Titel: Untersuchung einer Mutterlauge der Salpeter-Fabrication; von Dr. H. Schwarz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 163/Miszelle 5 (S. 314–316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj163/mi163mi04_5

Untersuchung einer Mutterlauge der Salpeter-Fabrication; von Dr. H. Schwarz.

Die Schlempe der Melassenbrennereien wird jetzt meistentheils eingedampft, calcinirt und auf Potasche verarbeitet, indem man die rückständige, kohlehaltige Masse auslaugt und die stark alkalische Flüssigkeit eindampft. Sie enthält vorwaltend kohlensaures Kali, daneben kohlensaures Natron, endlich Chlorkalium und schwefelsaures Kali und kleine Mengen von Blutlaugensalz, ameisensaurem Kali, Schwefelcyankalium etc. Gerade diese Beimengungen bieten eigenthümliche Schwierigkeiten. Zuerst setzt sich beim Eindampfen schwefelsaures Kali ab, dann bei weiterem Eindampfen und Erkalten Chlorkalium und mit diesem der größte Theil des Blutlaugensalzes, eine Beimischung, die im Handel zu mannichfachen Ausstellungen Veranlassung gibt. Dampft man dann das Abgegossene ab, so erhält man häufig eine Masse, die sich beim nachträglichen Calciniren durchaus nicht weiß brennen läßt. Erst indem man sie von Neuem auflöst, abklären läßt, eindampft und nochmals calcinirt, wird die Potasche weiß. Der Grund dafür liegt in dem aus dem Blutlaugensalz abgeschiedenen Kohleneisen. Will man die Zerstörung der Farbe durch Oxydation erzwingen, so wird die Masse röthlich vom Eisenoxyd.50)

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Die Potasche aus der Melasse, obwohl sie hohe alkalimetrische Grade zeigt, ist z.B. gegen die Kasaner wenig beliebt, und nicht in großen Mengen zu placiren, weil sie wechselnde Mengen von kohlensaurem Natron enthält. Dadurch ist einmal die genaue Werthbestimmung durch Titriren erschwert, andererseits eignet sich diese Potasche zu manchen Verwendungen, z.B. zur Fabrication der grünen Seife, wenig, da das beigemengte Natron festes elainsaures Natron gibt, und die Seife daher nicht klar und durchsichtig erscheint. Bei Darstellung des Kaliglases wäre vielleicht gerade der Sodagehalt förderlich, wegen der leichten Schmelzbarkeit eines solchen Gemisches von kohlensaurem Kali und Natron. Bei der Blutlaugensalzfabrication wird dagegen wiederum eine reine, sodafreie Potasche vorgezogen.

Aus diesen Gründen, und um sich nicht ungerechte Herabdrückung des Preises gefallen lassen zu müssen, sah sich eine der größten Fabriken derart veranlaßt, die Darstellung des Kalisalpeters aus Chilisalpeter mit ihrer gereinigten Potasche in den Kreis ihrer Fabricationen aufzunehmen. Zu diesem Ende wird eine concentrirte Lösung von Chilisalpeter und gereinigte Potaschenlauge mit einander gemischt und eingedampft; dabei fällt einfach-gewässertes kohlensaures Natron nieder, das herausgekrückt und möglichst von Salpeterlauge befreit wird. Beim Erkalten schießt Kalisalpeter an. Nach genügender Reinigung wird die Soda als reine, krystallisirte Soda (mit 10 Aeq. Wasser), der Salpeter als reiner Mehlsalpeter in den Handel gebracht. Derselbe ist fast absolut frei von Chlor, und reagirt kaum noch auf salpetersaures Silber. Das letzte Auswaschen erfolgt dabei mit destillirtem Wasser.

Nach wiederholtem Eindampfen und Krystallisiren bleibt eine braune Mutterlauge zurück, welche alle die Stoffe enthalten muß, die in kleinen Mengen in den beiden angewandten Salzen enthalten sind. Bei der Untersuchung einer solchen Mutterlauge fand ich neben den, den Löslichkeitsverhältnissen entsprechenden Mengen von Salpeter, kohlensaurem Natron, Chlornatrium und schwefelsaurem Kali sehr bedeutende Mengen von Schwefelcyannatrium, ferner etwas salpetrige Säure (aus dem Chilisalpeter), endlich deutliche Mengen von Jod und genau nachweisbare Spuren von Brom. Das Jod stammt wohl zum Theil aus dem Chilisalpeter, und soll nach früheren Untersuchungen als jodsaures Natron darin enthalten seyn. Ein Theil davon kann indessen auch aus der Potasche herrühren, obwohl ich bei früheren Untersuchungen, wo ich freilich nur kleine Mengen in Arbeit nahm, kein Jod darin gefunden habe. Die Nachweisung des Broms ist interessant. Es wird zu erforschen seyn, ob es vom Chilisalpeter oder von der Potasche stammt.

