Titel: Anwendung des Titans zur Stahlfabrication, nach R. Mushet.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 164/Miszelle 6 (S. 74–75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/mi164mi01_6

Anwendung des Titans zur Stahlfabrication, nach R. Mushet.

Wie bereits im Jahrg. 1860 des polytechn. Journals, Bd. CLV S. 317 und Bd. CLVI S. 76 berichtet wurde, hat Mushet vorgeschlagen, Titan zur Stahlfabrication zu verwenden. Derselbe hat nun auf diese Benutzung des Titans in England noch mehrere Patente genommen, aus denen wir das Wesentliche nachstehend kurz mittheilen. Man hat neulich in Taranaki in der Nähe des Hafens New-Plymouth in Neuseeland ein Lager von Iserin (Titaneisenstein) in Form eines feinen Sandes gefunden, welcher besteht aus

Eisenoxyd 88,45
Titanoxyd 11,43
Verlust 0,12
|75|

entsprechend folgender Elementarzusammensetzung:

Eisen 67,23
Titan 6,89
Sauerstoff 25,76
Verlust 0,12

Diese Mineralien benutzt Mushet, um Eisen und Stahl, welche mit Titan legirt sind, zu erzeugen.

Um Titanstahl anzufertigen, nimmt man Blasenstahl; Stahlspäne, Puddel- oder Gußstahl oder ein Gemenge dieser verschiedenen Stahlsorten, zertheilt die Stücke durch Zerschneiden, Zerbrechen oder Granuliren, vermischt sie mit Iserin, den man vorher durch kohlige Stoffe reducirt hat, bringt die Mischung in Tiegel und glüht, bis die Stoffe schmelzen und sich mit einander verbinden, worauf man den geschmolzenen Stahl in Formen gießt. Um den Iserin für diese Verbindung zu präpariren, vermischt man ihn mit 1/5 oder 1/4 seines Gewichts Kohlenpulver, bringt die Mischung in einen Cementirkasten, und erhitzt sie darin 72 bis 96 Stunden lang. Wenn die Reduction hinreichend erfolgt ist, nimmt man den Iserin heraus und benutzt ihn in vorstehend angegebener Art. Die Quantität des reducirten Iserins, welche man dem Stahl hinzu fügt, kann variiren, Mushet hat aber gefunden, daß das Verhältniß von 20 Kilogr. Stahl und 1 Kilogr. desoxydirtem Iserin ein vorzügliches Resultat gibt. Wenn indeß der Iserin in hinreichender Menge und wohlfeil genug zu erlangen ist, kann man mit Vortheil 2 1/2 bis höchstens 5 Kilogr. davon verwenden. Wenn der Gußstahl zu weich ist, kann man seine Härte vergrößern, indem man dem desoxydirten Iserin auf je 20 Kilogr. Stahl 30 bis 120 Grm. Holzkohle hinzu fügt. Die Operation gelingt sehr gut, wenn man Pech oder pulverisirtes Harz (wahrscheinlich statt der Holzkohle) in die Tiegel bringt. Statt des Iserins kann man auch den Ilmenit verwenden, nachdem man ihm vorher eine ähnliche Vorbereitung hat zu Theil werden lassen.

Um Legirungen von Eisen und Titan darzustellen, reducirt man die Titan- und Eisenmineralien, und zwar besonders den Iserin und den Ilmenit, und schmilzt sie in Tiegeln mit Kohlenpulver, Pech, Bitumen oder Harz, deren Quantität um so größer seyn muß, je härter die Legirungen seyn sollen. Die aus der Legirung gegossenen Barren können geschmiedet und gewalzt werden; sollten sie dabei rissig werden, so müßte man die Dehnbarkeit der Masse durch Zusatz von etwas Manganoxyd beim Schmelzen vergrößern. Zusatz von etwas weichem Holzkohleneisen vergrößert auch die Dehnbarkeit. Im Großen schmilzt man den mit Pech, Harz etc. vermischten Iserin in einem Hohofen oder Cupolofen mit Kohks oder Holzkohle. Den Ilmenit reducirt man auch, nachdem man ihn pulverisirt hat, im Hohofen oder Cupolofen. In beiden Fällen erhält man eine Legirung von Titan und Eisen, welche in gewöhnlicher Manier gegossen wird. (Technologiste, November 1861, S. 66; polytechnisches Centralblatt 1862, S. 409.)

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