Titel: Beleuchtung der von Boyer und Consorten in Ludwigshafen publicirten Vergleichung ihrer Luftheizung mit der von Joh. Haag in Augsburg ausgeführten Heißwasserheizung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 164/Miszelle 15 (S. 78–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/mi164mi01_15

Beleuchtung der von Boyer und Consorten in Ludwigshafen publicirten Vergleichung ihrer Luftheizung mit der von Joh. Haag in Augsburg ausgeführten Heißwasserheizung.

a
Heißwasserheizung
nach dem System von Joh. Haag in
Augsburg.



b
feuchter Luftheizung
nach dem System von Boyer u. Consorten
in Ludwigshafen am Rhein.
|79|
Entnommen aus einem Fabrik-Etablissement, in welchem beide Systeme gleichzeitig vertreten sind
und seit zwei Jahren functioniren.

Ergebniß von 300 Arbeitstagen.

2 Heißwasserheizungsöfen heizen
17000 Kubikmeter auf + 12° R.



4 Calorifères-Apparate Nr. 7 heizen
26000 Kubikmeter auf + 12° R.
Die Anlagekosten betrugen
Die Tageskosten sind:
9,84 Ctr. Steinkohlen à 30 kr. per Ctr.
Taglohn eines Heizers
Unterhalt des Rostes, der Leitung,
des Mauerwerkes, Reinigung etc.
10 Proc. Zinsen und Abschreibung
fl. 16,600.

fl. 4 55
„ – 50
„ – 6
„ 5 32
––––––––
fl. 11 23








Die Anlagekosten betrugen
Die Tageskosten sind:
9,14 Ctr. Steinkohlen à 30 kr. per Ctr.
Taglohn eines Heizers
Unterhalt des Rostes, Mauerwerkes
und Reinigung
10 Proc. Zinsen und Abschreibung
fl. 7000

fl. 4 34
„ – 50
„ – 3
„ 2 30
–––––––
fl. 7 47
1000 Kubikmeter auf + 12° R. zu erwärmen
kosten demnach fl. – 40,2 kr.

1000 Kubikmeter auf + 12° R. zu erwärmen
kosten demnach fl. – 18 kr.

Demnach ergibt sich zu Gunsten der Boyer'schen Luftheizung eine Ersparniß von circa 55 Proc.“

Diese Vergleichung beruht jedoch auf grundfalscher Basis, denn das von Joh. Haag beheizte Fabrikgebäude hat beinahe doppelt so große Abkühlungsflächen, trotz dem, daß der kubische Raum kleiner als derjenige des Gebäudes ist, welches von Boyer und Consorten mit Luftheizungsöfen furnirt wurde, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil das Gebäude, das mit der Haag'schen Heißwasserheizung beheizt wird, größtentheils ein Parterre-Gebäude (Schedbau genannt) und mit schmalen, zweistöckigen Gebäuden umfaßt ist, wo hingegen das mit Boyer'scher Luftheizung eingerichtete Spinnereigebäude ein 6stöckiges Hochgebäude ist.

Die Abkühlungsflächen beider Objecte verhalten sich wie folgt zu einander:

a b
Das mit Wasserheizung geheizte Fabrikgebäude
enthält, und zwar der Schedbau:

Das mit Luftheizung eingerichtete
Hochgebäude enthält:
4368 Quadratfuß Fensterfläche,
16464 „ Dachfläche,
128 „ Thürfläche nach Außen,
2836 „ Mauerfläche nach Außen, 1' dick;




7060 Quadratfuß Fensterfläche,
31160 „ Mauerfläche u. Außen
1 1/2 – 3 1/4' dick;
180 „ Thürfläche u. Außen.
der Umschlußbau:
7100 Quadratfuß Fensterfläche,
16307 „ Mauerfläche nach Außen 2 1/4' dick,
1930 „ „ „ „ 1' dick,
5586 „ Mauerfläche nach Innen,
648 „ Thürflächen „ „
112 „ „ nach Außen.





