Titel: Creuzburg, über die Bereitung eines weißen Cementes und die Darstellung buntfarbiger Cemente.
Autor: Creuzburg, H. Ch.
Fundstelle: 1862, Band 163, Nr. XCI. (S. 356–365)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj163/ar163091

XCI. Ueber die Bereitung eines weißen Cementes und die Darstellung buntfarbiger Cemente; von H. Creuzburg.

I. Bereitung eines weißen Cementes.

Die im Handel vorkommenden Cemente sind nie weiß, sondern verschiedenartig gefärbt, je nach dem verschiedenen Gehalt des Cementsteins an Eisen- und Manganoxyd. Zu dem gewöhnlichen Gebrauch in der Baukunst ist die Farbe des Cements ziemlich gleichgültig; ein dunkelfarbiges Cement wird man aber einem weißen weit vorziehen. Es würde daher Niemanden einfallen, ein weißes Cement für den gewöhnlichen Gebrauch fertigen und anbieten zu wollen.

Unser weißes Cement hat eine besondere Bestimmung; ich habe in diesem Bande des Polytechn. Journals S. 295 darauf aufmerksam gemacht.

Wenn man ein buntfarbiges Cement darstellen will, so wird man für die meisten Farben kein anderes als ein weißes Cement brauchen |357| können, denn nur ein solches wird, mit feurigen Farben gefärbt, eine reine Farbe geben. Da das weiße und bunte Cement bloß zu feineren architektonischen Verzierungen etc., und hier in verhältnißmäßig geringer Menge, als Luxusartikel in Anwendung kommt, so braucht der etwa höhere Preis desselben gar nicht in Betracht zu kommen.

Einen Cementstein, der weißes Cement giebt, hat man in der Natur meines Wissens nicht, daher muß man dasselbe auf künstlichem Wege darzustellen suchen. Das Verfahren, aus Thon und Kalk hydraulische Mörtel darzustellen, ist nicht neu; – hier will ich nur auf die Bedingnisse aufmerksam machen, auf welche es ankommt, um ein wahres Cement aus Thon und Kalk überhaupt, ein farbloses aber insbesondere, darzustellen.

Eine allgemeine Vorschrift, künstliches Cement aus Thon und Kalk zu bereiten, kann von vornherin darum nicht gegeben werden, weil die natürlichen Thone sehr verschiedenartig in ihrer Zusammensetzung sind, und der Kalk selbst oft Thon enthält. Die Thone bestehen alle aus Thonerde, Kieselerde, Eisenoxydul und Wasser. Ob der Thon ein Thonerdesilicat oder bloß ein mechanisches Gemenge von Thonerde und Kieselerde ist, weiß man noch nicht einmal gewiß; die letztere Annahme ist aber wahrscheinlicher, weil in den Thonen nie ein constantes Verhältniß der beiden Erden gegeben ist. Auch der Eisengehalt ist sehr relativ. Will man einen Thon daher zur Cementbereitung versuchen, so muß man das zuzusetzende Quantum Kalk zunächst durch kleine Probeversuche ausmitteln. Bei diesen Versuchen sieht man nach dem Brennen gleich nebenbei, ob man ein gelbes oder ein Weißes hat, ob also der verwendete Thon eisenhaltig war oder nicht. Hat man weißen Porzellanthon billig in der Nähe, so nimmt man natürlich keinen anderen.

Zu den Versuchen kann man den Kalkstein roh oder gebrannt anwenden. Ich habe vorgezogen, gleich gebrannten Kalk zu nehmen, weil derselbe sich leichter und inniger mit dem Thon vermischen läßt, und man auf den Preis nicht zu reflectiren braucht. – Den Thon trocknet man und stößt ihn gröblich, ebenso den gebrannten Kalk. Man bedient sich für beide Körper der Einfachheit wegen eines Gemäßes, nicht des Gewichtes. Bei Behandlung des Thones mit Kalk habe ich übrigens einen Zusatz von etwas Soda für gut gefunden. Hat man Thon und Kalk als Pulver zu den Versuchen in Bereitschaft, so macht man sich zunächst eine Auflösung von z.B. 1/4 Pfund krystallisirter Soda in 1 Maaß warmen Wassers. Sie dient zum Anmachen der folgenden Probemischungen, welche man zu machen hat, und deren drei mit jedem zu prüfenden Thon genügen dürften.

