Titel: Ueber Luftfiltration.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 163/Miszelle 11 (S. 398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj163/mi163mi05_11

Ueber Luftfiltration.

Schon im J. 1854 haben Schröder und v. Dusch bewiesen64), daß die atmosphärische Luft ihre Fähigkeit, in gewissen Substanzen Gährung oder Fäulniß hervorzurufen, vollständig verliert, wenn man sie, ohne sie zu erhitzen, durch ein mit Baumwolle locker gefülltes Glasrohr leitet; doch muß man die hiezu dienende Baumwolle vorher einige Zeit hindurch im Wasserbade erwärmen. Diese wissenschaftlich eben so interessante als praktisch höchst werthvolle Thatsache hat Schröder durch fortgesetzte Untersuchungen65) noch genauer zu erforschen gesucht, und ist derselbe in neuester Zeit zu dem bestimmten Resultat gelangt, daß die merkwürdige Wirkung der Baumwolle, wie er bereits vermuthet hatte, in der That nur darauf beruht, daß durch dieselbe die in der Luft befindlichen mikroskopischen Keime, welche allein die Schimmelbildung, die Bildung der Weinhefe, des Milchsäureferments, des Ferments der Zersetzung des Harns etc. hervorzurufen vermögen, zurückgehalten werden. Gekochte vegetabilische oder animalische Substanzen, heiß mit Baumwolle verschlossen, bleiben unter derselben gegen jede Art von Gährung, Fäulniß oder Schimmelbildung vollkommen geschützt, wenn alle entwicklungsfähigen Keime in denselben durch das Kochen getödtet worden sind; denn diejenigen Keime, welche von der Luft zugeführt werden könnten, werden durch die Baumwolle aus derselben abfiltrirt. Die Keime der meisten vegetabilischen und animalischen Organismen werden durch bloßes Aufkochen der Substanzen, in denen sie vorkommen, schon vollständig getödtet. Zur Tödtung aller von der Luft zugeführten Keime reicht kurzes Aufkochen bei 100° C. ebenfalls hin. Milch, Eigelb und Fleisch enthalten Keime, welche durch kurzes Aufkochen bei 100 Grad in der Regel nicht vollständig vernichtet sind. Kochen bei höherer Temperatur, z.B. bei 2 Atmosphären Druck im Digestor, oder sehr lange fortgesetztes Kochen bei 100 Grad reicht immer hin, auch diese Keime gänzlich zu zerstören. Keime der Milch, des Eigelb, des Fleisches sind, auch wenn sie einer nicht allzulange fortgesetzten Kochhitze bei 100 Grad ausgesetzt waren, noch fähig, sich als das specifische Fäulnißferment, und nicht selten, wenigstens im Eigelb und Fleische, in der Form langer, aber träger Vibrionen zu entwickeln. Dieses specifische Fäulnißferment ist animalischer Natur. Es entwickelt und vermehrt sich auf Kosten aller eiweißartigen Verbindungen. Es ist jedoch keiner Vermehrung fähig unter Verhältnissen, welche alle Bedingungen vegetabilischer Bildung enthalten.

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Polytechn. Journal Bd. CXXXII S. 295.

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Annalen der Chemie und Pharmacie, Bd. CIX S. 35 und Bd. CXVII S. 273.

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