Titel: Bischof's, Werthbestimmung eines feuerfesten Thones von Niederpleis a. d. Sieg.
Autor: Bischof, Carl
Fundstelle: 1862, Band 164, Nr. XIV. (S. 52–54)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/ar164014

XIV. Werthbestimmung eines feuerfesten Thones von Niederpleis a. d. Sieg; von Dr. Carl Bischof.

Der Thon ist von hell-bläulich-grauer Farbe. – Fühlt sich sehr zart und fettig an. – Schneidet sich ohne Knirschen; die Schnittfläche ist glänzend. – Ist auf dem Bruche fettig-glänzend, und zeigt verknetete |53| geglättete Flächen. – Haftet stark an der Zunge. – Zerfällt in Wasser unter Entwicklung von Luftbläschen, die mit singendem Zischen entweichen; gibt, damit angefeuchtet, eine sehr bindende, plastische Masse. – Knirscht, in dem Achatmörser zerrieben, nicht im Mindesten; selbst zwischen die Zähne gebracht, sind kaum Sandkörnchen wahrzunehmen. – Braust mit Säure übergossen nicht. – Digerirt mit Salzsäure, wird nicht viel Eisen und Kalk ausgezogen. – Enthält wenig kohlige Substanz, wird beim Glühen über der Spirituslampe Heller (gelblich).

Der Thon zeichnet sich aus durch eine sehr seltene, fast vollständige Freiheit von Sand.

Bestimmung des Grades der Strengflüssigkeit (Feuerfestigkeit) und des Bindevermögens (Magerkeit oder Fettigkeit):

Die Prüfung geschah nach dem im Jahrgang 1861 dieses Journals, Bd. CLIX S. 54 und Bd. CLXI S. 208 und 291, von mir ausführlich beschriebenen Verfahren, wonach chemisch-reines Quarzpulver das Maaß für die Strengflüssigkeit eines Thones gibt, und zwar im umgekehrten Verhältniß. Je mehr erforderlich, um so weniger strengflüssig ist der Thon.

In geradem Verhältniß dagegen gibt die Methode Aufschluß über das Bindevermögen des Thones. Je mehr Quarzpulver der Thon aufzunehmen vermag, um so bindender ist er.

So geprüft den fraglichen Thon: begann Pröbchen Nr. 0 sich aufzublähen, war feinblasig-sinterig. Schwimmt wie Bimsstein auf Wasser. – Schwindet und reißt in dunkler Rothglühhitze. Brennt sich röthlich-gelb.

Pröbchen 1, 2 sind aufgebläht und Nr. 3 noch etwas.

Pröbchen 4 erscheint = strengflüssig wie Garnkirk 1, ist außen mehr glasirt, innen dichter.

Pröbchen Nr. 6 ist körnig u.s.w.

Demnach ist die Strengflüssigkeit, Garnkirk Nr. 1 als Norm angenommen, = weniger als 4, also etwa = 3 1/2.

Das Bindevermögen geprüft, ist = 8, d.h. so bedeutend, wie es bei feuerfesten Thonen nur sehr selten gefunden wird.

Der fragl. Thon ist hiernach ein ziemlich strengflüssiger Thon, der sich werthvoll hervorthut durch seine Reinheit an mechanischen Beimengungen und durch sein verhältnißmäßig sehr bedeutendes Bindevermögen, d.h. seine Fettigkeit und Plasticität.

Der Thon ist entschieden zu den besseren feuerfesten Thonen zu rechnen, und hat viel Aehnlichkeit mit einem der besten rheinischen feuerfesten Thone, dem blauen Nr. 1 von Mühlheim.

Den Glühversuch wiederholt in directem Vergleich mit dem genannten |54| Mühlheimer Thon, ergab sich, daß während Nr. 0 des fragl. Thones in der Prüfungshitze sich aufzublähen begann, derselbe keine Aufblähung zeigte. Der fragl. Thon war blasig-sinterig, der Mühlheimer gesintert aber dicht, und nur unter der Loupe zeigten sich Poren.

Das Schwinden und Reißen in geringerer Hitze ist ähnlich wie bei dem fragl. Thon.

Bei dem Mühlheimer Thon war nur Nr. 1 aufgebläht und 4 war schon körnig u.s.w.

Seine Strengflüssigkeit ist = 2 1/2

Sein Bindevermögen = 6–7.

Zerrieben in dem Achatmörser, knirscht er etwas, zwischen den Zähnen nicht wenig. Er enthält mehrere Procent Sand mechanisch beigemengt.

Also in Hinsicht der Schmelzbarkeit steht der fragl. Thon ein Grad nach; in Hinsicht des Bindevermögens übertrifft er ihn um mehr als einen Grad.

Das Bindevermögen aber ergänzt die Strengflüssigkeit, da einem mehr bindenden Thone mehr strengflüssiger Zusatz einzukneten ist. In dieser Hinsicht ist daher dem fragl. Thon wesentlich der Vorzug zu geben vor dem Mühlheimer. Es kann aus ihm, da er verhältnißmäßig mehr Zusatz verträgt, ein wenigstens eben so strengflüssiges, ja selbst strengflüssigeres Fabricat, hergestellt werden. Dazu kommt, daß für manche Verwendungen die Freiheit von Sand eine sehr erwünschte Eigenschaft ist.

Im Allgemeinen kann daher der fragl. Thon dem genannten als ebenbürtig an die Seite gesetzt werden. Für Zwecke, wo auf größte Reinheit, auf möglichstes Bindevermögen oder Plasticität Gewicht gelegt wird, ist er von größerem Werthe; in Fällen, wo man eine äußerlich zusammengeschmolzene Masse wünscht, wie z.B. bei Gewölben, ist er willkommen.

Was die Verwendung des fragl. Thones anbetrifft, ist er vorherrschend für feuerfeste Zwecke dienlich. Er gestattet, richtig behandelt und versetzt, feuerfeste Fabricate: Steine, Platten etc. darzustellen, nicht bloß geeignet für Dampfkesselfeuerungen, Essen, Kohksöfen etc., sondern auch für Puddel- und Cupolöfen, und selbst für Schweißöfen, wiewohl für letzteren Zweck wie auch für Hohöfen eine volle Gewähr nicht zu geben ist.

Ehrenbreitstein am Rhein, den 14. März 1862.

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