Titel: Carré's Apparate zur künstlichen Eiserzeugung.
Autor: Carré, Ed.
Fundstelle: 1862, Band 163, Nr. L. (S. 180–184)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj163/ar163050

L. Apparate zur künstlichen Eiserzeugung, von Carré und Comp. in Paris.

Mit Abbildungen.

Carré ist der Erfinder sehr einfacher und wirksamer Apparate, die mit geringen Abänderungen zur Darstellung von Eis im Kleinen und im Großen, zur Abkühlung der Luft in Spitälern, Theatern etc., wie auch zur Beförderung der Krystallisation von Salzen bereits vortheilhafte Verwendung finden (s. die betreffende Abhandlung im polytechn. Journal Bd. CLX S. 23). Das Princip des Verfahrens beruht auf der Austreibung des Ammoniakgases aus seiner wässerigen Lösung durch Erwärmen, |181| welches sofort in einem hinreichend starken Condensator aufgefangen und durch Abkühlung und Druck verflüssigt wird. Wird nun die Retorte nach Austreibung des Ammoniakgases in kaltes Wasser gestellt, so entsteht ein Vacuum in dem Apparat, und es erfolgt eine abermalige Verdampfung des im Condensator befindlichen flüssigen Ammoniaks, das wieder von dem Wasser in der Retorte absorbirt wird. Um aber von Neuem seinen gasförmigen Zustand zu erlangen, muß es bedeutende Mengen Wärme aufnehmen, die es seiner nächsten Umgebung entzieht, wodurch die Kälte entsteht.

Carré's Apparate sind entweder intermittirende, zum Hausgebrauch bestimmte, oder continuirliche zur Eisfabrication im Großen. Wir geben hier eine Zeichnung und Beschreibung eines der intermittirenden Apparate:

Fig. 1., Bd. 163, S. 181
Fig. 2., Bd. 163, S. 181

A, Fig. 1, ist ein starker, luftdicht schließender Kessel, am besten von Eisen, welcher mit concentrirtem wässerigen Ammoniak (Salmiakgeist) gefüllt wird, mit einem in einem Oelbade befindlichen Thermometer a versehen; b eine den Kessel A mit dem Condensator B verbindende Röhre, an welcher sich ein wenig Wasser enthaltendes, mit einem Hahnen versehenes Gefäß G befindet. Der Condensator B ist mit einer Umhüllung F, Fig. 2, die aus irgend einem schlechten Wärmeleiter bestehen kann, umgeben, und im Innern desselben befindet sich ein Cylinder E, in welchen man ein wenig Alkohol oder eine kleine Menge einer concentrirten Salzlösung, gibt und dann einen zweiten zu 3/4 mit kaltem Wasser gefüllten Cylinder D einsetzt, welches letztere dazu bestimmt ist, in Eis verwandelt zu werden.

Ehe man die Operation beginnt, hat man den Apparat in der Weise zu neigen, daß kleine Mengen von Ammoniakflüssigkeit, die sich etwa in |182| dem Condensator befinden mögen, in den Kessel zurückfließen, und um dieß zu befördern, kann man ersteren mittelst einer Weingeistlampe ein wenig erwärmen. Der Kessel A wird sodann auf ein schwaches Kohlenfeuer, der Condensator B aber in eine bis oben mit kaltem Wasser gefüllte Wanne C gesetzt, und nachdem man in den Becher, welcher das Thermometer enthält, etwas Oel, in das Gefäß G ein wenig Wasser gegossen hat, erwärmt man den Kessel auf 40 bis 50° C. Nun hat man sich zu überzeugen, ob sich keine Luft in dem Apparate befindet. Zu dem Ende ist es nöthig, den an dem Gefäße G befindlichen Hahnen von Zeit zu Zeit schwach zu öffnen und zu beobachten, ob keine Luftblasen durch das Wasser streichen, die man entweichen lassen muß, während man im Gegentheil den Hahnen sogleich wieder schließt, wenn keine Luftblasen entweichen und sich bloß das charakteristische Geräusch des sich im Wasser lösenden Ammoniakgases bemerklich macht. Ist das Letztere der Fall, so erwärmt man den Kessel stärker, bis das Thermometer 130° anzeigt. Nun nimmt man den Kessel vom Feuer und zu gleicher Zeit auch den Condensator aus der Wanne, setzt den ersteren an dessen Statt in die Wanne, wie dieß in Fig. 2 veranschaulicht ist, gibt ein wenig Alkohol oder gesättigte Salzlösung in das Gefäß E, stellt in das letztere den zu 3/4 mit kaltem Wasser gefüllten Cylinder D, und umgibt den Condensator mit der Umhüllung F. Der weitere Proceß, der nun die Eisbildung im Gefäße D zur Folge hat, geht von selbst vor sich, ohne daß man danach zu sehen braucht. Um das gebildete Eis aus D herauszubringen, braucht man es bloß einige Zeit in Wasser von gewöhnlicher Temperatur zu stellen.

Einen Apparat bei dem die Operation der Erwärmung 25 Minuten, die der Eisbildung 30 Minuten dauert, und der in 55 Minuten 1/2 Kilogr. Eis erzeugt, liefern die HHrn. Carré u. Comp., 149 rue Ménilmontant in Paris, für 80 bis 100 Francs, wozu noch weitere 25 Frcs. für den Ofen, 2 Frcs. 50 Cent. für die Umhüllung und 3 Frcs. für das Thermometer kommen.

