Titel: Ueber die Verbindungen der Kohlensäure mit dem Ammoniumoxyde; von Prof. A. Schrötter.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 163/Miszelle 6 (S. 316–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj163/mi163mi04_6

Ueber die Verbindungen der Kohlensäure mit dem Ammoniumoxyde; von Prof. A. Schrötter.

Bekanntlich hat H. Sainte-Claire Deville durch genaue Versuche bewiesen, daß es nur zwei Verbindungen der Kohlensäure mit dem Ammoniumoxyde gebe, nämlich:

2H₄NO, 3CO₂ + 3HO und

H₄NO, 2CO₂ + HO.

Deville gibt an, daß es ihm nicht gelungen sey, durch Sublimation Verbindungen des Ammoniaks mit der Kohlensäure von bestimmter Zusammensetzung zu erhalten, und daß er glaube, man könne nur durch Krystallisation aus Lösungsmitteln derartige Verbindungen darstellen.

Vor einiger Zeit erhielt der Verf. von der Gasbeleuchtungsanstalt der Imperial-Continental-Gas-Association schön nach allen Seiten ausgebildete Krystalle, die sich in beträchtlicher Menge in einem 3,5 Decimeter weiten gußeisernen Gasleitungsrohre abgesetzt hatten, durch welches vom 10. December 1860 bis 19. März 1861 rohes Leuchtgas gegangen war, das die Condensatoren und einen Waschapparat mit Wasser passirt hatte, dann noch durch einen zweiten Waschapparat ging und endlich in die Reinigungskästen trat. Die Ablagerung fand an jenem Theile der Röhre in einer Strecke von 10 Metern statt, durch welchen das Gas zu dem zweiten Waschapparate geleitet wurde, und die Krystalle waren ringsum an den Wänden der Röhre neben, nicht über einander abgelagert, so zwar daß in der Mitte die größten, gegen die Enden die kleinsten sich befanden. Die Röhre selbst war nur leicht mit Erde bedeckt und daher der Winterkälte ausgesetzt.

Die Krystalle selbst riechen stark nach Steinkohlentheer und Ammoniak, sind äußerlich von anhängendem Theere etwas verunreinigt, im Innern jedoch meistens ganz rein. Nach Abwaschen mit Wasser erscheinen sie vollkommen durchsichtig, viele darunter sind nach allen Seiten regelmäßig ausgebildet und mitunter 2 Centimeter hoch. Sie besitzen eine ausgezeichnete Theilbarkeit.

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Da diese schönen Krystalle durch Sublimation entstanden und jedenfalls wohlcharakterisirte Individuen sind, so war es von Interesse, ihre Form und Zusammensetzung näher zu untersuchen; Ersteres geschah durch Dr. Ditscheiner, Letzteres durch Mandelblüh in des Verfassers Laboratorium, und es hat sich mit vollkommener Sicherheit ergeben, daß diese Krystalle in jeder Hinsicht mit den von Deville durch Krystallisation auf nassem Wege dargestellten, denen die Zusammensetzung NH₄O, 2CO² + HO zukommt, als mit den von Miller und G. Rose gemessenen identisch sind.

Die Krystalle gehören dem orthotypen Krystallsysteme an; die Abmessungen der Grundgestalt sind

P = 143° 22', 115° 24', 71° 16'.

a : b : c = 1 : 1,4872 : 0,5949.

Die in Combination erscheinenden einfachen Gestalten sind folgende: a (001) b (010) c (100) p (011) q (110) r (101).

Es unterliegt somit keinem Zweifel, daß die genannte Verbindung doch auch durch Sublimation entstehen könne, freilich aber nur unter Umständen, die sich in einem chemischen Laboratorium nicht herbeiführen lassen, indem ihre Darstellung sonst einem so ausgezeichneten Experimentator, wie Deville ist, sicher gelungen wäre. (Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften zu Wien, math.-naturw. Classe, Bd. XLIV S. 33.)

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