Titel: Gebisse von gehärtetem Kautschuk.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 163/Miszelle 11 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj163/mi163mi03_11

Gebisse von gehärtetem Kautschuk.

Die ebenso interessante wie technisch wichtige Erfindung, aus einer Verbindung von Kautschuk mit Schwefel eine harte hornartige Substanz zu erzeugen, welche den Namen „gehärtetes oder hornisirtes Kautschuk“ führt und zu vielerlei Gegenständen, besonders Kämmen, Spazierstöcken, Messerheften, Schirmgestellen u. dergl., verarbeitet wird, hat auch in die Ateliers der Zahnärzte bedeutenden Eingang gefunden, welche diese Masse zur Anfertigung künstlicher Gebisse verwenden, die sonst nur von Gold oder Platin hergestellt wurden. Theils wegen des wohlfeileren Materials, theils wegen der viel leichteren und bequemeren Herstellung können solche Gebisse zu einem mäßigen Preise geliefert werden, und dennoch besitzt die Masse eine solche Härte und Zähigkeit, daß die daran befestigten künstlichen Zähne ungemein fest sitzen.

Um aber der Masse die wünschenswerthe Fleischfarbe zu ertheilen, giebt man ihr einen Zusatz von Zinnober, und es hat sich nun im Publicum die Befürchtung verbreitet, als könnten giftige oder doch nachtheilige Folgen daraus entstehen. Ganz abgesehen aber davon, daß der Zinnober seiner völligen Unauflöslichkeit wegen nicht zu den eigentlich giftigen Stoffen gehört, ist er auch in dem vorliegenden Falle mit der Kautschukmasse so fest und innig verbunden, daß, wenn er auch giftig wäre, unmöglich eine nachtheilige Wirkung von ihm hervorgebracht werden könnte. Bedient man sich doch auch zum Plombiren der Zähne verschiedener Metalllegirungen, welche einen nicht unbedeutenden Zusatz von Quecksilber enthalten, und dennoch nicht die geringsten giftigen Wirkungen machen. Die Substanz der Kautschukgebisse besitzt eine solche Härte und Festigkeit, daß sie im Munde keiner Abnutzung unterliegt, wie denn auch derartige Gebisse nach zweijährigem Gebrauch (die Erfindung ist noch nicht länger bekannt) sich noch ganz unversehrt zeigen, als wären sie erst soeben aus der Hand des Arbeiters hervorgegangen.

Es wäre in der That sehr zu bedauern, wenn ein so unbegründetes Vorurtheil, wie das in Rede stehende, der allgemeineren Einführung solcher aus gehärtetem Kautschuk |240| angefertigten Gebisse hinderlich in den Weg träte. (Monatsblatt des hannoverschen Gewerbevereins.)

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