Der angewandte Chilisalpeter kommt schon einmal durch Krystallisation gereinigt in den Handel. Chemiker, denen Mutterlaugen von dieser Reinigung zu Gebote steht, sollten das Brom darin aufsuchen.

Die Methode der Nachweisung, die ich bei der vorliegenden Untersuchung anwandte, bestand in Folgendem. Die Mutterlauge wurde zur Trockene abgedampft. Man durfte hierbei nicht zu weit gehen, da das Gemisch von Salpeter und Schwefelcyannatrium heftig verpufft. Sobald die Masse sich nur noch halbfeucht zeigte, wurde sie auf ein Eisenblech gebracht und ganz ähnlich, wie bei der Darstellung des sogenannten schwarzen Flusses, mittelst einer glühenden Kohle entzündet. Die Verpuffung war lebhaft, doch ohne Gefahr bei kleinen Mengen. Es blieb eine geschmolzene helle Salzmasse zurück, |316| die nun in einem Porzellan- oder Platintiegel zum vollständigen Fluß gebracht wurde. Da der Salpeter nicht vorwaltete, blieb etwas kohlige Substanz zurück. Man löste in Wasser auf, filtrirte, dampfte das Filtrat stark ein51) und mischte es dann mit Alkohol, der eine ölige, bald erstarrende Fällung bewirkte, selbst aber klar darüber stand und das Kochsalz, Spuren von Schwefelcyannatrium und die kleinen Mengen Jod- und Brommetalle aufgenommen hatte. Der Alkohol wurde abgegossen, abfiltrirt, eingedampft und der Rückstand wieder mit Wasser aufgenommen, in eine kleine Retorte gebracht, wo man ihn mit Salzsäure und Eisenchlorid versetzte. Beim Erhitzen verflüchtigte sich das Jod in den bekannten violetten Dämpfen, die sich im Halse der Retorte zu Krystallen verdichteten. Natürlich fehlte der Nachweis durch die Stärkereaction nicht. Als nun kein Jod mehr kam, fügte ich zur Flüssigkeit eine kleine Menge fein geriebenen Braunsteins, und erwärmte aufs Neue. Es zeigten sich sogleich die bekannten rothgelben Bromdämpfe, die den charakteristischen Geruch hatten, und durch Schütteln mit Kali aufgenommen wurden. Setzte man dann Aether zu, und machte das Brom wieder frei, so erhielt der Aether die bekannte goldgelbe Färbung von aufgenommenem Brom.

Obwohl die Menge des Jods nicht ganz unbedeutend, ist an eine praktische Verwerthung dieser Mutterlauge auf Jod schon deßhalb nicht zu denken, weil die Verpuffung größerer Mengen jedenfalls gefährlich wäre, weil ferner die vorherige Abscheidung des Salpeters und Schwefelcyannatriums nicht gut möglich ist, und so die ganzen Salze geopfert werden müßten, um eine vielleicht nicht lohnende Menge Jod zu gewinnen. (Breslauer Gewerbeblatt, 1842, Nr. 2.)

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Die Gegenwart von Stickstoff in der Schlempe verräth sich durch mannichfache Reactionen. Gelingt es durch sehr vorsichtiges Abdampfen, unter Vermeidung des Uebersteigens, die Schlempe zur halbfesten Masse zu bringen, und destillirt |315| man sie dann in einer sehr geräumigen eisernen Retorte, so reagirt das übergehende Wasser ungemein stark alkalisch, von großen Mengen von kohlensaurem Ammoniak, neben denen noch Schwefelammonium und Cyanammonium in kleinen Mengen vorhanden sind. Der übergehende Theer verhält sich ganz wie solcher aus Thiersubstanzen. Die rückständige Kohle vom Calciniren riecht beim Lagern sehr stark nach Ammoniak, indem durch die Feuchtigkeit der Luft das vorhandene Cyankalium in ameisensaures Kali und Ammoniak zerfällt. Beim Auflösen in Wasser bildet sich aus dem Cyankalium und dem Eisen der Pfannen etc. Blutlaugensalz. Schwefelcyankalium fehlt fast nie. Bisher leitete man diesen Stickstoffgehalt von den Proteinstoffen der Gerste ab, welche behufs der Hefenbildung zugesetzt wird. Die Menge derselben ist indessen zu gering, und scheinen daher auch in der Melasse stickstoffhaltige Substanzen in nicht unbedeutender Menge vorhanden zu seyn.

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Hierbei entwickelte sich etwas Ammoniak, wahrscheinlich von der Zerlegung von gebildetem cyansauren Kali herrührend.

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