkörner. – Giebt mit Wasser angefeuchtet, eine bindende plastische Masse.

Braust mit Säure übergossen, ein wenig.

Digerirt mit Salzsäure, wird wenig Kalk aber viel Eisen ausgezogen.

Enthält sehr wenig organische Substanz; riecht beim Glühen über der Spirituslampe ein wenig brandig.

Bestimmung des Grades der Strengflüssigkeit (Feuerfestigkeit) und des Bindevermögens (Magerkeit oder Fettigkeit).

Die Bestimmung wurde vorgenommen nach dem im vorigen Jahrgange dieses Journals Bd. CLIX S. 54 und Bd. CLXI S. 208 und 291 beschriebenen Verfahren.

Die Prüfungshitze war sorgfältig so regulirt, daß sie jedesmal möglichst dieselbe, daß sie keine geringere, aber auch keine bedeutend höhere, als Gußstahlschmelzhitze war.

Die Sorge für die, wie beschrieben, größte Gleichmäßigkeit in der Behandlung der Proben wurde stets obenan gestellt, wie auch nur aus den Glühversuchen Resultate gezogen wurden, bei denen eine wiederholte Uebereinstimmung stattfand.

Der Thon für sich (bez. Nr. 0) wurde jedes Mal mitgeglüht, da dieß einen Anhaltspunkt mehr gewährt und bei einer Methode, die auf Vergleichung beruht, das Resultat ein um so verläßlicheres ist, je mehr es auf der Uebereinstimmung mehrerer Vergleichsmomente fußt. Eine wiederholte, zusammenfallende Uebereinstimmung derselben Momente gestattet erst ganz zuverlässige Schlüsse zu ziehen.

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Auch ist es zweckmäßig, um das Verhalten in geringerer Hitze kennen zu lernen, und um ein Urtheil über Schwinden, Reißen, Springen der Thone zu erhalten, dieselben in gewöhnlicher, des größern Anhalts wegen zu fixirender Dunkelrothglühhitze zu prüfen.

Bei Bestimmung des Bindevermögens kommt es bei maaßgebenden Vergleichungen darauf an, daß das zugesetzte Quarzpulver in demselben Grade der Feinheit sich befindet, und macht es einen Unterschied, ob das Anstreichen der Pröbchen bei den noch warmen oder erkalteten stattfindet. Die eben trocken gewordenen und noch warmen Pröbchen zeigen ein größeres Bindevermögen, als die völlig an der freien Luft erkalteten. Nachdem sie 1–2 Stunden der freien Luft ausgesetzt sind, nehme ich das Anstreichen vor.

So geprüft den fraglichen Thon, nachdem die gröbsten Quarzkörner, gegen 7 Proc. betragend, durch ein Sieb abgesondert, ist:

Pröbchen Nr. 0 (d.h. der Thon für sich) glasirt aber ohne Aufblähung. Der Bruch ist stellenweise körnig, die Quarzkörner sind jedoch durch glasige Flußmasse verbunden, sie schwimmen darin. Es zeigen sich viele äußerliche Kreuzrisse und selbst durchgehende. – Schwindet in geringerer Hitze unmerklich, reißt nicht und brennt sich weiß.

Pröbchen Nr. 1 (d.h. 1 Theil Thon versetzt mit 1 Theil chemischreinem Quarz u.s.w.) ist gleichfalls glasirt ohne Aufblähung. Bruch ein wenig porös-sinterig, wenn auch die Körnchen vielfach durch Flußmasse verkittet sind.

Pröbchen Nr. 2 ist vorherrschend körnig, doch sind noch Flußpartien zu bemerken.

Nr. 1 erscheint im Ganzen strengflüssiger, wie Garnkirk Nr. 1.

Im Ganzen genommen übertrifft daher seine Strengflüssigkeit die des Garnkirker Thones, und doch steht er demselben wesentlich nach. Während bei dem Garnkirker Thon in der Prüfungshitze von einer Flußmasse, die glasig ist, nichts wahrzunehmen, charakterisirt dieselbe den fr. Thon, wenn auch die reichliche Quarzbeimengung eine mehr porös-sinterige d.h. dem Anscheine nach strengflüssigere Beschaffenheit hervortreten läßt.

