Titel: Unbrauchbar gewordene Eisenbahnschwellen wieder brauchbar zu machen; von Jos. Meidinger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 163/Miszelle 1 (S. 459–460)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj163/mi163mi06_1

Unbrauchbar gewordene Eisenbahnschwellen wieder brauchbar zu machen; von Jos. Meidinger.

Nicht selten sehen wir, daß erst ganz kurze Zeit, oft nur einige Monate im Gebrauche stehende Eisenbahnschwellen wieder entfernt und durch neue ersetzt werden müssen. Untersucht man solche schadhaft gewordene Schwellen näher, so findet man in der Regel an ihren Enden (Köpfen) Risse und Sprünge, welche ein Festhalten der Schienen durch Haken- oder Schraubennägel nicht mehr erlauben und als unbrauchbar aus dem Bahnkörper entfernt werden müssen.

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Die Ursache hiervon liegt darin, daß der im trockenen Zustande zwischen die ursprünglich ganz kleinen und unbedeutenden Spalten der Holzfaser eindringende Staub bei feuchtem Wetter anschwillt und dieselben erweitert, welcher Uebelstand durch die Bemühungen der Bahnwächter, die bereits locker gewordenen Hakennägel durch Auskeilen der Löcher mittelst Holzzapfen zu verbessern, natürlich noch vergrößert wird. Diesem Uebelstande glaubt nun der oben Genannte dadurch abzuhelfen, daß er die Enden der neuen oder bereits schadhaft gewordenen Schwellen mit eisernen, trapezförmigen Ringen versieht. Zu diesem Zweck werden die Enden der an der Luft vollkommen getrockneten Schwellen, nachdem alle in die Spalten eingedrungene Erde auf das sorgfältigste entfernt wurde, conisch behauen, und auf dieselben 2 1/4 Pfund schwere, trapezförmige, etwa 3 Linien dicke und 1 Zoll breite Eisenringe, deren Dimensionen etwas kleiner als die Abmessungen der Schwellen genommen werden, im glühenden Zustande mittelst eines Setz- und Schlaghammers aufgetrieben. Um dieselben vor Rost zu schützen, werden die noch heißen Ringe mit gewöhnlichem Pech überzogen.

Diese in Oesterreich patentirt gewesene Erfindung verdient unseres Erachtens um so mehr die vollkommenste Aufmerksamkeit aller Jener, welche mit Eisenbahnbauten betraut, als dieselbe sich durch einen von dem Erfinder in dieser Richtung in der Nähe von Mürzzuschlag vor ungefähr 11 Jahren74) angestellten Versuch auf das glänzendste bewährte, und hierdurch im Laufe der Jahre Tausende, ja selbst Millionen von Gulden, welche auf die Anschaffung neuer Schwellen verwendet werden müssen, erspart würden. (Stamm's illustrirte Zeitschrift, 1862 S. 17.)

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Die im Jahre 1848 bereits schadhaften, auf diese Weise wieder brauchbar gemachten Schwellen wurden erst 1859 – also nach 11jähriger Dauer – wieder entfernt.

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