Titel: Winter's Doppel-Condensator.
Autor: Winter, W.
Fundstelle: 1862, Band 164, Nr. XXI. (S. 84–87)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/ar164021

XXI. Beschreibung des von dem Mechaniker Hrn. W. Winter in Charlottenburg construirten Doppel-Condensators.

Aus den Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 1861 S. 262.

Mit einer Abbildung auf Tab. II.

Der in Fig. 4 in einem Verticaldurchschnitte dargestellte Doppelcondensator, welcher Hrn. Winter am 12. November 1861 für Preußen patentirt wurde, hat den Zweck:

1) die Kaltwasserpumpe und somit auch die zur Bewegung derselben erforderliche Kraft zu ersparen,

2) das in den Kessel zu führende Speisewasser vorher zu reinigen und bis zu einer Temperatur von 60 bis 70° R. zu erwärmen, das Ansetzen des Kesselsteines zu verhüten und die Speisepumpe gleichzeitig als Luftpumpe wirken zu lassen,

3) die Condensation des Dampfes vollkommener als mittelst der bisherigen Vorrichtungen zu bewerkstelligen und demnach die Leistung der Maschine zu erhöhen.

Die vorgesteckten Ziele werden durch folgende Einrichtungen des Apparates erreicht:

A ist ein hohler cylindrischer Körper, welcher den eigentlichen Condensator bildet. Dem unteren Ende dieses Cylinders schließt sich der Canal B an, welcher unter dem Kolben der Luftpumpe mündet. Mit den inneren Wänden des Condensators A ist, einerseits der hohle Körper C', C, c'', andererseits der hohle Körper D, D', luftdicht verbunden. Der Canal e'', D führt nach einem ringförmigen hohlen Raum a, a, welcher durch viele kleine Oeffnungen b, b mit dem Condensatorraum in Verbindung steht; die untere Oeffnung C' geht in das mit einem Hahne f versehene Rohr E über, dessen in der Zeichnung nicht angegebenes Ende in einem Brunnen oder Fluß mündet. An dem oberen Ende D' setzt sich ebenfalls ein Rohr F an, welches unter den Kolben der Speisepumpe geführt wird.

Die obere, durch einen Stutzen G gebildete, Oeffnung des Condensators steht mit einem Rohre H in Verbindung, und empfängt die abgehenden, zu condensirenden Dämpfe des Dampfcylinders, welcher in der Nähe des Condensators anzubringen ist. Das Rohr I zweigt sich von |85| dem Hauptrohre H ab, und mündet in dem bereits ausgepumpten Condensationswasser. Die Wirkungsweise des beschriebenen Apparates ist folgende:

Nachdem die Luftpumpe einige Hübe gemacht hat, wird in dem inneren Raume des Condensators eine Luftverdünnung eintreten, und da derselbe durch die kleinen Oeffnungen b, b auch mit dem Saugrohr E in Verbindung steht, so wird der Luftdruck das Wasser in letzteres Rohr treiben, so daß ein Ausspritzen desselben durch die Oeffnungen b, b erfolgt. Die aus dem Dampfcylinder entweichenden Dämpfe werden dadurch in kräftiger Weise condensirt werden; auch bewirkt die Fallkraft des Wassers bis zur Luftpumpe eine schnellere Bewegung, wodurch sich für die Folge in dem Condensator ein luftverdünnter Raum erhält, der erfahrungsmäßig einen Druck von 1 Pfund per Quadratzoll nicht übersteigt; es entsteht somit eine fast vollständige Luftleere. Da auch der Raum G, H mit dem Condensator in Verbindung steht, so wird auch hier das schon erwärmte Condensationswasser durch das Rohr I in das Rohr H treten, von dem Dampfe nach dem Condensator mitgerissen und dabei durch den heißen Dampf derartig erwärmt werden, daß es mit einer Temperatur von 60 bis 70° R. in das Gefäß K fließt, und hier durch das Rohr F von der Speisepumpe aufgenommen wird. Da das Wasser von l' bis G einen Theil des Dampfes verdichtet, und überdieß das Condensationswasser, welches durch das Rohr I aufgesaugt wird, reiner als gewöhnliches Brunnenwasser ist, so wird das Speisewasser sehr rein und mit den Fetttheilen des Dampfcylinders gemischt in den Kessel treten, wodurch eine Ablagerung von Kesselstein verhütet wird.