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1) 1 Maaß Thonpulver und 2 Maaß Kalkpulver
2) 1 „ 1 „
3) 2 „ 1 „

Jede der drei Probemischungen wird mit obiger Sodalauge zu einem zähen Teig angemacht und so lange durcheinandergearbeitet, bis eine völlig homogene Masse gebildet ist. Jeder der drei Proben giebt man nun eine andere Gestalt, z.B. Nr. 1 gestaltet man in ein vierseitiges Prisma, Nr. 2 in ein dreiseitiges Prisma, Nr. 3 formt man rund. Es ist diese Vorsicht deßhalb nöthig, weil die Proben zuweilen im Feuer zerspringen, und man ohne dieselbe nicht erkennen würde, zu welcher Probenummer die einzelnen Stücke gehören; man läßt die Proben gehörig trocknen, dann werden sie in einem Casserol oder Windofen zwischen Holzkohlen gebrannt. Man giebt auf den Rost eine Schichte glühende Kohlen, und darauf wieder eine Schichte todter Schmiedekohlen, legt die drei Probecylinder auf letztere, und bedeckt endlich die Proben mit einer starken Schicht todter Kohlen. Man läßt die Kohlen allmählich in Gluth kommen, und nimmt die durchgeglühten Proben erst dann heraus, wenn die Kohlen niedergebrannt sind. Will man sich mit dem Brennen nicht abgeben, so kann man die Proben auch im Ofen eines Töpfers oder in einem Kalkofen mitbrennen lassen, doch ist es dann gut die Proben in ein unglasirtes Geschirr, z.B. in einen Blumentopf, zu geben.

Die Prüfung der gebrannten Proben geschieht, indem man die Proben zu Pulver zerreibt, mit Wasser zu einem formbaren Teig anmacht, und nußgroße Kugeln daraus formt, von jeder Nummer nämlich zwei Kugeln, wovon die eine, wenn sie noch weich und nicht erstarrt ist, sogleich in eine der drei bereit gehaltenen Obertassen mit Wasser geworfen wird, während die anderen Kugeln jeder Nummer neben den im Wasser liegenden Kugeln an der Luft liegen bleiben. Bei den letzteren beobachtet man, wie viel Minuten sie brauchten, um an der Luft zu erstarren, und wie hart sie bei Prüfung mit dem Fingernagel nach 12 Stunden geworden sind. Nachdem man die im Wasser liegenden Kugeln, ebenfalls nach 12 Stunden, auf ihren Härtegrad geprüft hat, läßt man diese nun an der Luft liegen, und prüft sie nach 12 Stunden wiederum auf ihre Härte, wirft dafür aber die zuerst an der Luft gelegenen Kugeln ins Wasser, und probirt sie auch nach 12 Stunden wieder. So kommt man bald darüber ins Reine, welche der Proben die beste Mischung von Kalk zu Thon darbietet, um zur Ausführung in größerem Maaßstabe erwählt zu werden. Ganz untaugliche Proben werden gar nicht hart, weder an der Luft noch im Wasser, oder zerfallen in letzterem ganz.

Um beiläufig über die Fabrication im Großen etwas zu sagen, sey |359| bemerkt, daß das Anmachen des Thon- und Kalkpulvers mit der Sodalauge, auf einer Tenne geschehen kann, indem man die Mischung anfangs mit der Haue oberflächlich vertheilt, dann aber einen Arbeiter mit bloßen Füßen so lange darauf herumtreten läßt, bis die innige Mischung zu Stande gebracht ist. Man kann dazu aber auch eine gewöhnliche Thonschneidemaschine anwenden.

Aus der Mischung werden nun gewöhnliche Backsteine geformt, und wie diese gebrannt. Man stellt jedoch die Cementbacksteine womöglich an Stellen im Ofen auf, wo sie den meisten Luftzug erhalten. Diese gebrannten Backsteine lassen sich leicht pulverisiren, und es kann dieß sowohl zwischen Mühlsteinen wie bei gewöhnlichen Mahlmühlen, als auch mit aufrecht im Kreis laufenden Steinen geschehen.

II. Darstellung buntfarbiger Cemente.

Den farbigen Cementen dient, wie bereits angedeutet, das weiße Cement zur Basis.

