Titel: Edwards' Luftmaschine.
Autor: Edwards, F. H.
Fundstelle: 1862, Band 163, Nr. LXV. (S. 252–254)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj163/ar163065

LXV. Die Luftmaschine von F. H. Edwards in Newcastle-upon-Tyne.

Aus dem London Journal of arts, September 1861, S. 138.

Mit einer Abbildung auf Tab. IV.

Diese, durch heiße Luft betriebene Maschine (patentirt in England am 4. December 1860), zeigt Fig. 16 im Verticaldurchschnitt, zum Theil von vorn gesehen. Auf der Sohlplatte a ist der Ofen b aufgemauert, welcher inwendig mit feuerfesten Steinen bekleidet ist. c ist ein beweglicher Rost und d eine oberhalb desselben liegende Platte, welche unten eine wellenförmige Oberfläche hat, und in der Mitte offen ist. Diese Platte dient dazu, die rings um den Rost c aufsteigende Luft nach der Mitte zu abzulenken und mit den aus dem Brennmaterial entweichenden gasförmigen Verbrennungsproducten in innige Berührung zu bringen, so daß sie die Verbrennung derselben befördert. In den Ofen b reicht ein langer Cylinder e hinab, welcher mittelst einer Flantsche auf dem oberen Theil des Ofens b aufruht. Die gasförmigen Verbrennungsproducte gehen, nachdem sie den unteren Theil des Cylinders e erhitzt haben, durch einen Canal, welcher vermittelst der gußeisernen Platte f gebildet wird. Diese Platte dient zur Regulirung des Zuges; mit der dem Schornstein zunächst liegenden Fläche steht sie in Berührung, nach der entgegengesetzten Seite aber läßt sie den Verbrennungsproducten freien Durchgang, so daß diese gezwungen werden, den Cylinder völlig zu bestreichen, bevor sie nach dem Schornsteine abziehen. Das untere, in den Ofenraum reichende Ende des Cylinders e ist abgerundet, und das obere ist mit einem Deckel g bedeckt, in welchem sich zwei Ventilkammern h befinden; diese münden in seitlich abzweigende Röhren i, welche mit den |253| cylindrischen Reservoirs j und k in Verbindung stehen. Diese Reservoirs bestehen aus Gußeisen und ruhen, wie der Ofen, auf der Sohlplatte a. Das Reservoir j dient zur Aufnahme comprimirter, kalter Luft, und das Reservoir k zur Aufnahme der expandirten Luft, nachdem dieselbe ihre Wirkung auf den Kolben geäußert hat. Letztere wird aus dem Reservoir k durch das nach innen sich öffnende Ventil l in den Cylinder e zurückgeführt, während die im Cylinder von neuem comprimirte Luft durch das nach außen sich öffnende Ventil m nach dem Reservoir j abgeleitet wird.

Beide Reservoirs werden zuerst mittelst einer Luftcompressionspumpe mit comprimirter Luft gefüllt, und diese comprimirte Luft wird durch die hin- und hergehende Bewegung eines Plungerkolbens im Cylinder e vom Niederdruck- nach dem Hochdruckreservoir übergeführt. Die Bewegung des Plungerkolbens wird durch eine kleine Dampfmaschine hervorgebracht.

Oberhalb des Cylinders e ist das verticale Gestell n befestigt, durch welches die Kurbelwelle o der kleinen Dampfmaschine hindurchgeht; dieselbe treibt den geschlitzten Kreuzkopf p mit der Stange q und dem Plungerkolben r, welcher durch eine Stopfbüchse in den Cylinder e eintritt. Der Plungerkolben r besteht aus Eisen, ist hohl, und läßt um sich herum einen schmalen ringförmigen Raum für den Durchgang der Luft, welche er verdrängt, und von einem Ende des Cylinders nach dem anderen fortschiebt. Das Innere des Plungerkolbens ist mit Holzkohle oder einem anderen die Wärme schlecht leitenden Material ausgefüllt. Der obere, im Durchmesser kleinere Theil des Kolbens, ist mit mehreren Lagen von engmaschigem Drahtgewebe s oder fein durchlochtem Metall oder überhaupt einem solchen Material bedeckt, welches nicht nur die Wärme gut leitet, sondern auch die durchgehende Luft möglichst zertheilt. Wenn der Plungerkolben durch die Welle o in Thätigkeit gesetzt wird, so wird beim Niedergang die unter ihm befindliche heiße Luft durch den ringförmigen Raum nach oben gedrängt und gibt dabei ihre Wärme an das Drahtgewebe ab. Die Luft kommt also über dem Kolben beinahe kalt und mit einer Spannung an, welche noch niedriger als die im Reservoir k ist, so daß eine Quantität Luft aus dem Reservoir k durch das Ventil l in den Cylinder e übertritt. Beim Aufsteigen des Kolbens durchdringt die zur Seite niedergehende Luft das Drahtgewebe, nimmt von diesem die Wärme, die vorher an dasselbe abgegeben wurde, auf und erwärmt sich dann noch weiter an den unteren, warmen Wänden des Cylinders e. Dadurch wird die Spannung der Luft so weit gesteigert, daß das Ventil m sich öffnet und ein Theil der noch über dem Kolben befindlichen kalten in das Hochdruckreservoir j abfließt.

Es ist zu bemerken, daß man die Durchgangscanäle für die Luft |254| auch im Kolben selbst oder zur Seite des Cylinders anbringen kann; in beiden Fällen müssen die Drahtgewebe in den bezüglichen Canälen angebracht seyn, und der Kolben im Cylinder dicht schließen.

Die so verdichtete Luft treibt vermöge ihrer Expansivkraft den Kolben einer Betriebsmaschine und kehrt, nachdem sie ihre Wirkung geäußert hat, in das Niederdruckreservoir k zurück. Die Kraft ist also proportional der Differenz der Spannungen in den beiden Reservoirs.

Um den oberen Theil des Cylinders e möglichst kühl zu erhalten, umgibt man ihn mit einem Mantel t, in welchem kaltes Wasser circulirt, das durch die Röhre u aus einem Reservoir zugeführt wird. Aus dem Mantel t steigt das Wasser durch die Röhre v aufwärts, passirt den ringförmigen Raum w oberhalb des Gestelles, und fließt durch die Röhre x in das Reservoir zurück. Diese Wassercirculation kann durch Benutzung einer Druckpumpe befördert werden. Der ringförmige Raum w umgibt den Cylinder einer Luftpumpe, dessen Kolben von dem Kreuzkopf p, mit dem er unmittelbar verbunden ist, seine Bewegung erhält. Sowohl das Eintrittsventil z, als das Austrittsventil a* befinden sich am oberen Ende des Luftpumpencylinders; letzteres leitet durch das Rohr b* die Luft in das Niederdruckreservoir k. Diese Luftpumpe dient zur Ergänzung der durch Undichtheiten verloren gehenden Luft, und der Wassermantel ihres Cylinders hat die Bestimmung, die bei der Compression der Luft erzeugte Wärme aufzunehmen.

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