Titel: Vorschlag zur Haltbarmachung der Eisenbahnschwellen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 164, Nr. CIX. (S. 391–393)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/ar164109

CIX. Vorschlag zur Haltbarmachung der Eisenbahnschwellen.

Die bisherigen Mittel zur Haltbarmachung des Holzes haben bei Eisenbahnschwellen wenig genügt, da die abwechselnde Einwirkung von Luft, Sonnenhitze, Thau, Regen, Staub, welchen diese ausgesetzt sind, |392| die erhaltenden Mittel, theils durch Auflösung, theils durch Transmission, theils durch Verflüchtigung bald entfernt oder zerstört. Hiezu kommt noch die Schwierigkeit alle Theile des Holzes gleichförmig mit der erhaltenden Flüssigkeit zu tränken, und der Umstand, daß eine einzige Stelle, welche den schützenden Körper nicht gehörig aufgenommen hat, zum Beginn der Fäulniß genügt, die dann ungestört im Innern des Holzes fortschreitet da die schützenden Mittel nicht tief in dasselbe eindringen.

Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß die wirksamsten Mittel, die man bis jetzt kennt (Quecksilbersalze, Kupfersalze, Kreosot), nur wirken, weil sie den Eiweißstoff des Holzes gerinnen machen, gerade aber dadurch ihrem tieferen Eindringen in das Holz sogleich selbst eine Grenze setzen. Zwei Thatsachen geben indessen vielleicht neue und bessere Erhaltungsmittel an die Hand.

Die Eine ist die Unveränderlichkeit der Birkenrinde, mit der man in Norwegen Pfosten, die in der Erde stehen, einige Zoll über und unter der Erde umgibt, und sie dadurch lange Zeit vor dem Verfaulen schützt. Die Birkenrinde enthält bekanntlich einen dem Kautschuk oder der Guttapercha ähnlichen Stoff, der durch trockene Destillation das sogenannte Juchtenöl gibt. Es ist daher der Schluß natürlich, daß mit jenen beiden Körpern getränktes, oder auch nur damit überzogenes Holz lange Zeit der Fäulniß widerstehen wird.

Die andere Thatsache ist die Unveränderlichkeit des Paraffins gegen die Einwirkung des Wassers, der Säuren, der Alkalien und der Hitze. Schon dadurch übertrifft es alle bis jetzt zur Haltbarmachung angewandten Körper in hohem Grade; noch mehr aber durch den Umstand, daß es den Eiweißstoff nicht gerinnen macht, und daher mit Leichtigkeit bis ins Innerste des Holzes dringt. Holz mit Paraffin gekocht wurde vollkommen mit demselben getränkt, und verlor zugleich seinen ganzen Wassergehalt. (Bekanntlich läßt sich das Paraffin ohne zersetzt zu werden, bis auf 300° C. erhitzen.)

Wir schlagen daher die Anwendung des Paraffins zur Haltbarmachung der Eisenbahnschwellen vor, und laden die Eisenbahnverwaltungen ein, deßhalb Versuche zu machen. Selbstverständlich bedürfte man dazu nicht des gereinigten Paraffins, da schon das rohe genügen würde, welches billig aus Steinkohlen und Schiefer dargestellt werden kann. Neben dem Durchdringen des Holzes mit demselben wäre vergleichungsweise zu untersuchen, inwieweit ausreichen:

  • 1) bloße Anstriche von Paraffin, oder Gutta-percha, oder Kautschuk;
  • 2) oberflächliches Verkohlen des Holzes und nachheriges Tränken mit einem obiger Körper;
  • |393| 3) Ueberziehen mit Pergamentpapier, oder Umänderung der äußeren Lagen des Holzfaserstoffs in einen diesem ähnlichen Körper durch die Einwirkung von Schwefelsäure.

Sollte das eine oder andere dieser Mittel den Eisenbahnverwaltungen besondere Vortheile gewähren, so erwarten wir von denselben eine angemessene Anerkennung.

Nürnberg, im Mai 1862.

Johann Carl Leuchs, Georg Leuchs (Sohn).

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