Mit Evidenz zeigt sich das ungünstigere Verhalten bei Steigerung der Prüfungshitze, in der die Pröbchen des fraglichen Thones einer durchaus gleichmäßigen blasigen Flußmasse zusammenschmelzen; während bei dem Garnkirker Thon der Zusatz als solcher, und besonders bei reichlichem, noch immer zu erkennen ist. Dazu kommt in geringerer Hitze der früher erwähnte Umstand der nothwendigen Zerstörung, der in einem solch sandreichen Thone liegt.

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Bestimmung des Grades der Strengflüssigkeit und des Bindevermögens des Thones vermittelst Schlämmen.

Geschlämmt, wie früher beschrieben, den fraglichen Thon, was bei solchen kieselreichen Thonen eine mehr maaßgebende Bestimmung abgiebt, wurde in zwei Ermittelungen 35,6 und 34,4, im Mittel 35 Proc. Sand gefunden, excl. der durch Sieben abgesonderten groben Sandkörner. – Es wurde alle Sorgfalt auf die völlige Zertheilung der Thonknötchen gewandt: durch möglichstes Zerreiben, anhaltendes öfteres Kochen und tüchtiges wiederholtes Aufschütteln, so daß man einen durchaus lockeren Sand erhält.

Den abgeschlämmten Thon, dessen Menge mithin im Ganzen 58 Proc. ausmacht, geprüft in Hinsicht der Strengflüssigkeit, ist:

Pröbchen Nr. 0 glasirt und ohne Aufblähung, auf der Bruchfläche porzellanartig dicht (glänzend). Von einer glasigen Flußmasse ist nichts zu bemerken. Er theilt mit Garnkirk Nr. 0 dieselbe Eigenschaft, daß er auf Wasser nicht schwimmt. – Zeigte gleichfalls Kreuzrisse äußerlich, und zersprang unter dem Hammer mit splitterigem Bruch. – Schwindet in geringerer Hitze nicht wenig, zerspringt auch unter dem Hammer mit splitterigem Bruch, und brennt sich schneeweiß.

Pröbchen Nr. 1 glasirt ohne Aufblähung, auf dem Bruche dicht conglomerirt und nicht glasig.

Nr. 2 glasirt theilweise.

Nr. 3 beginnt körnig zu werden u.s.w.

Nr. 1 erscheint gleich strengflüssig wie G. 1, und Nr. 0 des geschlämmten Thones scheint nicht allein höchst ähnlich G. 0, sondern weniger glänzend auf der Bruchfläche.

Nr. 0 ist verhältnißmäßig strengflüssiger als Nr. 1. Nr. 1 bildet eine dichtere Masse wie G. 1, das mehr sinterig.

Er verdient daher in Hinsicht der größeren Dichtigkeit den Vorzug; in Hinsicht einer größeren Neigung zur Silicatbildung steht er ihm nach.

Das Bindevermögen des abgeschlämmten Thones ist = 4 – 5; während das des rohen Thones nur = 2 ist.

Es ist demnach dieser abgeschlämmte Thon, der gut bindend, plastisch und fast sandfrei, dem Garnkirker in Hinsicht der Strengflüssigkeit, wenn nicht durchaus, so doch sehr nahe gleich zu setzen, und in Hinsicht des Bindevermögens (das bei dem Garnkirker = 2) steht er ihm bedeutend voran.

Es ist dieß ein Resultat, das eine ganz vorzügliche Hervorhebung verdient.

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Untersuchung des als Schlämmrückstand verbliebenen Sandes.

Zu dem Zwecke wurde eine neue Menge des gut zerriebenen Thones, von dem die gröberen Sandkörner nicht durch Sieben getrennt, sorgfältig geschlämmt.

Gefunden wurde im Mittel 43,7 Proc. Sand.

Denselben der Prüfungshitze ausgesetzt, wird eine schlackige Masse erhalten, in der die Quarzkörner, die selbst zum Theil umflossen sind und keine scharfen Grenzen zeigen, schwimmen. Im Innern zeigen sich vielfach ausgeflossene Höhlungen.

Unter der Loupe betrachtet, lassen sich in dem ungeglühten Sande neben den abgerundeten Quarzkörnern weißliche und dunkelbraun gefärbte Körper wahrnehmen. Erstere schäumten vor dem Löthrohr auf, und sind daher Wohl Zeolithe; letztere verbrannten und erwiesen sich als Braunkohle, wovon Stückchen vorkommen bis zur Größe eines Stecknadelknopfes. Gelinde geglüht, schwärzte sich auch der Sand und verbreitete einen empyreumatischen Geruch.