Wegen der stark basischen Natur des weißen Cementes hat aber das Färben desselben mit schönen Farben seine Schwierigkeiten, und es kann dazu von vielen Malerfarben kein Gebrauch gemacht werden, indem dieselben entweder verändert oder ganz zerstört werden, wie u.a. Schweinfurtergrün, Bremergrün, Berlinerblau, Indigo, Carmin, Schittgelb und überhaupt alle Lackfarben organischen Ursprungs. Die Schwierigkeiten, durch Färben des weißen Cementes ein schönes Farbenspectrum herzustellen, sind daher nicht gering, da fast alle schönen Farben ausgeschlossen bleiben, doch wollen wir diese möglichst zu überwinden suchen. Wir beginnen mit

Grün. Gerade die meisten und schönsten grünen Farben vertragen sich nicht mit dem alkalisch ätzenden Cement. Man hat hier bloß die Wahl zwischen grünem Zinnober (Ultramaringrün) und dem grünen Chromoxyd. Der grüne Ultramarin ist in der Regel etwas düster, doch bekommt man zuweilen dieses Grün lebhafter, dann bediene man sich desselben. Auch das grüne Chromoxyd, selbst das schönste aus der chromsauren Quecksilberverbindung durch Glühen bereitete, bietet kein eben feuriges Grün, doch ein leidliches Grasgrün. Die nach gewissen anderen Vorschriften bereiteten düsteren Sorten von Chromgrün kann man nicht brauchen. Ein besonders schönes Chromgrün soll man erhalten, wenn man 128 Thle. krystallisirtes neutrales phosphorsaures Ammoniak und 149 Thle. doppelt-chromsaures Kali innig zusammenmischt, und die Mischung eine halbe Stunde lang einer Temperatur von 170 bis 180° C. aussetzt, doch diese Masse besonders dann nicht höher erhitzt, wenn man |360| bemerkt, daß sie grün wird. Die so erhaltene grüne Masse braucht nun bloß gepulvert und mit heißem Wasser ausgewaschen zu werden, wo dann das Grün zurückbleibt und zu trocknen ist.

Am einfachsten ist es, das Chromgrün von Porzellanfarbenfabriken zu beziehen, und dann gleich den damit hergestellten grünen Glasfluß geschlämmt zu bestellen. Aus Blau und Gelb durch Mischung ein brauchbares Grün zu erhalten, gelang nicht.

Gelb. Keine von den gewöhnlichen gelben Farben steht in weißem Cement. Das schönste Chromgelb wird damit orange; Neapel- und Casslergelb, Wolframsäure, auch chromsaurer Baryt, – sind nicht zu brauchen, Schittgelb schon gar nicht. Bloß der aus 1 Theil chromsauren Baryts und 3 Theilen Carminfluß bereitete gelbe Glasfluß hält einigermaßen die Probe, und giebt Hellgelb. Ein gesättigeres dunkleres Gelb gewährt das Uranoxyd, am besten auch gleich mit Glasfluß zusammengeschmolzen und geschlämmt; – beide Farben werden von einem Porzellanfarbenfabrikanten zu beziehen seyn. Auch der künstliche Topas (aus 1000 Th. Straß, 40 Th. Spießglanzglas und 1 Th. Goldpurpur geschmolzen) ließe sich geschlämmt anwenden, wo Fabriken künstlicher Edelsteine in der Nähe sind.

Orange. Man nimmt dazu das erste beste käufliche Chromgelb (chromsaure Bleioxyd); so lange es mit dem Cement trocken gemischt ist, bleibt es hellgelb, aber es verwandelt sich in Orange, sobald es mit Wasser angemacht wird.

Roth. Zinnober hält nicht für die Dauer, besser Mennige und das Chromroth. Man nimmt am besten eine Mischung von gleichen Theilen Mennige und Chromroth, um das Cement damit zu färben. Es giebt Zinnober, welcher sich dauerhafter verhält, und dann freilich das schönste Roth geben würde. Unbrauchbar und schmutzig wird derselbe, wenn Mennige oder Chromroth ihm beigemengt sind. Die Porzellanfarbenfabrikanten haben zuweilen recht schöne rothe Eisenschmelzfarben, auch diese sind dann zu empfehlen.

