Titel: Die Rüben-Trichine, ein Feind der Zuckerrübe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 163/Miszelle 19 (S. 468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj163/mi163mi06_19

Die Rüben-Trichine, ein Feind der Zuckerrübe.

Prof. Dr. Schacht in Bonn hat die wichtige Beobachtung zu wiederholten Malen gemacht, daß ein zur Familie der Nematoden gehörender, fast mikroskopischer Wurm, den er „Rübentrichine“ nennt, ein sehr gefährlicher Feind der Zuckerrübe ist.

Im Juni 1859 fand er nämlich auf Rübenfeldern um Halle zwischen üppig wachsenden Pflanzen vereinzelt Exemplare, welche ein krankhaftes Ansehen hatten und in ihrem Wachsthum hinter ihren Nachbarn weit zurückgeblieben waren. An diesen kränkelnden Rüben fand er zahlreiche kleine weiße Pünktchen von der Größe eines kleinen Stecknadelkopfes, welche sich leicht von der Wurzel trennen ließen und, mit der Nadel verletzt, eine weiße Masse von sich gaben. Sie bestanden aus einem häufigen Sack, der an beiden Enden etwas spitz zulief und dort die beiden Leibesöffnungen hatte. Beim Oeffnen eines der größeren Sacke mit einer Nadel quoll eine Masse hervor, welche aus zahllosen, vielleicht über 1000 Eiern gleicher Größe bestand, die alle Stadien der Entwickelung und namentlich die so interessanten Erscheinungen der Theilung der Eier in 2, dann in 4 und in 8 Zellen etc. zeigten, bis endlich die zellige Structur wieder verschwunden war und ein mehrmals gekrümmter durchsichtiger Wurm von der Eischale umschlossen wurde, der sich gar häufig munter innerhalb derselben bewegte und zuletzt seiner Hülle entschlüpfte.

Der kleine, den Essigaalen ähnliche Wurm gehört zur Abtheilung der Nematoden, welche als Eingeweidewürmer sehr verbreitet sind, aber auch frei im Wasser und in der Erde vorkommen; die Säckchen aber sind das befruchtete weibliche Thier.

Im September desselben Jahres fand sie Prof. Schacht auf denselben Feldern in viel größerer Ausdehnung wieder (desgl. um Straßfurth, im Oderbruch und in Schlesien). Sie hiengen in zahlloser Menge an den reichlich entwickelten Wurzelfasern der oft nur fingerdicken Rübe, welche augenscheinlich durch ihren Angriff so verkümmert war.

Die im Sommer 1860 fortgesetzten Beobachtungen bestätigten die Ergebnisse des vorherigen Jahres aufs vollständigste. Man fand die Trichine besonders häufig auf den Feldern, wo die Rüben hinter einander oder in kurzer Folge auf einander gebaut wurden, während man sie da gar nicht antraf, wo die Rüben erst nach dreijährigem Turnus auf denselben Acker wiederkehren. (Illustrirte Gewerbezeitung, 1861 Nr. 23.)

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