Die zeolithartige Masse liefert in der Glühhitze ein leichtflüssiges Flußmittel; die kohlige Substanz brennt weg und macht dem Fluße Platz.

Auch sind in dem Sande zu erkennen einzelne Theilchen von eisenrostgelber Farbe, Theilchen von Gyps und kohlensaurem Kalk, Glimmerblättchen, die wohl zu unterscheiden sind von Quarzlamellen, nur höchst selten, und Schwefelkies, dessen Menge indeß so gering ist, daß dessen Vorhandenseyn zweifelhaft bleibt.

Geprüft mit Säure, enthielt der Sand vorherrschend, im Gegensatz zu dem abgeschlämmten Thone, den kohlensauren Kalk und auch das Eisen.

Die Verschlackung dieses Sandes, dessen große Unreinheit, erklärt genügend die sehr bedeutende Verbesserung des fraglichen Thones durch einfaches Schlämmen.

Eine ungünstige Eigenschaft ist noch übrig geblieben, die der äußeren Rissigkeit in Glühhitze, was durch weitere Versuche zu verfolgen nicht unwerth erschien.

Ermittelung der Ursache der Rissigkeit des Thones in Glühhitze.

In dem auffallenden Gehalte an Gyps, der in Glühhitze das chemisch gebundene Wasser mit einer gewissen Heftigkeit fahren läßt, oder auch in |132| dem kohlensauren Kalke, dessen entweichender Kohlensäure bei Erhitzung, schien die einfache Erklärung zu liegen.

Vorerst bestimmte ich daher deren Menge quantitativ. Erhalten wurde in einer Durchschnittsprobe von 2 Grm., bei 100° C. ausgetrocknet, digerirt mit reichlich kohlensaurem Natron (wobei sich die Flüssigkeit stark rothbraun, von organischer Substanz, färbte), angesäuert mit Salzsäure, abfiltrirt das Unlösliche und gefällt durch Chlorbaryum

0,005 schwefelsaurer Baryt = 0,00292 schwefelsaurer Kalk
= 0,146 Proc. Gyps.

In der mit Salzsäure hinlänglich digerirten Flüssigkeit wurde nach, Abscheidung der gelösten Thonerde und des Eisens die ganze Menge des Kalkes durch oxalsaures Ammoniak gefällt.

Erhalten wurde 0,010 kohlensaurer Kalk = 0,5 Proc.

Abgezogen die dem gefundenen Gypse entsprechende Menge, welche sich berechnet auf 0,107 also 0,5–0,107 bleibt vorhanden als kohlensaurer, worin etwas kieselsaurer, 0,393 Proc.

Der gefundene Gypsgehalt ist zu geringfügig, um ihm einen bedeutenden nachtheiligen Einfluß beizumessen. Eine Einwirkung indeß dieser selbst kleinen Menge bestätigte ein direct vorgenommener Glühversuch, der gleichzeitig erkennen ließ, daß darin nicht die einzige Ursache liegt. Proben der Prüfungshitze ausgesetzt, im Vergleich mit solchen, bei denen der Gyps ausgewaschen war, zeigten beide Rissigkeit, nur letztere wenigere; im Betreff der Schmelzbarkeit war keine merkliche Verschiedenheit wahrzunehmen.

Ebenso vergleichend Proben geglüht, bei denen der kohlensaure Kalk durch Salzsäure oder selbst Salpetersalzsäure extrahirt, war kein wesentlicher Unterschied in Bezug auf Rissigkeit und Strengflüssigkeit zu bemerken, sowie auch nur eine geringfügige bei Proben, bei denen Gyps und Kalk gleichzeitig entfernt waren.

In diesen Beimengungen ist demnach keinenfalls hauptsächlich die Rissigkeit begründet, wenn auch eine Zunahme oder vielmehr Verstärkung der eigenthümlichen Neigung dadurch unzweifelhaft. Ich nahm deßhalb, einer chemischen Begründung nicht weiter nachgehend, das Schlämmen fractionsweise vor.

Für sich gesammelt wurde a das zuerst Uebergehende, die allerfeinsten, das Wasser intensiv trübenden Theile; dann für sich b das hierauf Uebergehende, bei schon geklärterer Flüssigkeit, und endlich c als dritte Portion die suspendirten mehr einzeln hervortretenden Theile.

