Titel: Ueber den Werth des Pariser und Kölner Dégras; von Dr. Rieckher, Apotheker in Marbach a. N.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 164/Miszelle 4 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/mi164mi02_4

Ueber den Werth des Pariser und Kölner Dégras; von Dr. Rieckher, Apotheker in Marbach a. N.

Ein hiesiger intelligenter Gerbermeister veranlaßte mich, zwei Muster von Dégras aus Paris und Köln auf ihren Werth zu untersuchen, um zu erfahren, welcher von beiden der bessere sey; der Preis des ersteren stellt sich für 50 Kilo auf 28 fl., der letztere dagegen auf 26 fl. 30 kr.

Die Consistenz der beiden Muster war beinahe die gleiche, der Pariser mehr hellgelb, und stellte eine glatte Mischung dar, während der Kölner dunkler von Farbe und mehr körnig war; Geruch bei beiden nicht viel verschieden.

Bestimmung des Wassergehaltes.

Eine gewogene Menge wurde in einer Platinschale im Wasserbad längere Zeit erhitzt, später jedoch 1/2 Stunde auf 110º Cels. im Luftbad erwärmt und das Gewicht bestimmt.

2 Loth Pariser Dégras hinterließen 3 Quent Rückstand,
2 Loth Kölner Dégras 6 2/3 „ „

Dieser Bestimmung zufolge enthält das Pariser Dégras 62,5 Proc. Wasser, während das Kölner nur 16,67 Proc. enthält.

Bestimmung des Fettgehaltes.

Der Dégras ist eine Mischung von ungebundenem und von verseiftem Fett mit Wasser, ein Theil des Fettes also in Form von Schmierseife darin enthalten. Von der getrennten Bestimmung des gebundenen und des freien Fettes habe ich für dießmal Umgang genommen und nur die Menge des Fettes im Allgemeinen bestimmt, die sich durch Zersetzung des Dégras mit einer Säure abscheidet und von Aether aufgenommen wird. – 3 Quent des bei 110º getrockneten Pariser Dégras wurden mit der nöthigen Menge Säure und Aether behandelt und 49 Kubikcentim. einer klaren, starkgefärbten ätherischen Lösung erhalten.

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32 1/2 Kubikcentim. dieser ätherischen Lösung hinterließen im Wasserbad erwärmt, bis das Gewicht des Rückstandes constant war, 1 Quent und 40 Gran; es waren demnach in der ganzen Menge der ätherischen Flüssigkeit enthalten 2 1/2 Quent Fettsubstanz als Rückstand. Die in Arbeit genommenen 3 Quent getrockneten Pariser Dégras enthalten demzufolge 2 1/2 Quent oder 83,33 Proc.

1 Loth des bei 1100 getrockneten Kölner Dégras, auf die gleiche Weise behandelt, gab 86 Kubikcentim. ätherischer Fettlösung.

55 1/2 Kubikcentim hinterließen genau 2 Quent Rückstand, was auf die ganze Menge berechnet 3 Quent und 6 Gran ausmacht. Diese Menge Fettsubstanz war in dem Quantum des angewandten Dégras enthalten und beträgt genau 77 1/2 Proc.

Der bei 110º getrocknete Dégras enthält demzufolge

beim Pariser
beim Kölner
83,33 Proc.
77,50 Proc.
Fettsubstanz.

Zusammensetzung des Dégras.

a) von Paris. Oben haben wir gefunden, daß dasselbe 62,5 Proc. Wasser enthält; die feste Substanz beträgt 37,5 Proc.; der Fettgehalt dieses Rückstandes beträgt aber 83,33 Proc.

Die Zusammensetzung des Pariser Dégras ist demzufolge:

31,25 Proc. Fettsubstanz,

6,25 Proc. Kali, Salze und Unreinigkeiten,

62,50 Proc. Wasser

–––––––––––

100,00 Proc.

b) von Köln. Derselbe enthält, wie oben nachgewiesen worden, 16,67 Proc. Wasser; das Gewicht der festen Substanz beträgt 83,33 Proc., der Fettgehalt derselben dagegen 77,50 Proc.

Die Zusammensetzung des Kölner Dégras ist demnach:

64,58 Proc. Fettsubstanz,

18,75 Proc. Kali, Salze und Unreinigkeiten,

16,67 Proc. Wasser

–––––––––––

100,00 Proc.

Aus der Vergleichung der beiden Sorten von Dégras ergibt sich, daß der Kölner mehr als das Doppelte an Fettsubstanz und das Dreifache an Salzen und Unreinigkeiten gegenüber vom Pariser enthält, während dieser mehr als dreimal so viel Wasser als der erstere besitzt. Nehmen wir den Fettgehalt als Basis für den Werth eines Dégras, so enthält der Kölner mehr denn doppelt so viel als der Pariser; es wird der letztere daher auch nur die Hälfte gegenüber vom Kölner werth seyn. Es mag ein technischer Handgriff die Ursache seyn, daß der große Wassergehalt durch die Consistenz der Mischung nicht sichtbar wird, aber jedenfalls dürfte bei vergleichenden Versuchen dasselbe Resultat erzielt werden, wie es die chemische Analyse ergab; nämlich daß man von dem Kölner Dégras nur die Hälfte an Gewicht gegenüber vom Pariser braucht und daß der wahre Werth des Pariser Dégras nicht 26 fl. 30 kr., sondern nur 14 fl. für 50 Kilo gegenüber vom Kölner Dégras beträgt.

Der große Unterschied im Wassergehalt des französischen und deutschen Dégras neben der geringen Preisdifferenz der beiden Producte bei so verschiedenem innerem Werthe zeigt auf's Neue den Werth, den eine einfache chemische Analyse hat, wo, wie bei der Seife, die äußeren Kennzeichen trügen können und durch die geringen Kosten, die eine solche Analyse verursacht, eine bedeutende Ersparniß an Geld erzielt werden kann. Der Dégras, als eine Mischung, wird stets von wechselnder Zusammensetzung seyn; allein da derselbe in größeren Quantitäten (von mehreren Centnern) versandt wird, so genügt eine Analyse für ein Faß von 3–10 Centnern und die Bestimmung des Wasser- und Fettgehaltes wird stets das einzige Kriterium bleiben für den Geldwerth dieses Handelsproductes.25) (Württembergisches Gewerbeblatt, 1862, Nr. 14.)

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Hr. Dr. Rieckher ist bereit, Analysen von Dégras, der ihm zur Untersuchung zugesandt würde, gegen billige Entschädigung zu fertigen.

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