Titel: Das Tränken des Leders mit Fett; von Agricola.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 164/Miszelle 5 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/mi164mi02_5
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Das Tränken des Leders mit Fett; von Agricola.

Bei dem Tränken des Leders (Pferdegeschirr etc.) mit Fett befolgt man hin und wieder noch ein ganz fehlerhaftes Verfahren, indem man glaubt, das Leder müsse trocken seyn, um das Fett anzunehmen und dadurch haltbarer und biegsamer zu werden. Gerade das Gegentheil findet statt, so unbegreiflich es auch auf den ersten Anblick scheinen mag, daß feuchtes Leder sich leichter mit Oel oder Fett verbinde, als trockenes. Indessen läßt sich doch dieser anscheinende Widerspruch erklären. Trockenes Leder ist zusammengezogen, die Poren sind verschlossen und nehmen daher fette Körper nur langsam auf. Feuchtes Leder ist dagegen ausgedehnt, biegsam und hat geöffnete Poren. Wird es nun mit Oel oder flüssigem Fett überstrichen, so dringt dieß leicht in die Poren und durchzieht auch die kleinsten, sobald das Wasser entweicht, dessen Verdunsten das Offenbleiben der Poren, welche Oel eingezogen haben, befördert. – Man kann sich von diesem Einflüsse des Oels auf feuchtes Leder leicht überzeugen. Bringt man ein Stückchen Leder oder einen durchnäßten Stiefel an einen erwärmten Ort, so trocknet es langsam und wird ganz hart und brüchig. Bestreicht man es dagegen mit Oel und Fett, so behält es seine Biegsamkeit, auch wenn es ganz ausgetrocknet ist, und leidet auch nicht im geringsten. Mit Fett bestrichenes feuchtes Leder kann daher in der Wärme ohne Nachtheil getrocknet werden. Tränkt man trockenes Leder mit erwärmtem Fett, so leidet auch die Dauerhaftigkeit des Leders sehr, weil die Hitze die Fasern zusammenzieht und das Oel leicht eine solche Wärme annimmt die sie angreift.

Das Tränken der Stiefelsohlen, sowie das Einreiben von Sand oder feinen Eisenfeilspänen in dieselben ist übrigens nur dann anwendbar, wenn der Schuhmacher die Fleisch- oder Aasseite des Leders nach außen gekehrt hat. Dieß hat zugleich noch einen anderen Vortheil. Die Fleischseite hat weitere Poren und ist von geringerer Festigkeit als die äußere Seite. Wird letztere auf der Sohle nach außen gewendet, so geht diese gleich zu Grunde, sobald der äußere harte Theil abgetreten ist, da das weichere Innere keinen Widerstand mehr leistet, und zugleich nimmt sie wegen der Enge und Härte der äußeren Poren das Fett nicht an. Wird dagegen die weiche Seite nach außen gewandt, so zieht die Sohle eine bedeutende Menge Wachs, Fett oder Oel ein, wird dadurch biegsam und dauerhaft, und selbst wenn dieser haltbarer gemachte weiche Theil abgetreten ist, bleibt noch der harte Theil einer äußeren Hautseite zurück und bildet eine gute Sohle, die man fast bis zur Dünne eines Papieres abtragen kann. Die dauerhaftesten Sohlen dieser Art erhält man aus der Halshaut der Thiere, wenn die Fleischseite nach außen gewendet und gehörig mit Wachs oder Fett getränkt wird. Der einzige Fehler, den sie haben, ist der, daß man wegen der Glätte, welche sie beim Gehen auf Gras annehmen, leicht ausgleitet. Uebrigens geht man auf mit Fett getränkten Sohlen nicht nur weicher, sondern auch kühler, was freilich nur im Sommer ein Vorzug derselben ist. (Allg. Landw.-Ztg.)

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