Titel: Reynolds, über ein neues photographisches Copirverfahren mit Eisensalzen.
Autor: Reynolds, Emerson J.
Fundstelle: 1862, Band 163, Nr. CXVII. (S. 440–442)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj163/ar163117

CXVII. Ueber ein neues photographisches Copirverfahren mit Eisensalzen; von Emerson J. Reynolds.

Aus dem photographischen Archiv, 1862 S. 36.

Im Beginn des Jahres 1861 führte mich der Zufall auf das Studium der Zusammensetzung und der Eigenschaften der oxalsauren Salze des Eisens. Im Verlauf meiner Versuche bemerkte ich die eigenthümliche Kraft, welche das Licht darauf ausübt, nämlich das oxalsaure Eisenoxyd zu oxalsaurem Eisenoxydul zu reduciren.73) Auf diese Eigenschaft habe |441| ich mein photographisches Copirverfahren begründet, welches ich später beschreiben werde. Vorläufig will ich hier noch die Bereitung und Eigenschaften des oxalsauren Eisenoxyds und Eisenoxyduls mittheilen.

Es genügt zu sagen, daß zwei oxalsaure Eisensalze existiren, welche unter gewissen Umständen sich das eine in das andere verwandeln können. Das oxalsaure Eisenoxyd wird durch Auflösen von Eisenoxydhydrat in einer Auflösung von Oxalsäure bereitet. Wenn die Säure darin vorwaltet, so entsteht ein leicht lösliches Salz, dessen Lösung einen süßlichen Geschmack hat, und sich durch Einwirkung der Sonnenstrahlen, unter Entwicklung von Kohlensäure, in oxalsaures Eisenoxydul zersetzt, welches als gelbes Pulver sich niederschlägt. Dieses gelbe Salz scheint mit demjenigen identisch zu seyn, welches man durch Zusatz von oxalsaurem Ammoniak zu einer Lösung von schwefelsaurem Eisenoxydul erhält. Das oxalsaure Eisenoxyd ist sehr leicht löslich, während das oxalsaure Eisenoxydul ganz oder fast ganz unlöslich ist. Wenden wir diese Beobachtung an, so hat man nur das Papier mit einer Auflösung von oxalsaurem Eisenoxyd zu sättigen, im Dunkeln zu trocknen, und unter einem Negativ im Copirrahmen zu belichten. Nach einiger Zeit nehmen die Stellen, wo das Licht gewirkt hat, eine dunklere Färbung an; sowie man das Bild aber mit Wasser in Berührung bringt, nimmt es eine gelbe Färbung an. Das Bild wird dadurch also unsichtbar, und muß hervorgerufen werden. Dieß kann auf mehrerlei Weise geschehen; am einfachsten vielleicht mittelst Ferridcyankaliums (des sogenannten rothen Blutlaugensalzes). Taucht man das Bild in eine Auflösung von diesem Salze, so erscheinen die belichtet gewesenen Stellen grün, und bald darauf blau. Das Färbende hierbei ist sogenanntes Berlinerblau (Eisencyanürcyanid); da diese Farbe sich nicht gut für Bilder eignet, suchte ich einen anderen Entwickler, um wo möglich eine graue oder schwarze Photographie zu bekommen. Ich fand einen solchen Entwickler im salpetersauren Silberoxyd-Ammoniak. Wenn man das Bild mit dieser letzteren Salzsolution behandelt, erhält man einen Niederschlag von fein zertheiltem metallischen Silber, der einen intensiv schwarzen Ton giebt. Man hat hierauf das Bild nur noch auszuwaschen und zu trocknen.

Den in dieser Weise angefertigten Bildern mangelt häufig die schöne Detailzeichnung, welche man in den Chlorsilbercopien bemerkt. Ich habe die Ursache dieses Fehlers und ein gutes Mittel aufgefunden, ihn zu verhüten; die Lösung von oxalsaurem Eisenoxyd löst nämlich ziemlich viel oxalsaures Eisenoxydul auf. Legt man also die Copie nach der Belichtung in Wasser, so wird das die zarten, feinen Niederschläge bildende oxalsaure Eisenoxydul von dem nicht reducirten, im Bilde noch |442| vorhandenen, oxalsauren Eisenoxyde zum Theil aufgelöst. Nach einer großen Anzahl von Versuchen habe ich gefunden, daß diese Schwierigkeit auf zweierlei Art gehoben werden kann – entweder man wendet oxalsaures Eisenoxyd-Ammoniak an, da diese Verbindung keine Wirkung auf das oxalsaure Eisenoxydul äußert, oder man wäscht die Copie gleich nach der Belichtung in einer Lösung von saurem oxalsauren Ammoniak. Durch beide Mittel erhält man Bilder mit vollkommenen Halbtönen. Ich brauche wohl kaum hinzuzufügen, daß die Bilder leicht mit dem gewöhnlichen alkalischen Goldbade getont werden können.

Nach der hier beschriebenen Methode können Bilder ebenso rasch wie auf Chlorsilberpapier copirt werden; da sie nicht so lange ausgewaschen zu werden brauchen, kann man im Sommer innerhalb 2 Stunden ein Bild copiren, entwickeln, auswaschen, trocknen und aufkleben. Was die Haltbarkeit der Bilder anbelangt, so habe ich eines 3 Monate lang so viel als möglich dem directen Sonnenschein ausgesetzt, und es hat bis jetzt noch keine Spur von Ausbleichen gezeigt. Die Herstellungskosten dieser Bilder sind äußerst gering im Verhältniß zu denen der Chlorsilberbilder.

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Die merkwürdige Eigenschaft des Lichtes, eine Auflösung von oxalsaurem Eisenoxyd zu zersetzen und in unlösliches oxalsaures Eisenoxydul überzuführen, wurde zuerst von Döberriner im J. 1831 beobachtet; Prof. Draper in New-York benutzte sie im J. 1857 zum Messen der chemischen Wirkung des Lichtes, man s. polytechn. Journal Bd. CXLVI S. 30. A. d. Red.

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