Titel: Newton's Verfahren zur Fabrication von Cementstahl, mit Anwendung von Baryt.
Autor: Newton, William Edward
Fundstelle: 1862, Band 163, Nr. CXX. (S. 447–449)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj163/ar163120

CXX. Verfahren zur continuirlichen Fabrication von Cementstahl, mit Anwendung von Baryt; patentirt für W. E. Newton in London.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions, Januar 1862, S. 54.

Das Verfahren zur continuirlichen Cementstahlfabrication, welches sich der Genannte am 5. März 1861 in England als Mittheilung patentiren ließ, ist die im Jahrgang 1861 des polytechn. Journals, Bd. CLX S. 211, besprochene Caron'sche Methode.

Um das abwechselnde Anheizen und Erkaltenlassen des Ofens, wodurch viel Zeit verloren geht, zu vermeiden und die Operation continuirlich zu machen, versieht man die Cementirgefäße, welche die gewöhnliche Construction haben, an jedem Ende mit einer von außen zugänglichen Oeffnung, durch welche das Beschicken und Entleeren erfolgt. Wenn die aus den Schmelzöfen abziehende Feuerluft zum Erhitzen der Cementiröfen benutzt wird, so wendet man am besten eine Art Retorte von Thonmasse (oder von Eisen, welches in geeigneter Art gegen die Flamme geschützt ist) an, welche horizontal oder vertical gestellt seyn kann. Die Hitze muß immer über Rothglühhitze seyn, und der Proceß findet um so rascher statt, je stärker die Hitze ist.

Die gewöhnlich angewendeten Cementirmittel wirken nur kurze Zeit, weil die darin enthaltenen Salze, welche die Cementation bewirken, theils |448| selbst flüchtig sind, theils in der Hitze durch die Einwirkung der Kohle in flüchtige Verbindungen übergeführt werden. Die Cyanverbindungen, welche mittelst Aufnahme von Stickstoff aus der Luft aus ihnen entstehen, sind ebenfalls flüchtig, was auch darauf hinwirkt, daß die genannten Salze alsbald verschwinden, und man sie folglich erneuern, d.h. frisches Cementirpulver nehmen muß. Dieser Uebelstand läßt sich durch Anwendung von kohlensaurem Baryt vermeiden. Aus demselben entsteht, indem die Kohle bei Glühhitze darauf wirkt, caustischer Baryt, welcher bei der vorhandenen Hitze nicht verdampft; indem aber zu demselben der Stickstoff der Luft hinzukommt, geht der Baryt zum Theil in Cyanbaryum über, welches viel weniger flüchtig ist, als Cyanammonium, Cyannatrium und Cyankalium.

Zum Cementiren nach diesem Princip füllt man irgend einen geeigneten Apparat mit einem Gemenge von pulverisirter Holzkohle und pulverisirtem natürlichen kohlensauren Baryt (Witherit). Man macht dieses Gemenge in dem Verhältniß, daß es höchstens 50 Proc. kohlensauren Baryt enthält; die Erfahrung dürfte aber wahrscheinlich zeigen, daß man den Barytzusatz noch um die Hälfte verringern kann.

Die Kästen oder Gefäße, worin die Cementation stattfinden soll, und welche das Cementirpulver enthalten, werden geschlossen, und dann bis zum hellen Rothglühen erhitzt. Wenn die Temperatur hinreichend hoch gestiegen ist, öffnet man das eine Ende der Kästen, und bringt dann Eisenstäbe zwischen das Cementirpulver, in der Art, daß sie ganz von demselben umgeben sind. Nachdem die Kästen auf diese Weise gefüllt sind, verschließt man sie wieder. Um den Fortgang der Operation zu erkennen, zieht man zuweilen einen der Stäbe heraus, läßt ihn durch ein Walzwerk gehen, härtet und zerbricht ihn, worauf man nach dem Ansehen des Korns mit Sicherheit die Beschaffenheit der Masse beurtheilen und die Dauer der Operation so einrichten kann, daß der beabsichtigte Grad von Cementation erreicht wird. Wenn die Stäbe bis zu dem gewünschten Grade von Kohlung gelangt sind, werden sie durch die äußere Oeffnung aus den Kästen herausgezogen. Sollte dabei etwas von dem Cementirpulver mit herausfallen, so muß dasselbe wieder ersetzt werden. Wenn sämmtliche Stäbe herausgezogen sind, wird das Gefäß sofort wieder mit anderen Eisenstäben beschickt, welche sich eben so wie das erstemal mit Leichtigkeit einführen lassen, da das Cementirmaterial ganz locker ist. Ein wenig von der Kohle des Cementirpulvers wird natürlich verbraucht und muß nach Erforderniß ersetzt werden. Der kohlensaure Baryt hält dagegen fast für immer vor. Der Stickstoff der Luft, welcher durch die unvollkommen verschlossenen Oeffnungen und selbst durch die porösen |449| Wände der Kästen eindringt, ist vollkommen ausreichend, um die für die Cementation des Eisens erforderliche Quantität Cyan zu bilden.

Durch das beschriebene Verfahren wird der doppelte Vortheil erreicht, daß man weit weniger Brennmaterial verbraucht als bisher, und daß man ein sehr wirksames Cementirpulver verwendet, welchem man bloß von Zeit zu Zeit wieder etwas Holzkohle hinzufügen muß.

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