Titel: Solarölbeleuchtung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 163/Miszelle 7 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj163/mi163mi04_7

Solarölbeleuchtung.

Das Solaröl, schon seit mehreren Jahren bekannt, auch vielfach gebrannt, hat, wenigstens in Hannover, keinen dauernden Eingang gefunden, weil die zu seiner Benutzung dienenden Lampen mehrfache Uebelstände darboten. Diese Uebelstände bestanden hauptsächlich in drei Punkten:

1) Wegen der etwas dickflüssigen Beschaffenheit des Solaröls, in Folge deren es von einem gewöhnlichen Dochte nicht schnell genug aus der Tiefe aufgesogen werden kann, gab man den Lampen eine an der Seite befindliche Flasche, welche um nicht viel Schatten zu werfen, nicht all zu groß seyn durfte, daher gewöhnlich nur für den Bedarf eines Abends ausreichte, und mithin täglich gefüllt werden mußte, bei welcher höchst unangenehmen Arbeit nicht nur die Finger mit dem übelriechenden Oel in Berührung kamen, sondern gar leicht bei zufälliger Ueberfüllung der Flasche das Oel auf Tisch oder Fußboden herab floß.

2) Das tägliche Reinigen oder Abschneiden des Dochts mit einer Schere war eine unangenehme und etwas mühesame Sache, weil es mit der größten Accuratesse geschehen mußte, indem ein schief geschnittener Docht, ja selbst einzelne vorstehende Fäserchen ein Rußen der Flamme herbeiführen kann.

3) Kam es nicht selten vor, daß das unterhalb des Dochtrohrs angebrachte Näpfchen zur Aufnahme des überfließenden Oels sich füllte und zu lecken begann.

Den langen und beharrlichen Bemühungen des Eisenbahn-Oberschaffners Jean Meyer in Hannover ist es nun gelungen, alle diese Uebelstände vollständig zu beseitigen und eine Construction zu erfinden, welche mit der größten Reinlichkeit und Bequemlichkeit gehandhabt, ja, wie ein Licht umhergetragen und selbst schief gehalten werden kann, ohne daß ein Ueberfließen möglich wäre, und ohne daß die Flamme die geringste Aenderung zeigte. Es ist bei dieser Lampe keine Flasche vorhanden, sondern das Oel befindet sich wie bei den Photogen- (Hydrocarbür-) Lampen in einem Glasbehälter unterhalb des Dochtrohrs. Um aber das Aufsaugen des Solaröls zu erleichtern, ist ein sehr dicker breiter Saugedocht vorhanden, der in den Oelbehälter herabhängt, und an dessen oberes Ende der Brenndocht angebunden ist, so daß dieser letztere ebenso reichlich mit Oel gespeist wird, als wenn er selbst in das Oel tauche. Das Oeffnen des Oelbehälters und das Eingießen des Oeles geht leicht und ohne alle Beschmutzung der Finger von Statten, auch ist an eine Ueberfüllung nicht zu denken, weil man bei der Durchsichtigkeit des Glases sieht, wie weit er gefüllt ist.

Besonders sinnreich ist die Reinigung des Dochts von der geringen Menge Kohle, welche sich am oberen Rande desselben absetzt. Der statt der Schere dienende Dochtputzer besteht in einer kleinen Blechscheibe von der Größe eines Thalers, an deren Mitte ein kurzes Blechrohr gelöthet ist, welches man in den Brenner schiebt, so daß die Scheibe |318| auf dem Rande des Dochts aufliegt. Die Scheibe aber enthält vier Durchbrechungen oder Löcher, so daß, indem man sie mehrere Male umdreht, die Kanten dieser Löcher die Kohle von dem Dochte abstreichen. Da der Docht sowohl beim Brennen wie auch bei der Reinigung kaum um die Breite eines Pferdehaares aus dem Brenner vorsteht, so kann ein Zerreißen oder Zerfasern des Dochts nicht stattfinden, im Gegentheil erleidet er bei der Drehung des Dochtreinigers einen gelinden Druck, und wird dadurch am Rande egalisirt und glatt gestrichen.

Die beschriebene Construction der Lampe macht natürlich ein Ueberfließen und Lecken ganz unmöglich. Da der Docht, wie gesagt, kaum aus dem Brenner hervorsteht, so ist der täglich verbrennende Theil verschwindend klein, so daß ein einmal eingezogener Docht sehr lange aushält. Wenn aber nach längerer Zeit der Docht zu Ende geht, ist es rathsam, den neuen Docht auch mit einem neuen Saugedocht zu versehen, weil das Anbinden des Dochtes an einem mit Oel getränkten Saugedocht jedenfalls eine unangenehme Operation seyn würde.

Seit mehreren Wochen hat der Verf. eine solche Lampe im täglichen Gebrauch und kann versichern, daß sie weder den geringsten Geruch verursacht noch irgend Unbequemlichkeiten herbeigeführt hat, so daß er sich keine bessere Beleuchtung wünschen kann. Die Lampe von der hier die Rede ist, consumirt bei einer Helligkeit von etwa 2 1/2 bis 3 Stearinkerzen stündlich fast genau ein Loth (altes Gewicht) Solaröl, und da dieses in der Fabrik des Hrn. Noblée in Harburg zu 27 Pf. das Pfund verkauft wird, stündlich kaum für 1 Pf. Oel, während die Beleuchtung mit Rüböl fast den doppelten Preis bedingt.

Das Solaröl, welches seiner Natur und Gewinnungsart nach allerdings dem Photogen sehr nahe steht, unterscheidet sich von diesem durch weit geringere Flüchtigkeit, daher auch durch weit weniger starken Geruch und geringere Entzündlichkeit, weßhalb auch der Gebrauch desselben mit keiner Gefahr verbunden ist.

Solaröl-Lampen der hier beschriebenen Construction, sowie auch Solaröl, sind bei dem Kaufmann Hrn. Bostel in Hannover, Bäckerstraße Nr. 55, zu haben. (Monatsblatt des hannoverschen Gewerbevereins.)

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