Titel: Verbesserung an Schneidmühlen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 164/Miszelle 1 (S. 71–72)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/mi164mi01_1

Verbesserung an Schneidmühlen.

Wie bekannt, sind unsere deutschen Schneidmühlen noch sehr selten mit einer Vorrichtung versehen, mit welcher man rasch und in leichter Weise nach Beendigung eines Schnittes den Stamm um soviel seitwärts bewegen kann, als die Bret- oder Pfostendicke betragen soll. Es rückt vielmehr der Bretschneider nach einem, gewöhnlich an den Wagenquerstücken angebrachten Maaßstabe den Stamm oder Block erst auf der einen Seite um eine Bretstärke weiter, und dann auf der andern, ehe die Säge für den neuen Schnitt in Thätigkeit gesetzt werden kann. Um einigermaßen den Zeitverlust, der hierbei entsteht, zu vermindern, helfen sich bei Schneidmühlen, in denen mehrere Gatter, und an ihnen mehrere Bretschneider arbeiten, beim Verschieben in der Weise aus, daß der eine am vordern, der andere am hintern Ende rückt. Immerhin ist aber bei dieser Behandlungsweise, vorzüglich bei rohen, noch nicht abgeschwarteten Blöcken niemals die Genauigkeit, also auch nicht die ganz gleichmäßige Bretstärke zu erwarten, wie man dieß von einem mechanischen Apparat verlangen kann. Nur durch Gatter mit mehreren Sägen wäre diesem Uebelstand radical abzuhelfen, man weiß aber wohl, daß dieselben nur für starke Kräfte und großartigen Betrieb passend sind. Wir glauben also, daß eine Einrichtung, die jene Mängel abstellt und in Nordamerika erfunden ward, wohl der Mittheilung und Nachahmung werth ist.

Die für die in Rede stehende Schneidmühle gewählte Säge ist eine Kreissäge, die überhaupt in den Vereinigten Staaten viel umfänglicher angewandt wird, als bei uns. (Der Apparat ist aber sehr leicht auch für eine Blattsäge einzurichten.) Diese Kreissäge steht aber nicht zwischen den Wagenbäumen, sondern dicht zur Seite des Wagens. Der Klotz muß also für jeden Schnitt um eine Bretstärke seitlich vom Wagen verschoben werden; er wird ferner nicht in der gewöhnlichen Weise durch Klammern oder Spitzen an den Enden befestigt, sondern ist, außer einigen Hülfsklammern, mit der der Schnittseite entgegengesetzten Schwarte an zwei Böcke oder Ständer angeschlagen, welche sich in Führungen verschieben lassen, die rechtwinkelich von einem Baume zum anderen gehen. Diese Böcke tragen an der Unterseite Zahnstangen, in welche zwei gleiche Triebe eingreifen, welche an beiden Enden derselben Welle befestigt sind. Durch die Umdrehung |72| dieser Welle werden also die beiden Böcke zu gleicher Zeit, also auch der Klotz an beiden Enden um dasselbe Stück seitlich verschoben. Um diese Umdrehung nach gleichen Theilen möglich zu machen, trägt die erwähnte Welle ein Sperrrad. Ein Hebel, welcher vom Bretschneider nach jedem Schnitte hin und her bewegt wird, und mit einer Sperrklinke versehen ist, dreht das Sperrrad und die Welle je nach der verlangten Bretstärke um 1, 2 oder mehr Sperrzähne weiter. Um allen Anforderungen in der Stärke genügen zu können, sind mehrere Sperrräder von verschiedener Theilung auf die Welle gesteckt, welche nach Bedarf unter die Sperrklinke gerückt werden können. Der Sperrhebel ist soweit verlängert, daß der Bretschneider von einem und demselben Platze aus die Säge in und außer Gang setzen, und mit dem Apparat den Block zur Seite bewegen kann. – Wir glauben kaum, daß eine der älteren Einrichtungen zu diesem Zweck die Einfachheit und Handlichkeit der hier mitgetheilten erreicht. (Deutsche Industriezeitung, 1862, Nr. 9.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: