Titel: Jacobi's Aether-Extractions-Apparat.
Autor: Jacobi, Robert
Fundstelle: 1862, Band 164, Nr. XCV. (S. 343–345)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/ar164095

XCV. Der Mohr'sche Aether-Extractions-Apparat, verbessert von R. Jacobi, Techniker aus Hettstädt.

Mit einer Abbildung auf Tab. V.

Behufs der Abscheidung des Wachses und der Harze aus Torf und Braunkohle durch Aether, Alkohol, Benzin etc. bezog ich vor einiger Zeit einen Aether-Extractions-Apparat, wie er von Mohr ausgeführt und in seinem „Lehrbuch der phärmaceutischen Technik“ ausführlich beschrieben ist. Der Apparat mag in dieser Gestalt auf leicht lösliche Extractionsobjecte zufriedenstellend arbeiten; für die schwererlöslichen wachs- und harzartigen Stoffe der genannten Materialien genügte er selbst bescheidenen Anforderungen nur wenig. Der Grund davon ist, daß die größere Hälfte der in der Woulf'schen Flasche in Dampf verwandelten Extractionsmittel an dem inneren Mantel des äußeren Kühlgefäßes condensirt wird, und dann an diesem und zwischen dem Mantel des Siebes oder Filters herabrinnt, ohne in demselben zur Wirkung zu kommen. Die Liquidität der Extractionsmittel, die Beschränktheit und Beschaffenheit des Innern der der Apparate lassen einen befriedigend dichten Schluß weder bei dem Siebe noch bei irgend welchem Filtrum erreichen. Würde solcher aber dennoch erreicht, so flössen die Extractionsmittel schnell an den Wänden der resp. Extractionsgefäße oder Filter herab, ohne die Extractionsmasse genügend zu durchdringen. Die geringere Hälfte der Dämpfe schlägt sich am inneren Kühlgefäße nieder, ist aber, flüssig geworden, bei der Form des Bodens dieses Gefäßes sehr geneigt, an nur einer Stelle, und zwar entweder am tiefsten Punkte, wenn das Gefäß schief steht (was kaum zu vermeiden ist), oder senkrecht unter der Einmündung des Dampfrohres in Tropfen auf das Filtrum oder Gefäß zu fallen. Hierdurch wird wiederum eine genügend gleichmäßige Durchdringung der Extractionsmasse verhindert, in ihr gewissermaßen nur „ein falscher Weg“ gebildet. Weder das innere noch das äußere Kühlgefäß functioniren sonach befriedigend, |344| und die Arbeit wird mit großem Verluste an Extractionsmittel nutzlos sehr in die Länge gezogen.

In Folge dessen gab ich unter Beibehaltung der ursprünglichen Form und unter Benutzung der vorhandenen Stücke meinem Apparate eine andere Einrichtung; sie bewährte sich nach Voraussetzung bestens; die resp. Extractionen waren in 1/2–1/4 der vorher erforderlichen Zeit beendet, und die Ersparniß an Aether etc. etc. stand mit der gewonnenen Zeit in geradem Verhältniß. Ich kann diese Abänderung des Extractors demnach bestens empfehlen, und gebe im Folgenden eine kurze Erläuterung des in Figur 17 dargestellten verbesserten Apparats.

Die Zeichnung gibt einen Schnitt des Apparates, und zwar durch seine Achse und in der Ebene der Wasser-Zu- und Abführungsrohre, welche hier so angeordnet sind, daß nur das innere Kühlgefäß frisches Kühlwasser erhält. Es gelangt von hier in selbstredender Weise in den äußeren Kühler und von da zum Abfluß. Bei der geringen Wärmecapacität der niederzuschlagenden Dämpfe genügt diese einfachere Unordnung vollständig. Durch eine halbe Wendung des inneren Kühlers paßt jedoch das Rohr 15 in das Abführrohr R¹, und kann man dann beide Kühlgefäße beliebig mit Wasser versorgen.

F ist die Woulf'sche Flasche, deren zweiter Hals, sowie das Dampfleitungsrohr, punktirt angegeben sind. Der Trichter T bekommt einen flachen, ringförmigen Aufsatz, welcher mit ihm, sowie mit den Zargen Z und Z¹ dicht verlöthet ist. Z geht nach oben scharf aus und nimmt den äußeren Mantel M des äußeren Kühlers in möglichst dichtem Anschluß locker auf, ebenso wie der letztere den inneren nach unten verjüngten Kühler bei x aufnimmt. Zu diesem Zwecke ist m nach unten ebenfalls etwas verjüngt. Im inneren Raum des äußeren Kühlers, aufstehend auf dem flachen Ringe des Trichters, findet das Extractionsgefäß g seine Stelle; dasselbe kann mit calottenförmigem Boden, wie voll, oder mit Trichter, wie punktirt angegeben, versehen seyn.

Statt des vollen Bodens ist das innere Kühlgefäß K theils mit einem trichterförmigen, theils mit einem kleineren, runden Boden geschlossen. Ersterer ist mit n, letzterer mit o bezeichnet. Der trichterförmige Theil des Bodens ist mit mehreren, nach unten in Spitzen endenden, zackenförmigen Ausschnitten versehen. Mit dem inneren Cylinder des äußeren Kühlers ist ein ähnlicher, weiterer Trichter r dicht verlöthet, der ebenfalls mit gleichen, zackenförmigen Ausschnitten versehen ist. Die Zahl derselben beträgt bei meinem Apparate für letzteren 12, für ersteren 6; sie kann jedoch beliebig, wo möglich größer genommen werden. Die condensirten Extractionsmittel rinnen an den Mänteln nach |345| den Trichtern, und hier an den Kanten der Zacken bis zu deren Spitzen herab, von wo sie in feinen Tröpfchen möglichst gleichmäßig vertheilt, auf das Extractionsobject niederfallen, und dasselbe gleichmäßig durchdringen. Das Vorbeifließen derselben oder das Bilden „falscher Wege“ ist sonach vollständig vermieden, und darauf beruht allein die sichere und rasche Wirkung.

Bei Extractionen mit Alkohol, Benzin u.s.w., welche weniger flüchtig sind als Aether, wird es nöthig die Woulf'sche Flasche fast ganz in ein mit Salz gesättigtes Wasserbad zu stellen. Dabei condensiren sich an dem äußeren kalten Mantel m unvermeidlich die aufsteigenden Wasserdämpfe, zu deren Absang und Ableitung von dem Schlusse Z und aus dem Inneren des Apparates der Ring s den Mantel m glockenförmig und dicht verlöthet umgibt. Die abfallenden Wassertropfen, welche auf die heiße Flasche gelangend, dieselbe leicht springen machen würden, sammeln sich zwischen Z und Z'.

Heiße Digestionen und Kochungen etc. mit Aether lassen sich mit Hülfe des Extractionsapparates leicht und bequem so ausführen, daß die Extractionsmittel selbstthätig in sich zurückkehren. Man gibt Extractionsobject und Extractionsmittel entweder in die Woulf'sche Flasche oder in einen Kolben, setzt den Apparat auf und wärmt oder kocht sodann. Die Dämpfe steigen im Trichterrohr auf, condensiren sich im Apparate und kehren in Tropfen ebenfalls durch das Trichterrohr nach unten zurück. Diese Operation kürzt bei schwerlöslichen Objecten die Dauer des Processes sehr ab, ohne größeren Verlust zu bedingen als die gewöhnlichere kalte Extraction.

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