Titel: Ueber Feuerfeste englische Quarzziegel und Thone.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 164, Nr. XXXII. (S. 114–116)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/ar164032

XXXII. Feuerfeste englische Quarzziegel und Thone.

Aus der berg- und hüttenmännischen Zeitung, 1862, Nr. 13.

Auf den Kupferhütten in Südwales stellt man die Kupferflammöfen äußerst dauerhaft aus Quarzziegeln (Dinas) her, welche aus Quarz mit wenig Kalk gebrannt und in ihren Fugen beim Ofenbau durch eine gleiche Masse verbunden werden. Diese Steine sind äußerst feuerbeständig und leiten die Wärme so wenig, daß sie beim schärfsten Feuer im Ofen äußerlich nur wenig warm werden. Auch für Zinköfen sind dieselben häufig angewandt. Man bezieht die Steine unter der Firma: Dinas Bridge Fire-Brick and Clay-Works, Glyn-Neath. 1000 Stück kosten z.B. in Swansea 2 Pfd. Sterl. 17 Shill. 6 Pence, und wägen 4–5 Tonnen. – Die Flintshiresteine von Hancott in Flint kosten loco Flint 1000 Stück: 30 Shill., wägen 3 3/4 Tonnen, und werden nur zu Füchsen und Essen für Flammöfen gebraucht.

Nach Dr. Percy's Metallurgie 1861, Bd. I S. 236, wurde die Fabrication der Dinas (dem Namen des Gesteins im Thale von Neath, woraus die feuerfesten Steine bereitet werden) von Hrn. Weston Joung im Jahre 1822 eingerichtet, blieb aber lange Jahre Geheimniß, und ist auch jetzt noch nicht völlig bekannt. Das Rohmaterial findet sich als Felsen und als Sand, besitzt im trockenen Zustande eine hellgraue Farbe und wird, mit Ausnahme der zu harten Partien, zwischen eisernen Walzen zu einem groben Pulver zerkleint. An der Luft wird das Gestein meist etwas weicher. Nach W. Weston enthält das Gestein von zwei verschiedenen Localitäten aus dem Thale von Neath:

Kieselerde. Thonerde. Eisenoxydul. Kalk. Kali und Natron. Wasser.
98,31 0,72 0,18 0,22 0,14 0,35
96,73 1,39 0,48 0,19 0,20 0,50.

Das Gesteinpulver wird mit 1 Proc. Kalk und einer hinreichenden Menge Wasser angemengt, die Masse in eiserne Formen gethan – indem sie der Arbeiter mit starken Handschuhen faßt, – und darin auf einer eisernen Unterlage mittelst eines Stempels gepreßt. Es stehen immer zwei Formen neben einander. Nachdem die Form von den gepreßten Steinen abgenommen, werden dieselben auf den eisernen Unterlagen getrocknet, dann während sieben Tagen in starker Hitze in ähnlichen Oefen, wie sie sonst zum Brennen feuerfester Steine dienen, gebrannt. Ein Ofen faßt 32000 Steine, und bedarf 40 Tonnen Steinkohle. Der |115| Preis ist 60 Shill. für 1000 Stück. Auf dem Bruche zeigen die Steine grobe, unregelmäßige, weiße Quarztheile, umgeben von einer kleinen Menge hell bräunlich-gelben Stoffes. Diese Steine dehnen sich in der Hitze aus, während andere feuerfeste Steine sich zusammenziehen, und geben deßhalb in Flammöfen ein sehr dichtes Gewölbe. Dagegen vertragen sie bei ihrem hohen Kieselerdegehalte die Berührung mit an Metalloxyden reichen Schlacken nicht.

Die besten feuerfesten Thone Englands und Schottlands haben nachstehende Zusammensetzung:

Kieselerde. Thonerde. Kali. Kalk. Magnesia. Eisenoxydul. Wasser. Hygrosk.
Wasser.
Org.
Subst.
1) 65,10 22,22 0,18 0,14 0,16 1,92 7,10 2,18 0,58
2) 51,80 30,40 0,50 4,14 13,11
3) 48,04 34,47 1,94 0,66 0,45 3,05 11,15
4) 55,50 27,75 2,19 0,67 0,75 2,01 10,53 0,44Natron
5) 52,06 29,38 2,29 0,43 0,02 2,37 10,27 2,56
6) 48,99 32,11 3,31 0,43 0,22 2,34 9,63 2,33
7) 67,12 21,18 2,02 0,32 0,84 1,85 4,82 1,39 0,90
8) 66,16 22,54 1,42 Spur 5,31 3,14
9) 46,32 39,74 0,36 0,44 0,27 12,67 12,08

1) Stourbridge, beste Sorte, nach C. Tookey. 2) Brierley Hill, Staffordshire, nach T. H. Henry, erste Qualität. 3) Stannington, bei Sheffield, nach Hambly, zu Gußstahltiegeln. 4) Newcastle-on-Tyne, nach H. Taylor. 5) Teignmouth, Devonshire, nach Weston, Zusatz zu den cornischen Tiegeln. 6) Poole, Dorsetshire, nach Weston, Zusatz zu den cornischen Tiegeln. 7) Dowlais, beste Sorte, nach E. Riley. 8) Glasgow, beste Sorte, nach J. Brown. 9) Chinathon, Kaolinit, aus Cornwall, nach R. A. Couper.

Die besten Schmelztiegel und Muffeln aus Stourbridgethon, welcher mit Chamotte und Kohks versetzt wird, werden von King in Birmingham (Lichfield Str.) angefertigt. Die kleinsten Tiegel halten 10 Pfd. Metall und kosten 2 Shill. per Dutzend, die größten 140 Pfd. bei einem Preise von 11 Shill. 3 Pence das Dutzend.

Die cornischen Schmelztiegel für die cornische Kupferprobe werden in zwei Größen angefertigt, die größere von 3 Zoll Durchmesser oben und 3 1/2 Zoll äußerer Höhe. Die kleinere Sorte paßt in die größere hinein. Die Mischung für die größeren besteht aus 1 Theil Teignmouththon, 1 Thl. Poolthon und 2 Thln. Sand von St. Agnes' Beacon in Cornwall; zu den kleineren, weniger feuerbeständigen Tiegeln kommt |116| noch 1/8 Chinathon von St. Austell. Ausgezeichnete Tiegel der Art werden von Juleff in Redruth und von Mitchell in Truro angefertigt. Ein Tiegel von Juleff enthielt nach A. Dick:

Kieselerde. Thonerde. Eisenoxyd. Kalk. Magnesia. Kali.
72,39 25,32 1,07 0,38 Spur 1,14.

Die Londoner Schmelztiegel von Ruel (High Holborn) in London widerstehen besser, als viele andere Tiegel, der Einwirkung von geschmolzenem Bleioxyd. Die hessischen Tiegel bewährten ihren Ruf, den cornischen gegenüber, nicht; sie wurden von geschmolzenem Bleioxyd leicht durchfressen. Der von Wurzer, Brett und Bird in den hessischen Tiegeln entdeckte bedeutende Gehalt an Titansäure ist nach Wöhler gar nicht darin vorhanden.

Von den belgischen Tiegeln sind die besten von Coste zu Tilleur bei Lüttich. Graphittiegel werden in ausgezeichneter Qualität angefertigt von G. Ruel in London (High Holborn) und von der Patent Plumbago Crucible Company zu Battersea; die Passauer Tiegel (Lorenz, Kapeller und Sohn zu Hafnerzell) stehen denselben an Qualität nicht nach.

B. K.

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