Der erste Doppelcondensator wurde in der Fabrik von G. H. Bretsch Wwe. an einer Condensations-Dampfmaschine aus der Freund'schen Fabrik in Berlin angebracht. Die Ausführung dieser Arbeit erfolgte in der Zeit von Morgens 6 Uhr bis Abends 10 Uhr. Als die Maschine wieder in Betrieb gesetzt wurde, war ihre Leistung eine bedeutend erhöhte. Dieselbe erforderte früher, wenn sämmtliche Arbeitsmaschinen und Wasserpumpen in Betrieb waren, eine Spannung von 22 Pfd. per Quadratzoll Ueberdruck, als Minimum, um mit normaler Geschwindigkeit arbeiten zu können. Mit dem neuen Apparat arbeitete die Maschine dagegen bei derselben Belastung mit normaler Geschwindigkeit bei 14 Pfund Ueberdruck per Quadratzoll; so erheblich war die Triebkraft der Maschine durch die erhöhte Luftleere verstärkt worden.

Das Speisen des Dampfkessels macht durchaus keine Verstärkung des Feuers nochwendig, wie dieß gewöhnlich nach dem Einpumpen des Speisewassers der Fall ist. Da nämlich das Wasser, wie schon bemerkt, eine Temperatur von 60 bis 70° R. besitzt, so erfordert selbstredend die Umwandlung |86| desselben in Dampf wenig Brennmaterial, es stellt sich sogar eine Kohlenersparniß von 25 bis 30 Proc. heraus.

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In wie weit bei Anwendung des vorstehend beschriebenen Condensators ein günstiger Einfluß auf die Beschaffenheit des Speisewassers sich geltend macht, geht aus den nachstehenden Untersuchungen des Hrn. Dr. Ziurek hervor.

„Am 26. September 1861 entnahm ich Wasser aus einem Dampfkessel, welcher mit einem von dem Maschinenfabrikanten W. Winter in Charlottenburg angefertigten Condensator in Verbindung stand, zur chemischen Untersuchung.

In einem Liter Wasser waren enthalten: an festen Bestandtheilen überhaupt 0,2225 Gramme.

Diese bestanden aus:

0,0585 Grm.organischen Stoffen und
0,1640 „unorganischen Stoffen.

Die 0,1640 Grm. unorganischer Stoffe bestanden aus:

0,0734 Grm.kohlensaurer Kalkerde
0,0343 „schwefelsaurer „
0,0081 „kohlensaurer Bittererde
0,0174 „Thonerde und Eisenoxyd
0,0293 „Alkali-Salzen
0,0015 „Kieselsäure.

Am 12. November 1861 erhielt ich von Hrn. W. Winter zur chemischen Untersuchung eine bräunliche, pulverförmige, mit braunen, haselnußgroßen Concrementen gemischte Substanz, welche derselbe nach seiner Versicherung aus einem Dampfkessel entnommen, der mit einem von ihm angefertigten Condensator in Verbindung steht.

Die chemische Untersuchung ergab folgende Resultate:

Das bräunliche Concrement bestand aus:

12,97 ProcBleioxyd
13,28 „Manganoxydul
10,93 „Eisenoxyd
2,61 „kohlensaurer und schwefelsaurer Kalkerde
36,91 „Kieselsäure
23,30 „Fettsäuren.

Die pulverförmige Substanz bestand aus:

4,56 Proc.Eisenoxyd und Manganoxydul
37,32 „Kalkerde
5,96 „Kieselsäure
25,49 „Kohlensäure
26,67 „Fettsäuren.
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Auf Grund dieser Ergebnisse geht mein pflichtgemäßes Urtheil dahin:

1) daß das von mir entnommene und untersuchte Dampfkessel-Speisewasser eine sehr geringe Menge Kesselstein bildender Substanzen enthält,

2) daß die bräunlichen Concremente wesentlich aus einer feifenartigen Verbindung von Fettsäuren mit Metalloxyden, die bräunliche, pulverförmige Substanz wesentlich aus einer seifenartigen Verbindung von Fettsäuren mit Kalk und aus kohlensaurem Kalk besteht, und

3) daß die so erzeugten Metalloxyd- und Kalkseifen sich nur als lockere, den Wänden des Kessels nicht adhärirende Massen ausscheiden, mithin keinen Kesselstein bilden, und durch ihre Entstehung die Menge der Kesselstein bildenden Substanzen verringern.“

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