Die Eigenschaft des Mennige sowohl als des Chromrothes, am Licht mit der Zeit schmutzig zu werden, wird einigermaßen modificirt durch den Wasserglasanstrich, welchen die farbigen Cemente nach ihrer Verarbeitung erhalten.

Braun. Die braunen Eisenfarben, z.B. Englischroth, caput mortuum, und diejenigen, welche die Porzellanmaler erhalten durch Glühen einer Mischung von Eisenvitriol und Kochsalz (auch Alaun), sind alle brauchbar. Nach letzterer Methode erhält man mancherlei schöne Nüancen von Braun. Diejenigen Theile der Mischung, welche an den Tiegelwänden anliegen, folglich die stärkste Hitze erhalten haben, geben die dunkleren, |361| das Innere der Masse die helleren Nüancen, die man einzeln auslesen, absondern und, was nöthig ist, mit Wasser schlämmen kann.

Blau. Unter den blauen Farben, welche in Cement stehen, hat man bloß die Wahl zwischen Ultramarin und Smalte. Hinsichtlich der Schönheit und Intensität bleibt aber selbst die feinste dunkelste Sorte Smalte, auch das Thenard'sche Kobaltblau, hinter dem Ultramarin zurück, und das aus letzterem dargestellte hellblaue und dunkelblaue Cement haben ein gleich freundliches Ansehen.

Schwarz kann durch Mischung des Cements mit Kienruß hergestellt werden. Hierzu, wie überhaupt zu sehr dunklen Farben, kann man statt des weißen Cementes das gewöhnliche Cement anwenden.

Es ist nun nur noch nachträglich zu bemerken, daß das weiße Cement höchst fein gesiebt seyn muß, wenn man dasselbe, mit Farben versetzt, zu schönen Mosaikarbeiten brauchen will. Man wird dieß begreifen, wenn ich bemerke, daß jedes unzertheilte Pünktchen Weiß in dem farbigen Guß sich dem Auge zu erkennen giebt, sobald man die Fläche mit Bimsstein abschleift. Hat man ein feines, durch Seidenzeug gesiebtes weißes Cement, so braucht man dasselbe bloß mit den Farben beliebig zu mischen. Durch die Vermischung mit den Farben vermindert sich zwar die Qualität des Cementes, aber das Härten jeder damit ausgeführten Arbeit mit Wasserglas macht das Alles wieder gut.

Architektonische Verzierungen mit farbigem Cement.

Die praktische Anwendung der farbigen Cemente zu mosaikartigen Verzierungen an Cementfußböden etc. betreffend, habe ich bereits in diesem Bande des polytechn. Journals S. 259 auf eine Methode aufmerksam gemacht, darin bestehend, daß man die Umrisse der Figuren, welche man farbig ausführen will, aus dem kaum erstarrten, noch weichen Cementguß mit dem Federmesser ausschneidet, einen halben Zoll tief aushebt, und, wenn man den ausgehobenen Raum mit verdünntem Wasserglas ausgepinselt hat, diesen mit den beliebigen farbigen Cementen auskleidet.

Es ist nun Sache des Architekten, sich die hier anzubringenden mannichfaltigen Verzierungen auszudenken und anzuordnen. Es ist nöthig zu wiederholen, daß, sobald eine solche Mosaikarbeit in Cement vollendet ist, sogleich mit verdünntem Wasserglas ein Anstrich über die farbige Fläche zu machen, und dieselbe hierauf mit Bimsstein abzuschleifen ist. Nachdem dieß geschehen ist, läßt man aber noch einen letzten allgemeinen Anstrich über die ganze Fläche des Fußbodens mit Inbegriff der Verzierungen folgen. Das 30grädige Wasserglas wird hier immer mit gleichviel Wasser verdünnt angewendet.

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Dergleichen Cementmosaik könnte aber auch nach einer anderen Methode, der antiken römischen ähnlich, hergestellt werden.

Aus rechteckigen oder geschobenen Vierecken und Dreiecken, aus spitzen und stumpfwinkeligen Kegeln etc. kann man z.B. allerlei schöne Verzierungen zusammensetzen. Man braucht diese verschiedenen geometrischen Figuren nur in verschiedenen Farben vorräthig darzustellen, um dann die einzelnen Stücke durch Zusammenstellung in ganze Figuren zu ordnen, oder auch Quadrate, z.B. bloß damenbretartig, aneinanderzureihen. – Aus kleineren parallelepipedisch geformten Stiften, Pasten, von bunten Cementen könnte man ferner nach Art der alten Mosaik auch beliebige Bilder construiren.