Eine jede dieser Mengen der Prüfungshitze ausgesetzt, war a stark rissig und spröde mit splitterigem Bruche; d weniger und ohne splitterigen Bruch; und c nicht mehr. Bei c hatte sich allerdings dem Thone |133| von dem Staubsande sichtbar beigemengt; die Strengflüssigkeit war am geringsten, a war am wenigsten glänzend, und erschien am strengflüssigsten. b stand in der Mitte in Bezug auf die Strengflüssigkeit und war am meisten geschwunden.

Es mindert sich daher die Rissigkeit wie Sprödigkeit (splitterige Zersprengbarkeit), je mehr von b und c, im Verhältniß zu a, übergeschlämmt wird, und zwar fand das statt, ohne wesentliche Abnahme der Strengflüssigkeit.

Das Bindevermögen bestimmt, war das von Thon a, der von hellbläulichgrauer Farbe, von fettigem und höchst zartem Anfühlen, unfühlbar knirschte und nicht brauste, = 4 – 5; von Thon b der ein wenig knirschte sonst sich ebenso verhielt, = 4; und von Thon c, der noch mehr knirschte, = 3 – 4.

Richtet man das Schlämmen so ein, daß 54–55% übergeschlämmt werden, so wird eine Masse erhalten, die nur äußerst unbedeutend rissig ist, sich unter dem Hammer nur wenig spröder verhält wie G. 0, und in Hinsicht der Strengflüssigkeit nicht nachzusetzen seyn möchte. Man hat es daher in der Hand, durch zweckmäßige Einrichtung des Schlämmens des fraglichen Thones die Rissigkeit und Sprödigkeit auf ein Minimum zu reduciren, wodurch das obige Resultat, daß dieser geschlämmte Thon wegen seiner ausgezeichneten Strengflüssigkeit dem Garnkirker sehr nahe gleich und wegen seines größeren Bindevermögens ihn weit übertrifft, um so vollkommenere Geltung erhält.

Thon II.

Wie oben der Prüfungshitze ausgesetzt, ist:

Pröbchen Nr. 0 feinblasig-krugähnlich mit kaum beginnender Aufblähung. – Schwindet in geringerer Hitze wenig, und brennt sich gelblichweiß mit körnigem Bruch.

Nr. 1 ist sehr stark glasirt mit beginnendem Aufblähen.

Nr. 2 stark glasirt.

Nr. 3 glasirt.

Nr. 4 beginnt körnig zu werden u.s.w. Nr. 1 und 2 sind leichtflüssiger wie G. 1; Nr. 3 erscheint strengflüssiger.

Seine Strengflüssigkeit ist, G. 1 als Norm angenommen, demnach jedenfalls = mehr als 2 und möchte zu setzen seyn = 2 – 3.

Daß Nr. 0 sich verhältnißmäßig strengflüssiger verhält wie Nr. 1, deutet auf eine vorherrschende Neigung in Glühhitze Silicate zu bilden.

Das Bindevermögen ist = 5.

Der Thon II ist demnach ein strengflüssiger, gut bindender, plastischer |134| Thon. Er gehört nächst den ausgezeichneten: den englischen, den Steinkohlenthonen und den belegischen, zu den guten feuerfesten Thonen.

Geschlämmt den Thon, bleibt nur ein geringer Sandrückstand, dessen Menge 10,3 Proc. beträgt.

Mit dem abgeschlämmten Thone, welcher von bläulich-grauer Farbe, fettigem und zartem Anfühlen, unfühlbar knirscht, mit Säure braust und eisenhaltig ist, die resp. Pröbchen dargestellt und der Prüfungshitze ausgesetzt, ist:

Nr. 0 feinblasig-sinterig und nicht gesprungen oder gerissen. Die Blasen waren größer und die Färbung eine dunklere als bei Nr. 0 des ungeschlämmten Thones. In geringerer Hitze war ein größeres Schwinden zu bemerken.

Nr. 1 und 2 sind glasirt und unter G. 1 zu setzen.

Nr. 3 ist weniger glasirt und ist im Ganzen = G. 1.

Also die Strengflüssigkeit ist jedenfalls mehr als 2 und möchte = 3 zu setzen seyn.

