Titel: Neue Art der Locomotivfeuerungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 163/Miszelle 2 (S. 76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj163/mi163mi01_2

Neue Art der Locomotivfeuerungen.

Hr. Belpaire, Chefingenieur der belgischen Staatsbahn, hat eine neue Art Feuerung für Locomotiven construirt, die es erlaubt, magere Kleinkohlen mit Vortheil zu verbrennen, von denen in Belgien die Tonne 4 Frcs., bis 4 Frcs. 50 Cnt. kostet. Statt der bisher angewendeten dicken Stäbe mit eben so weiten Rostspalten wendet er Packete von 10 gußeisernen Roststäben an, von denen jeder nur 7–8 Millimeter Dicke hat und zwischen denen sich Spalten von 3–6 Millim. (je nach der Reinheit des Brennmaterials) befinden. Der Rost ist doppelt so groß, als die bisher angewendeten, wodurch es möglich wird, die Dicke der Brennmaterialschicht auf höchstens 5 Centimeter herabzudrücken. An den Rost schließt sich auf der Seite der Feuerthüre eine schwach geneigte gußeiserne Platte; die Feuerthüre selbst ist mit Chamottemasse bekleidet und mit einigen Löchern durchbohrt, durch welche man den Zutritt frischer Luft bewirken und regeln kann. Sobald das Feuer in Brand ist, wirft der Heizer auf die erwähnte Platte eine dünne Schicht Brennmaterial auf, die allmählich durch die strahlende Hitze des Feuers in Destillation geräth. Die Bewegung der Maschine während des Fahrens bewirkt, daß diese vorgewärmte Kohle allmählich auf den Rost herabrückt, und natürlich von der Feuerthüre aus durch frisches Beschicken ersetzt wird. Die Destillationsproducte werden durch den Zug des Feuers, mit frischer Luft gemischt, über die glühenden Kohks hinweggeführt und so vollständig verbrannt.18)

Die Reinigung des Rostes ist sehr leicht. Die Feuerthüren schlagen flügelartig zurück und gewähren so sehr bequem Platz für die Handarbeit. Der stets geneigt liegende Rost schließt sich an die erwähnte Platte dicht an, so daß die Schlacken leicht zur Thüre herausgezogen werden können. Ebenso kann man den Rost leicht am hinteren Ende senken und so eine Oeffnung erhalten, durch welche die dort befindlichen Schlacken herausgestoßen werden, was selbst während der Fahrt geschehen kann. Der Heizer steht tiefer als der Rost liegt, und kann daher denselben leicht von unten bewachen und stören.

Bei dem Versuche wurde die magere Kleinkohle gewaschen, was etwa einen Kostenaufwand von 1 Frc. 50 Cnt. per Tonne veranlaßt, so daß im Ganzen der Kostenpreis 6 Frcs. betrug. Gegenüber der Heizung mit Stückkohlen und Briquettes, die bei einer nach demselben Modell gebauten Locomotive zum Vergleiche angewendet wurde, ergab das Belpaire'sche System eine Kostenersparniß von über 50 Proc. Auch auf mehreren anderen Bahnen hat die Belpaire'sche Maschine mit Erfolg gefahren. Eine Anzahl neuer Maschinen sind daher von verschiedenen Seiten nach diesem neuen Systeme bestellt worden.

In Verbindung mit der Ueberhitzung des Dampfes, die Hr. Petiot von der französischen Nordbahn dadurch bewirkt, daß er oberhalb des bisherigen Kessels einen zweiten kleinen Röhrenkessel anbringt, durch dessen Röhren die Flamme zu dem am hinteren Theile der Locomotive angebrachten Schornsteine zurückstreicht, während nur der Dampf, nicht Wasser die Röhren umgibt, hofft man die Transportkosten auf den Bahnen wesentlich herabzudrücken, und so auch bedeutende Frachtermäßigungen möglich zu machen. (Moniteur des int. mat.; Wochenschrift des schlesischen Vereins für Berg- und Hüttenwesen, 1861, Nr. 51.)

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Das allmähliche Vorrücken der kleinen Kohle scheint, wie beim Treppenroste, die Hauptsache zu seyn.

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