Eine weitere Idee wäre: in einen Kranz von weißem Cement Epheublätter von grünem Cement guirlandenartig einzusetzen, und Aehnliches.

Wollte man gothische Figuren haben, so würden die einzelnen Theile dieses Baustyls fertig vorräthig zu machen seyn, um dieselben dann zu einem symmetrischen Ganzen beliebig zusammenzusetzen – etwa auf weißem Cementgrund, indem nämlich die durchbrochenen und sonst leeren Stellen im Cirkel mit Weiß ausgefüllt werden.

Man braucht von Architektur, resp. Ornamentik, nur wenig zu verstehen, um zu begreifen, daß alle Formtheile, welche hier als erforderlich erachtet werden, die Genauigkeit eines Künstlers erfordern, um sie bei der Zusammensetzung in Kanten, Ecken und Winkeln scharf passend zu finden. Hat der Künstler für gut construirte Formen gesorgt, welche die Umrisse der gewünschten Figuren in der Dicke eines halben Zolles geben, so geht das Abgießen und Vervielfältigen in farbigem Cement schnell von statten, da jeder Guß kaum 10 Minuten Zeit braucht, um zu erstarren und aus der Form genommen werden zu können.

Das Einsetzen der Gußstückchen zu symmetrischen Figurenganzen betreffend, so müßte derjenige Theil derselben, welcher nach unten kommt, mit Wasserglas getränkt, und dann in frisch eingeworfenen Cementbrei derartig eingesetzt werden, daß bloß dieser untere Theil mit Cement umgeben und festgekittet wird, die oberen, äußeren Flächen aber ohne Kitt bleiben und bloß scharf aneinandergepaßt erscheinen. Der Cementbrei packt die mit Wasserglas behandelte Fläche des Figurentheiles fest, aber man hüte sich etwa auch den Cementbrei mit Wasserglas zu bestreichen, denn man würde diesen dadurch Härten und der Eigenschaft eines Kittes berauben.

Nachdem nun der Figurencomplex in solcher Weise zusammengesetzt ist, überstreicht man das Ganze mit Wasserglas so, daß dasselbe auch in |363| die kleinen Fugen der Theilstücke eindringt, schleift hierauf mit Bimsstein egal, und wiederholt den Wasserglasanstrich über den ganzen Cementboden sammt den Ornamenten.

Solche Cementfußböden sind in Sommerlocalen besonders angenehm kühlend, wenn man sie bei großer Hitze mit Wasser begießt; sie bieten übrigens neben ihrer Dauerhaftigkeit und Schönheit auch den Vortheil, daß ihnen die Mäuse, welche sich im Winter gerne in solche Locale zurückziehen, nichts anhaben können.

Bisher gieng ich von der Voraussetzung aus, daß dergleichen Fußböden mit dem gewöhnlichen Cement (wovon der Centner kaum einen Thaler kostet) hergestellt, und die Ornamente in diesem angebracht werden. Man wird in diesem Falle stets ein dunkelfarbiges Cement wählen, weil die gelben Cemente sich als Guß nicht eben gut ausnehmen würden, doch könnte man letztere vorher mit irgend einer braunen Farbe mischen und braun färben. Sollte aber lediglich die Eleganz ins Auge gefaßt und der Preis nicht berücksichtigt werden, so bleibt es dann freilich unbenommen den Hauptguß nicht mit ordinärem, sondern mit weißem oder einem farbigen Cement herzustellen, und auf diesem die Ornamente anzubringen, oder auch mittelst einiger farbigen Cemente, durch unvollkommene Mischung, eine marmorirte Masse bereiten und damit den Hauptguß anfertigen zu lassen. Hierüber sogleich im Besondern:

Cementmarmor. Wenn man farbige Cemente hat, so kann man damit natürlicherweise, durch unvollkommenes Mischen beliebiger Farben derselben, Marmormassen darstellen, welche in Bezug auf Farbenmischung die mannichfaltigsten Marmormuster zulässig machen. Es versteht sich von selbst, daß die farbigen Cemente nicht in Pulver, sondern wenn sie bereits mit Wasser zu einem Brei, jede Farbe extra, angerührt worden sind, zusammengebracht werden, und daß nur durch leichtes Umrühren der verschiedenfarbigen Masse eine völlige Mischung vermieden, und eine schöne Marmorirung bewirkt wird. Damit die einzelnen Farben möglichst unvermischt und in der Masse möglichst scharf getheilt bleiben, könnte es gut seyn, beim Zusammenbringen der verschiedenen Farbenbreie etwas Weingeist mit einzurühren.