Das Bindevermögen ist = 6, hat also um 1 Grad zugenommen.

Es ist also obwohl der Sand, der Flußmittel enthält, entfernt worden, dennoch die Strengflüssigkeit keine höhere geworden, ja sie möchte sogar geringer wie bei dem ungeschlämmten Thon zu stellen seyn. Es erklärt sich dieß aus dem Umstande, daß der geschlämmte Thon vorherrschend kalk- und eisenhaltig ist.

Das Schlämmen fractionsweise vorgenommen, war kein merklicher Unterschied zu bemerken, nur zeigte das später Uebergeschlämmte ein geringeres Bindevermögen = 5. Es knirschte auch mehr.

Der im Schlämmrückstand gebliebene Sand verhielt sich gleich ungünstig wie der von Thon J. Geglüht sinterte er zu einer Schlacke zusammen und zeigte häufige ausgeflossene Höhlungen.

Die sonstige Beschaffenheit des Sandes wurde nicht näher untersucht.

Den Gyps wie oben quantitativ bestimmt, enthält der Thon 0,161% und 0,582% kohlensauren Kalk.

Die geringere Menge Gyps durch Auswaschen entfernt und die Probe der Prüfungshitze ausgesetzt, war der Thon nicht strengflüssiger geworden. Auf die Strengflüssigkeit ist der geringe Gehalt von keinem Einfluß, da der Thon, auch ungewaschen, nicht reißt.

Behandelt dagegen den Thon mit Salzsäure, verhielt sich die Probe strengflüssiger. Sie war in der Prüfungshitze nicht blasig geworden, nicht aufgebläht, dicht und kaum krugartig.

Also durch Schlämmen keineswegs und auch nicht durch Auswaschen, ist die Strengflüssigkeit zu erhöhen, wohl aber durch Behandlung mit |135| Salzsäure. In dem kohlensauren Kalk und dem vorhandenen Eisen, die durch die Salzsäure entfernt worden, ist daher der Grund der geringeren Strengflüssigkeit zu suchen, und weniger in einem Gehalte an Alkalien oder sonstigen flußbildenden Beimengungen.

III. Ein Gestein von eben daher, welches als feuerfestes Zusatzmittel verwendet wird, wenn auch für geringere Zwecke.

Dasselbe ist ein quarzitischer Sandstein von graulich-weißer Farbe. Enthält vereinzelte Gesteinsstückchen, wenige zweifelhafte Glimmerblättchen und ein thoniges Bindemittel.

Das Gestein ist nicht schwierig zersprengbar, und zerreibt sich leicht zu dem feinsten ein wenig bindenden Pulver. Für sich staubt es nicht ab, sondern erst bei Zusatz von 1 Theil reinem Quarzpulver.

Das Bindemittel beträgt circa 30 Proc.

Enthält sehr wenig Eisen aber mehr Kalk.

Bestimmung des Grades der Strengflüssigkeit im Vergleich zu chemisch reinem Quarz.

Das Gestein pulverisirt, daraus eine Probe geformt und der Prüfungshitze ausgesetzt, haftet dieselbe noch an der Zunge, ist mürbe, wenn auch häufige Flußpünktchen sich zeigen. Dagegen ist der chemisch reine Sand geglüht, zwischen den Fingern zerreiblich und nur gegen das Licht gesehen, lassen sich glänzende Punkte, d.h. äußerlich gefrittete Quarzkörnchen erkennen.

Pröbchen dargestellt, aus Thon II, versetzt mit dem Gesteinspulver, statt chemisch reinen Quarzes, und der Prüfungshitze ausgesetzt, ist:

Nr. 1, 2 und 3 glasirt, stehen unter G. 1.

Nr. 4 beginnt körnig zu werden, und erscheint strengflüssig wie G. 1.

Bei Anwendung von reinem Quarz, erscheint selbst Nr. 3 noch strengflüssiger wie G. 1.

Also ist durch das Sandsteinpulver die Strengflüssigkeit des Thones II um wenigstens 1 Grad vermindert.

Demnach steht der Sandstein gegen chemisch reinen Quarz um wenigstens einen Grad nach.

