Titel: Patentirtes Verfahren, an Geweben mit Kettenfiguren einen größeren Farbenwechsel zu erzielen, als es der Kettenscherung nach möglich ist; von J. G. Schmidt, Fabrikant in Chemnitz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 163/Miszelle 12 (S. 240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj163/mi163mi03_12

Patentirtes Verfahren, an Geweben mit Kettenfiguren einen größeren Farbenwechsel zu erzielen, als es der Kettenscherung nach möglich ist; von J. G. Schmidt, Fabrikant in Chemnitz.

Um bei Stoffen, bei denen der Grund von dem Einschlage und die Figuren von der Kette gebildet werden, durch die letztere einen größeren Farbenwechsel hervorzubringen, als es der Kettenscherung nach möglich ist, oder um mit denselben Kettenfäden, welche die Figuren in der einen Farbe bilden, auch Figuren in der anderen Farbe darzustellen, wendet man nachstehend beschriebenes, am 24. September 1861 im Königreich Sachsen patentirtes Verfahren an.

Angenommen, man wolle die Figuren abwechselnd weiß und schwarz bilden, so schere man zuerst eine ganz weiße Kette, und zwar, wenn sich der Farbenwechsel auf der ganzen Breite des Stoffes zeigen soll, so breit als es diese Breite erfordert. Will man jedoch den Farbenwechsel bloß auf einzelne Theile des Stoffes anwenden, so schere man nur die dazu erforderlichen Kettentheile, und ergänze später die Breite der Kette. Hat man diese fertig, so bezeichnet man an derselben der Länge nach genau die Punkte, wo die Figur, wie angenommen, weiß werden soll, umwickelt die abgezeichneten weißbleibenden Theile sorgfältig mit Bindfaden und zwar der Art, daß die freigebliebenen Theile, wie angenommen, schwarz gefärbt werden können, ohne daß die Farbe in die umwickelten und auszusparenden Theile eindringen kann. Auf diese Weise erhält man eine Kette, welche der Länge nach auf einem gewissen Theile weiß bleibt und auf anderen Theilen schwarz erscheint.

Ist die Kette so weit vorbereitet, so wird sie auf den Webstuhl gebracht und derart zum Weben bereit gestellt, daß, wenn zuerst die weiße Figur gebildet werden soll, auch der weiß gebliebene Theil der Kette und ebenso beim Jacquardstuhle diejenigen Karten vorliegen müssen, welche die weiße Figur bilden. Nun wird das Weben begonnen und fortgesetzt, bis die weiße Figur gebildet ist. Ist nun nach unserer Annahme der weiße Theil der Kette verarbeitet, so müssen auch die Karten, welche die weiße Figur bilden, geendet haben.

Hierauf wird von der Kette der nächste schwarze Theil ebenso bereit stehen, wie diejenigen Karten, welche die schwarze Figur bilden, und so wird auch dieser Theil abgewebt. Ist dieß geschehen, so tritt wieder eine weiße Figur nebst den betreffenden Karten ein, dann wieder eine schwarze Figur und so fort, bis die Kette völlig abgewebt ist.

Doch ist hierbei noch zu bemerken, daß die Figuren, der Länge nach, in einiger Entfernung von einander stehen müssen; der Zwischenraum wird dann vom Grunde gebildet, und die Kettenfäden müssen von dem Einschlage gut verdeckt werden, um die Stellen, wo der Farbenwechsel eintritt, auf der rechten Seite des Stoffes nicht sichtbar werden zu lassen. Denn es ist weder beim Färben, noch beim Weben möglich, den Farbenwechsel so scharf abzugrenzen, daß er auf einer Linie der Kette liegt; doch bewegen sich die Farbenanfänge und die Enden innerhalb einer Grenze von 3 bis 4 Zoll.

Ebenso wie Weiß und Schwarz, läßt sich auch jede andere Farbe in beliebiger Abwechselung, lassen sich nicht nur zwei, sondern drei und mehr Farben abtheilen, färben und anwenden.

Das vorliegende Verfahren gewährt den Vortheil, daß man zu einem solchen mehrfarbigen Stoffe nicht mehr Material als zu einem einfarbigen braucht, daß man eine festverbundene Waare erzielt und der Farbenwechsel die verschiedensten geschmackvollen Veränderungen ermöglicht. (Sächsische Industriezeitung, 1861, Nr. 48.)

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