Die Marmormasse kann natürlich nicht nur zu Fußböden, sondern auch auf Wände von Stein, Lehm oder Backstein, auch auf Säulen von Holz oder Stein aufgetragen werden, wie das schon bei dem Gypsmarmor bekannt ist.

Aber Regel muß es bleiben, das Material, auf welches der Cementmörtel aufgetragen ist, sey dieß Holz oder Stein oder Lehm, vorher mit Wasserglas gut anzustreichen, ferner nach dem Auftragen, und wenn der |364| Marmor egalisirt und erstarrt ist, diesem sogleich einen Wasserglasanstrich zu geben, wodurch er sofort an seiner Oberfläche hart wird, und sich mit dem Bimsstein besser und schöner abschleifen läßt. Die Marmorirung tritt erst nach dem Abschleifen schön hervor, und wird noch mehr gehoben, wenn man noch einen Wasserglasanstrich oder deren zwei folgen läßt.

Dem abgeschliffenen Cementmarmor kann man leicht Glanz und Politur geben, nach einem Verfahren, welches ich jedoch nicht veröffentlichen darf, weil dessen Inbegriff einen Theil einer andern Erfindung von mir (dem Sandstein Marmorpolitur zu geben etc.) ausmacht, die für die österreichischen Staaten (auf anderen Namen) patentirt worden ist, welches Verfahren ich aber privatim gerne außer Oesterreich mitzutheilen bereit bin.

Der Werth des Cementmarmors, dem Gypsmarmor gegenüber, ist nicht zweifelhaft. Das Cement erreicht Steinhärte durch seine ganze Masse, während der Gyps ein mürbes zerreibliches Material ist, das zwar an seiner Oberfläche gehärtet werden kann, aber nicht durch seine ganze Masse.

Während man ferner gerade Cement anwendet, um in feuchten Localen die Feuchtigkeit abzuhalten und unschädlich zu machen, ist der Gyps in solchen Localen unanwendbar und völlig zu meiden.

Um Mauerwerk gegen den Zahn der Zeit zu schützen, z.B. gegen Mauerfraß, wendet man das Cement an; Gyps hingegen ruft den Mauerfraß hervor, wo derselbe noch nicht gegeben ist.

Das Letztere scheinen manche Baumeister, wie man an ihren Werken sieht, gar nicht zu wissen, und diese mögen sich diese Notiz ins Gedächtniß schreiben und wohl erwägen, daß man in dem Gyps nicht etwa eine Erde, sondern eine Verbindung von Schwefelsäure mit Kalk, also ein (nicht unlösliches) Salz vor sich hat. Alle schwefelsauren Salze, wie der Gyps, und Salze überhaupt, bewirken in dem Bindemittel des Sandsteins eine Lockerung, Verwitterung, welche den Zusammenhang der Sandkörnchen nach und nach aufhebt, und an dem Stein die, mit salzigen Efflorescenzen verbundene Zerstörung wahrnehmen läßt, welche man Mauerfraß, oder, weil sich zugleich auch salpetersaure Salze bilden, Salpeterfraß nennt. Nun ist zwar das Letztere bei Cement auch der Fall, dessen alkalische Bestandtheile dazu Anlaß geben, allein die durch Kieselverbindungen erhärtete Cementmasse verliert dadurch ihren Zusammenhang nicht, wie der Gyps, der sich sammt den salzigen Auswitterungen aufquellend abblättert. Ein so schätzbares Material der Gyps in verschiedener Hinsicht |365| ist, ein eben so heilloses Material ist derselbe auf Mauerwerk in feuchten Localitäten. Man hält aber manche Locale für trocken, die es in der That nicht sind, und in welchen die, Feuchtigkeit vom Boden herauf ziehende Haarröhrchenkraft fast unmerkbar wirkt, an dem etwa aufgetragenen Gypsbewurf jedoch sich bald zu erkennen gibt.

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