Durch Schlämmen des Gesteinpulvers wurde ein Sandrückstand erhalten, der sich merklich strengflüssiger verhielt. Denselben der Prüfungshitze ausgesetzt, ist die Probe noch etwas zerreiblich und die Flußpünktchen sind fast gänzlich verschwunden, so daß dieser geschlämmte Sandstein chemisch reinem Quarz so gut wie gleich zu setzen ist.

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Durch Behandlung mit Salzsäure zeigten sich die geprüften Pröbchen nicht strengflüssiger. Die häufigen Flußpünktchen waren nicht vermindert.

Ein Stückchen des Gesteins, unzerkleinert der Prüfungshitze ausgesetzt, hatte dasselbe seine Form und scharfen Kanten unverändert erhalten, und war nicht gerissen oder gesprungen. Die Quarzkörner waren äußerlich glasirt, innen nicht; stellenweise waren aus der Masse Flußtröpfchen hervorgetreten.

Sich ergebende Folgerungen in Bezug auf die Anwendung der Thone und des Sandsteins.

Vorstehende Untersuchungen führen in Hinsicht der Anwendung der Bautzener Thone und des Sandsteins zu Resultaten, die die Erfahrungen im Großen überraschend zu Gunsten des darauf begründeten Unternehmens bestätigen.

Stellt man eine Classification auf, wie sie im Allgemeinen für die Anwendung der Thone zur Darstellung feuerfester Steine, den verschiedenen Anforderungen entsprechen dürfte, so möchten die geringsten an letztere gestellt werden:

A. bei Dampfkesselfeuerungen, bei Essen, Kohksöfen etc.

Hier genügt Rohmaterial, wie es gerade nicht selten vorkommt, Thon und Sand, wovon ersterer sich in gewöhnlicher Rothglühhitze nur hält, und letzterer wenigstens denselben Hitzgrad ohne Schmelzung erträgt.

B. Wird schon mehr von ihnen verlangt in Glas-, Zink-, Cupol- und Puddelöfen etc. Hier genügt Thon und Sand nicht mehr, man muß letzteren ersetzen durch Chamotte (gebrannter Thon), wenigstens zum Theil, einen Thon auswählen, der helle Rothglühhitze ohne zu schmelzen etc. verträgt.

C. Müssen sie den höchsten Hitzgrad aushalten in Hoh- und Schweißöfen etc.

Hierzu mit ausreichendem Gewähr dienen nur besonders ausgezeichnete Thone in Hinsicht der Strengflüssigkeit, versetzt mit entsprechendem Chamotte.

Betrachtet man mit Bezug hierauf

Thon I:

so ist seine Strengflüssigkeit vollkommen genügend, um feuerfeste Steine ad A daraus darzustellen; aber – er brennt sich rissig und zu wenig fest.

Es liefert jedoch Thon I einen hervorragend ausgezeichneten Thon, und zwar durch einfaches Schlämmen, der nicht allein für die Anforderung B , sondern auch für C, wie überhaupt den |137| allergewichtigsten Zwecken genügt, der den allerbesten bekannten feuerfesten Thonen mit Recht an die Seite zu setzen ist.

Zweckwidrig ist es, wie leicht einleuchtet, einen solchen Thon erster Qualität mit Quarzsand und selbst dem reinsten zu versetzen.

Thon II.

Er liefert mit Quarzsand, dem Sandsteinpulver, versetzt, feuerfeste Steine ad A und mit gereinigtem Sand und mit Chamotte, Steine ad B.

III. Sandstein.

Seine Strengflüssigkeit genügt für alle geringeren entsprechenden Anwendungen. Er wird durch Schlämmen wesentlich gereinigt. Er läßt sich leicht zu dem feinsten Pulver verarbeiten, das bei einem gehörigen Verkneten mit Thon festere, weniger rissige Fabricate liefert, als das der Fall bei gröberem Quarzkorn.

Anstrebend eine umfassende Verfolgung der nicht unwichtigen feuerfesten Thonindustrie, werde ich Erfahrungen Anderer und gefällige Bemerkungen im Interesse der Sache stets mit dem größten Danke entgegennehmen.

Industriellen, die Thone, Thonfabricate etc. verglichen zu haben wünschen und wissen möchten, welcher Werth ihnen zukommt oder wie durch einfache, praktische Mittel derselbe zu erhöhen sey, stelle ich anheim mir Proben zu kommen zu lassen unter der frankirten Adresse: Dr. C. Bischof bei Ehrenbreitstein am Rhein.

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