Titel: Ueber die Eisenplatten für Panzerschiffe aus steirischem Eisen; von Ed. Schrickell, gräfl. Henckel von Donnersmarck'schem Central-Director.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 164/Miszelle 3 (S. 234–235)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/mi164mi03_3

Ueber die Eisenplatten für Panzerschiffe aus steirischem Eisen; von Ed. Schrickell, gräfl. Henckel von Donnersmarck'schem Central-Director.

Vor ungefähr zwei Jahren sprach sich ein Artikel in der illustrirten Zeitschrift über die Fabrication von eisernen Platten zur Panzerung von Schiffen mit voller Anerkennung über den günstigen Ausfall der mit den von uns zur schwimmenden Batterie „Feuerspeier“ gelieferten und in Mariazell probirten Platten aus und hob namentlich die Vorzüglichkeit des inländischen Rohmaterials für dieses Fabricat hervor.

Unser Eisenwerk im Zeltweg ist bis heute noch das einzige in Oesterreich, welches sich mit der Erzeugung von Panzerplatten befaßt, und hat bei dem Umstande, als die ausländischen Eisenwerke – und deren gibt es bis jetzt nur wenige in Frankreich und England – die Fabrication der Panzerplatten als ein Geheimniß betrachten und deßhalb mit größter Aengstlichkeit nach dessen Bewahrung trachten, daß man also die Erfahrungen derselben nicht benutzen konnte, daß ferner die Platten in immer größeren Dimensionen verlangt wurden – die Platten zum „Feuerspeier“ wogen nur 5–8 Ctr., während sie zu den neuen Fregatten nicht unter 22 bis 54 Ctr. pro Stück wiegen – mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, und es mit den erforderlichen und zwar zweckmäßigsten Maschinen, als: großen Dampfhämmern (es wird gerade jetzt ein Hammer von 250 Ctr. Schlaggewicht und einer Fallhöhe von 7 Schuh, mithin der bis jetzt größte Hammer in Oesterreich in Zeltweg aufgestellt), Krahnen, Biegemaschinen und den erforderlichen Maschinen für die Appretur der Platten, zu versehen und ihm die nöthigen Arbeitskräfte zu verschaffen; allein, die größte zu lösende Aufgabe blieb doch die, den Platten eine möglichst große Widerstandsfähigkeit gegen die neuen, aus so wesentlich verbesserten Geschützen abgefeuerten Geschosse zu verleihen.

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Aber auch diese Aufgabe ist mit einem Resultate gelöst worden, wie dieß bisher nirgends erzielt worden ist; dieß beweist eine Platte, welche wir zur Londoner Industrie-Ausstellung senden.

Diese Platte wurde nämlich in Gegenwart einer von dem k. k. Marine-Ober-Commando entsendeten Commission auf 200 Klftr. = 500 Schritten aus einem vierundzwanzigpfündigen gezogenen Rückladungsgeschütz mit fünfzigpfündigen Spitzkugeln beschossen und hielt siebzehn Schüsse, und zwar eilf Volltreffer und sechs Kantenschüsse aus, bevor man Verletzungen, die aber immer noch nicht von Bedeutung sind, wahrnahm. Die Platte ist aus Schmiedeeisen und hat bei einer Länge von 8 1/2' und einer Breite von 1 1/2' eine Dicke von 4 1/2'' und ein Gewicht von 23 Ctr. (Zollgewicht.)

Dieß ist ein Resultat, welches den österreichischen Panzerschiffen eine Ueberlegenheit vor allen derartigen Schiffen anderer Nationen sichert, denn im Kampfe zweier Panzerschiffe gegen einander muß bei im Uebrigen gleichen Verhältnissen stets dasjenige siegen, welches den widerstandsfähigsten Eisenpanzer besitzt.

Nach den hier erzielten Resultaten wird aber die Seite einer Panzerfregatte, die mit ungefähr 200 Platten bedeckt ist, nach 3400 Schüssen oder, wenn sie von beiden Seiten gleichzeitig angegriffen wird, das ganze Schiff nach 6800 Treffern noch vollkommen unverletzt seyn.

Bei dem großen Interesse, mit welchem das Publicum den Kampf der amerikanischen Panzerschiffe verfolgt hat, hielten wir es für unsere Pflicht, diese Mittheilungen zu veröffentlichen, da wir fest überzeugt sind, daß die österreichischen Panzerschiffe, was Widerstandsfähigkeit der Platten anbelangt, den Kampf mit jedem dergleichen Schiffe anderer Nationalität ungescheut wagen dürfen. (Stamm's illustrirte Zeitschrift, 1862, Nr. 13.)

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