Titel: Ueber die Seilbohrmethode des Hrn. George Kolb zu Bayreuth.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 164/Miszelle 1 (S. 313–314)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/mi164mi04_1

Ueber die Seilbohrmethode des Hrn. George Kolb zu Bayreuth.

Im Jahrgang 1861 des polytechn. Journals, Bd. CLXI S. 313, wurde über die neue Seilbohrmethode des Hrn. George Kolb berichtet, deren Vortheile der Erfinder durch rasche Ausführung eines Bohrloches von 546 Fuß Tiefe im rothen Conglomerate des Nothliegenden praktisch dargethan hat.

Diese Mittheilungen können wir nun durch die seitdem am Bohrwerk bei Rosenhammer erzielten Resultate ergänzen.

Im Allgemeinen ist dasselbe zweckmäßiger und bequemer, eingerichtet, als dasjenige am oberen Bohrthurme war, weil hier alle bisher gemachten Erfahrungen benutzt werden konnten.

Am 2. December v. J. waren die Gebäude so weit vollendet, die Maschinen aufgestellt und das alte Bohrloch von Nachfall geräumt, daß der erste Bohrer eingelassen und mit dem Geschäft bis heute ohne wesentliche Unterbrechung und ohne erheblichen Anstand fortgefahren werden konnte.

Der verlassene alte Bohrschacht war noch in ziemlich brauchbarem Zustand bis auf eine Tiefe von circa 360 Fuß angetroffen und wurde diese Tiefe verrohrt. Von da an begann das Geschäft von Neuem und ist bis heute eine Gesammttiefe von 907 Fuß erbohrt.

Aus den Journalen ergibt sich, daß dermalen wöchentlich im Durchschnitt 90 bis 95 Fuß abgestoßen werden.

Aus der Zusammenrechnung aller Arbeitsstunden, welche vom 2. December bis heute 1019 Stunden wirkliche Arbeitszeit betragen, ergibt sich im Zusammenhalte mit der erzielten Tiefe, als Durchschnittsresultat, daß in je 24 Stunden durchschnittlich 12 1/2 Fuß erbohrt wurden. Hiebei ist zu bemerken, daß die zunehmende Tiefe auf den Fortgang des Geschäftes wenig oder gar keinen Einfluß geäußert hat.

Nach den angestellten Beobachtungen macht der Bohrer heute 50 bis 54 Schläge in der Minute bei einer effectiven Fallhöhe von einem Schuh.

Um sich zu überzeugen, wie viel Zeit das Löffeln durchschnittlich in Anspruch nimmt, und welche Unterbrechung für das Bohrgeschäft hiedurch bedingt ist, wurde der Bohrlöffel eingelassen und ergab sich weiter:

für das Ausziehen des Bohrers sind erforderlich 3 Minuten
für das Einlassen des Löffels 1 Minute
für das Ausziehen desselben 3 Minuten
für das Einlassen des Bohrers 3 Minuten,

so daß bei dreimaligem Löffeln die ganze Unterbrechung des Bohrgeschäftes nicht länger als 20–30 Minuten beträgt.

Wenn der Bohrer unausgesetzt ohne Unterbrechung in Thätigkeit ist, so kann er durchschnittlich einen Fuß Tiefe in der Stunde erzielen.

Zu möglichster Vermeidung von Unterbrechung ist die Einrichtung getroffen, daß jeder neu geschärfte und gehärtete Bohrer sofort in ein bereit stehendes Duplicat der Bohrstange vollständig eingefügt und zum raschen Auswechseln bei Seite gestellt wird.

Das dermalen erzielte Bohrmehl gleicht seiner Substanz nach etwa demjenigen, welches am oberen Bohrloche bei einer Tiefe von 250 Fuß gewonnen wurde (grobes Conglomerat des Nothen Todtliegenden).

Die Dampfmaschine ist unverändert von dem oberen Werke herabgebracht, konnte jedoch bei der neuen Anlage zweckmäßiger situirt werden.

Das sämmtliche Bohrgeräthe ist nach den inzwischen gemachten Erfahrungen vielfach verbessert und wirksamer gemacht, obschon der alte Bohrcylinder noch beihalten |314| ist. Dieser Bohrcylinder befindet sich jetzt in einer Höhe von 60', während er früher nur 50' hoch montirt war.

Bei dem neuen Bohrseil ist die Einrichtung getroffen, daß dasselbe zur Vermeidung von Brüchen, welche dasselbe oft auf längere Strecken gänzlich ruiniren, von Zeit zu Zeit um einen halben Fuß abgehauen wird.

Für Zu- und Ableitung des Wassers ist eine besondere Dampfpumpe in Thätigkeit.

Der Gang der Bohrarbeiten ist wesentlich ruhiger und geräuschloser geworden in Folge einer Gleisenführung, die über dem Bohrloche angebracht ward.

In Beschäftigung sind dermalen im Bohrthurme sechs Arbeiter bei Tag und eben so viel bei Nacht; außerdem sieben Mann in der Schmiede, welche jedoch nur bei Tag arbeiten.

Der Kohlenverbrauch hat gleichfalls abgenommen; er betrug am oberen Bohrloche per laufenden Fuß Bohrtiefe 5 1/2 Zollcentner, gegenwärtig beträgt er aber nur 3 1/2 Ctr.

Im Uebrigen nimmt das Geschäft dermalen einen äußerst günstigen Fortgang und stößt auf keine irgend erheblichen Hindernisse.

Bayreuth, den 7. Februar 1862.

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