Bei der größten Temperaturdifferenz, die bei uns vorkommt (von 400 Celsius) sind die Wärmetransmissionen:

von 1 Quadratfuß Fensterfläche = 20 Wärmeeinheiten pro Stunde.
1 Dachfläche bei Schedbauten 15
1 Mauerfläche von 2 1/4' nach Außen 8
1 „ „ 1' dick „ „ 12
1 Mauerfläche von 1' nach Innen 4
1 Thürfläche nach Außen 20
1 „ „ Innen 10

Die Wärme Transmissionen beider Objecte verhalten sich demnach:

|80|
a b
11468
16464
16307


4766
5586
648
240
Q.-Fuß







Fensterfläche
Dachfläche
Mauerfläche nach
Außen
2 1/4' dick
Mauerfl. n. Außen
„ „ Innen
Thürfl. n. Innen
nach Außen



× 20 =
× 15 =

× 8 =

1' × 12 =
1' × 4 =
× 10 =
× 20 =
229360
246960

130456

57192
22344
6480
4800
––––––










7060
31160


180
Q.-Fuß



Fensterfl.
Mauerfl. n. A.
v. 1 1/2' b.
3 1/4 dick
Thürfläche


× 20 =

× 8 =

× 10 =
141200

249280

1800




–––––––
W.-E.



Wärmeeinheiten: 697592 Wärmeeinheiten: 393280

Es verhalten sich also demzufolge die Wärmeabsorptionen der beiden Objecte folgendermaßen:

Das mit Heißwasserheizung eingerichtete
Object hat pro Stunde 697592 Wärmeeinheiten
zu erzeugen.


Das mit Luftheizung erwärmte Gebäude
hat pro Stunde 393280 Wärmeeinheiten
zu erzeugen.

Nach dieser Aufstellung ist die Herstellung sowohl als auch der Brennstoffverbrauch zu berechnen,
welcher sich dann, wie folgt herausstellt:

Die Anlagekosten für die Wasserheizung
des Objectes a um 697592 Wärmeeinheiten
zu erzeugen, betragen
Die Tageskosten sind:
9,84 Ctr. Steinkohlen à 30 kr. per Ctr.
Taglohn des Heizers.
Unterhalt des Rostes, Mauerwerkes,
der Leitung, Reinigung etc.
10 Proc. Zinsen und Abschreibung.



fl. 16,600

fl. 4 55
„ – 50

„ – 3
„ 5 32
––––––––
fl. 11 20












Die Anlagekosten der Luftheizung des
Objectes b um 393280 Wärmeeinheiten
zu erzeugen, betragen
Die Tageskosten sind:
9,14 Ctr. Steinkohlen à 30 kr. per Ctr.
Taglohn eines Heizers.
Unterhalt des Rostes, des Mauerwerkes,
der Reinigung.
10 Proc. Zinsen und Abschreibung.

fl. 7000



fl. 4 34
„ – 50

„ – 3
„ 2 30
–––––––
fl. 7 47
1000 Wärmeeinheiten kosten per Tag 0,97 kr. 1000 Wärmeeinheiten kosten per Tag 1,18 kr.

Nach dem System von Boyer u. Cons. würde nach obiger Berechnung der Wärmeabsorption das Object a per Tag fl. 13. 48 kr. kosten, währenddem dasselbe mit der Heißwasserheizung von Joh. Haag per Tag nach seiner eigenen Aufstellung auf fl. 11. 20 kr. zu stehen kam, und sich nach dieser Aufstellung, welche gewiß von jedem Pyrotechniker als die richtige anerkannt wird, anstatt einer Ersparniß der Boyer'schen Luftheizung von 55 Proc. gegenüber der Wasserheizung, ein Verlust von 25 Proc. ergibt, während die Heißwasserheizung eine Ersparniß von 25 Proc. gegenüber der Luftheizung gewährt.

Hiebei möchte ich noch erwähnen, daß sämmtliche Wasserheizungsröhren vom besten Schmiedeeisen geschweißt sind, während ein Boyer'scher Luftofen aus Gußeisen besteht. Es ist daher bei der Anlage und der Dauer für die Zukunft, die Lieferung des Mehrwerthes, sowohl in Quantität als Qualität, bei der Wasserheizung gegen die Luftheizung, welche mehr als das Doppelte beträgt, wohl in Anschlag zu bringen. Ich überlasse es nun jedem Sachverständigen, selbst die weitere Parallele zu verfolgen, welche nur zu Gunsten der Wasserheizung ausfallen kann, wenn die bei den Wasserheizungen stattfindende Gleichmäßigkeit der Wärmevertheilung, die gesunde Wärme, die Solidität und hauptsächlich die Feuersicherheit und Reinlichkeit in den Gebäuden in Vergleich gebracht werden.

Augsburg, den 31. März 1862.

Johannes Haag,
Civilingenieur und Maschinenfabrikant.

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