Schließlich bemerken wir noch, daß die HHrn. Tellier, Budin und Hausmann sen., welche Prioritätsansprüche auf die Erfindung des beschriebenen Apparats machen, in einem Artikel in den Comptes rendus (polytechn. Journal Bd. CLX S. 120) hervorheben, daß ein solcher Apparat bei Anwendung von Ammoniak auf einen inneren Druck von mindestens 10 Atmosphären berechnet seyn müsse; und daß sie selbst die Verwendung der schwefeligen Säure der des Ammoniaks vorzögen, weil erstere, obschon weniger löslich in Wasser, eines um die Hälfte geringeren Drucks zur Verdichtung bedürfe.

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Im Uebrigen sind die Carré'schen Apparate überall zum Gebrauche zu empfehlen, wo man nicht im Falle ist, Eis aus Eiskellern beziehen zu können. Einige Nummern derselben sind so eingerichtet, daß man die abzukühlenden Gefäße, wie z.B. Champagnerflaschen, unmittelbar in das Kühlgefäß einstellen kann. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1861, Nr. 40.)

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Moigno berichtet in seinem Cosmos, August 1861, vol. XIX p. 233 über Carré's continuirlichen Apparat Folgendes:

„Wir haben diesen Apparat am 23. August in Thätigkeit gesehen und uns überzeugt, daß derselbe vollkommen gelungen ist und die Eiserzeugung in demselben ebenso schnell wie regelmäßig und ohne große Kosten stattfindet. Es wurden für je 2 1/2 Kilogr. im Ofen verbrannter Kohlen 25 Kilogr. Eis in der Stunde erzeugt; nach je 8 Minuten wurde aus dem Refrigerator ein Eiscylinder von – 10° C. entnommen, der etwas über 4 Kilogr. wog.

Der Apparat ist übrigens sehr einfach und zweckmäßig; es entweicht nicht mehr Ammoniakgas in die Umgebung als bei den kleinen intermittirenden Apparaten. Unter den gegebenen Verhältnissen ist der Kostenpreis des Eises leicht zu berechnen, und es ist unzweifelhaft, daß derselbe bei größeren Apparaten zu 100 oder selbst 1000 Kilogr. in der Stunde, wie Carré solche bald construiren wird, noch unter 1 oder gar 1/2 Centime für das Kilogr. fallen muß. Jedenfalls ist die Anwendung des Ammoniaks zur Eisbereitung derjenigen des Aethers vorzuziehen.

Der Gang des Apparates ist leicht zu begreifen. Der Kessel oder Generator enthält in seinem unteren Theile 86 Kilogr. Ammoniakflüssigkeit von 28° Baumé. Beim Erhitzen derselben entwickelt sich das Ammoniakallmählich und geht in eine zweite Abtheilung, welche eine Reihe übereinander liegender horizotaler Röhren enthält, die in der Mitte mit weiten verticalen Tubulaturen versehen sind. Diese Röhrenreihe bildet den Rectificator; das durch die Wärme entwickelte Ammoniakgas kommt nämlich in diesen Röhren mit der in den Kessel zurückkehrenden Flüssigkeit in Berührung, gibt an dieselbe seinen Wasserdampf ab, und wird fast absolut rein; aus dem Rectificator geht das Gas nach einem Schlangenrohr, welches ebenfalls einen Theil des Kessels bildet, und von diesem nach dem Condensator, einem Röhrenbündel, um welches ein Strom kalten Wassers von 12–15° C. circulirt. Hier wird das Gas flüssig und bei seinem Austritt durch den fortdauernden Druck im Kessel, welcher etwa |184| 10 Atmosphären beträgt, nach einem anderen Gefäße, dem Regulator, getrieben. In letzterem schwimmt eine Glocke von dünnem Blech, welche durch ihr abwechselndes Steigen und Sinken den Anstritt der Flüssigkeit regulirt und die Beimischung jeder Gasblase verhindert. Das so condensirte flüssige Ammoniak tritt nun durch einen Hahn in den eigentlichen Eisbildner, nämlich in ein Schlangenrohr, welches mehrmals um Cylinder circulirt, die mit dem zum Gefrieren zu bringenden Wasser gefüllt sind und in einem Gefäße mit nicht gefrierbarer Flüssigkeit (starkem Alkohol oder besser einer concentrirten Chlorcalciumlösung) stehen.

Das Ammoniak entzieht dem Wasser in den Cylindern seine Wärme, bringt es zum Gefrieren, verwandelt sich dadurch selbst in Gas und tritt durch ein aufrechtes Rohr aus dem Schlangenrohr in ein Sammelgefäß, von wo es in dem Absorptionsbehälter mit erschöpftem Ammoniakwasser in Berührung kommt, welches vom Boden des Kessels herkommt und durch ein Sieb in viele feine Strahlen zertheilt worden ist. Hier entsteht unter Wärmeentwickelung wieder eine concentrirte Ammoniaklösung; durch eine zweite Kaltwassercirculation wird diese Wärme beseitigt und die Ammoniaklösung geht durch die Röhren des Rectificators nach dem oberen Theile des Kessels zurück.

Das Eis bildet sich sehr rasch, ist fest und undurchsichtig, und so kalt, daß man das Wasser im Centrum der Cylinder nicht in dem Apparat gefrieren zu lassen braucht, da es nach dem Herausnehmen schon von selbst in festen Zustand übergeht.

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