Titel: Das Frischschlackenschmelzen betreffend.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 163/Miszelle 4 (S. 461)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj163/mi163mi06_4

Das Frischschlackenschmelzen betreffend.75)

Was den Anspruch auf die Priorität der Idee über das Zugutemachen der Frischschlacken durch Verschmelzung mit Zuschlägen von Kalkstein und Kohlenpulver anlangt, will ich im Interesse der Wahrheit auf das Handbuch der metallurgisch-analytischen Chemie von P. Berthier, übersetzt ins Deutsche von Carl Kersten, vom Jahr 1836 hinweisen. Im Bande II, Seiten 279–280, heißt es wörtlich:

„Setzt man ein Stück reines oder mit Thon vermengtes Eisenoxyd und ein Stück Eisenoxydulsilicat (Frischschlacken), von demselben Volum wie jenes, in Berührung mit Kohle einem gleichen Hitzegrade während einer gleichen Zeit aus, so dringt die Reduction nicht auf eine gleiche Tiefe ein; sie schreitet schneller bei dem Eisenoxyde als bei dem Eisenoxydulsilicate vorwärts, obgleich das Eisen aus letzterem nach längerer Zeit in der Weißglühhitze vollständig reducirt werden kann. Diese Beobachtungen erklären uns, was in den Hohöfen, in welchen Eisenerze mit einem Zuschlag von Frischschlacken verschmolzen werden, vorgeht.

Das Roheisen, welches hiervon fällt, ist stets weiß, und schon ein geringer Zuschlag dieser Schlacken zur Beschickung ist hinreichend, diese Erscheinung hervorzubringen. Sie hat darin ihren Grund, daß:

1) ein Theil dieser Schlacken in dem Gestelle ankommt, bevor sie vollständig reducirt sind, und das Roheisen entkohlt;

2) der Antheil Eisen, welcher reducirt wurde, wenig kohlehaltig ist, weil die Reduction langsam vor sich geht, und der Kohlenstoff erst dann aufgenommen wird, wenn in der Mitte der Stücke kein Oxyd mehr ist.

Diese Nachtheile werden dadurch vermindert, daß man die Schlacken lange in dem Hohofen verweilen läßt. Es ist wahrscheinlich, daß man sie gänzlich umgehen dürfte, wenn man die Schlacken, statt bloß gröblich zu zerschlagen, fein pochte, und aus dem Pulver mit Kohlenstaub und Kalk (zur Schmelzung der Kieselerde) Ziegel formte, und diese nach dem Trocknen wiederum in Stücke von Nußgröße verwandelte.“

Pribram, am 10. Februar 1862.

Johann Köller, k. k. substit. Probirer.

(Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1862, Nr. 7.)

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Man sehe die betreffenden Mittheilungen S. 116 und 396 in diesem Bande des polytechn. Journals.

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