Titel: Ueber die Farbe der Briefoblaten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 163/Miszelle 13 (S. 399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj163/mi163mi05_13

Ueber die Farbe der Briefoblaten.

Es ist keineswegs gleichgültig, mit welchen Farben die Brieboblaten versetzt sind, denn man erweicht dieselben vor dem Gebrauch gewöhnlich im Munde, wobei leicht Theilchen davon zurückbleiben, die dann in den Magen gelangen. Diese Umstände bewogen Hrn. Prof. Wittstein in München, die verschiedenen farbigen Oblaten auf Colorit theils selbst zu untersuchen, theils durch Hrn. W. Müller aus Backnang untersuchen zu lassen. Das Resultat war folgendes: Die rothen Oblaten, welche von allen Sorten am meisten verwendet werden, scheinen auf den ersten Blick mit Zinnober gefärbt zu seyn, allein es zeigte sich bei näherer Prüfung, daß nicht Zinnober, sondern Mennige (ein Bleipräparat) darin ist, und zwar enthielt eine Sorte 42 Proc. (in einer Oblate fast 1 Gran), eine andere Sorte 25 Proc. davon! Die gelben Oblaten waren mit Chromgelb (chromsaurem Bleioxyd) zu 14 Proc. gefärbt. Die grünen Oblaten enthalten den sogenannten grünen Zinnober (ein Gemenge von chromsaurem Bleioxyd und Berlinerblau), und zwar 13 1/2 Proc. aus den Chromgelbantheil. Die Menge des Berlinerblaus, als einer unschädlichen Farbe, wurde nicht bestimmt. Von blauen Oblaten lagen 4 Sorten vor, von denen drei mit Ultramarin und eine mit Berlinerblau gefärbt waren. Die Berlinerblausorte und die dunkelste Ultramarinsorte enthielten keine andere schädliche Farbe; in den beiden helleren Ultramarinsorten fand sich indessen auch Bleioxyd, in der blassesten zu 7 1/3 Proc. als Bleiweiß, in der dunkleren nur eine höchst geringe Menge. Es dürfte daher von einem absichtlichen Zusatze einer Bleiverbindung zu dieser mittelblauen Sorte wohl keine Rede, sondern das Blei zufällig dadurch hineingekommen seyn, daß man den Apparat, worin der Teig zu den bleihaltigen Oblaten angemacht war, ohne vorherige sorgfältige Reinigung wieder zu anderen Sorten benutzt hatte. Auch in rosarothen, violetten, fleischfarbigen, braunen und weißen Oblaten konnte Blei, jedoch gleichfalls nur in Spuren nachgewiesen werden, und es erklärt sich dieser Bleigehalt wohl ebenso wie bei der einen Ultramarinsorte. Die Farbe der rosenrothen, violetten und fleischfarbigen waren Lacke, die braune Sorte war durch Eisenocker gefärbt und die weiße bestand aus bloßem Mehlteig. Diesen Untersuchungen gemäß ist bei dem Gebrauche der blaßblauen, grünen, gelben und ganz besonders der rothen Oblaten die größte Vorsicht nöthig; und es dürfte kaum einem Zweifel unterliegen, daß die Verwendung giftiger Farben, wie Mennige, Bleiweiß und Chromgelb, zum Färben der Oblaten von der Sanitätsbehörde verboten werden muß. Am räthlichsten wäre es, sich nur der eines jeden Farbenzusatzes entbehrenden, also der weißen Oblaten zu bedienen. (Durch Verhandlungen d. nieder-österr. Gewerbevereins.)

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