Titel: Ueber die gefilzten Streichgarne der HHrn. Bouillon und Mercier zu Louviers in Frankreich; von Dr. Wilhelm Ritter v. Schwarz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 164/Miszelle 6 (S. 237–238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/mi164mi03_6

Ueber die gefilzten Streichgarne der HHrn. Bouillon und Mercier zu Louviers in Frankreich; von Dr. Wilhelm Ritter v. Schwarz.

Die Erfindung des Hrn. Vouillou besteht darin, daß er die Garne filzt; es hat diese Methode in allen Ländern Eingang gefunden, und wird auch in Prag von Hrn. Muck benützt.

Die Maschine, deren sich Vouillou zur Filzung des Garnes bedient, wurde in Paris im Conservatoire des arts et métiers aufgestellt; sie ist ganz einfach und besteht aus einem Wellenkamme, auf dem das Streichgarn aufgezogen ist.

Diese Garne führt nun Vouillou durch ein System von Cylindern, welche in einer stets rotirenden Bewegung erhalten werden.

Die Fäden laufen auf den Cylindern auf einer Unterlage von Kautschuk, und werden endlich auf einer zweiten Welle aufgezogen, die ebenfalls eine Unterlage von Kautschuk hat.

Zwischen den Cylindern läßt man nun Dampf eindringen. Der Faden wird durch die Wärme gefilzt und läuft auf dem Wellenkamme in ganz rundem Zustande herab.

Die Vortheile, welche diese Garne haben, sind folgende:

1) der Faden ist, durch das Mikroskop angesehen, vollkommen rund;

2) kommen bei dem Anwenden dieser Methode keine Abfälle vor, während bei der früheren sich 15 bis 20 Proc. Abfälle ergaben;

3) kehrt der Faden nicht immer die feine Wolle nach innen und die grobe Faser nach außen; daher die in Belgien, England und Frankreich erzeugten Tuche viel feiner sind als die in Oesterreich erzeugten;

4) nimmt diese so erzeugte Wolle die Färbung besser an; endlich

5) braucht man die gefilzten Garne nach dem Filzen nur einer leichten Drehung zu unterwerfen, um eine Kette zu bekommen.

Mittelst dieser Methode wird man auf Kraft-Webestühlen seiner Zeit das Tuch ebenso weben können, wie den Calico.

Aus den Abfällen erzeugt Vouillou ebenfalls sehr schön gefärbte Garne, die einen ganz gleichförmigen runden Faden haben.

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Hr. Vouillou hat sich auch nach England begeben, um daselbst seine Erfindung prüfen zu lassen, und es wird dort nächstens eine große Spinnerei nach diesem System errichtet und in Betrieb gesetzt werden. (Verhandlungen des nieder-österreichischen Gewerbevereins, 1862 S. 171.)

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