Titel: Buttersäuregehalt des Bodens, des Sumpfwassers und der Düngerflüssigkeit.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 164/Miszelle 10 (S. 318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/mi164mi04_10

Buttersäuregehalt des Bodens, des Sumpfwassers und der Düngerflüssigkeit.

Isidore Pierre (Comptes rendus t. XLIX p. 286) fand vor vier Jahren bei der Untersuchung eines verdorbenen Aepfelweines, welcher nachtheilig auf die Gesundheit der Consumenten gewirkt hatte, beträchtliche Mengen von Buttersäure, der allein die schädliche Wirkung zuzuschreiben war. Seitdem gelang es demselben noch öfters die Gegenwart von Buttersäure in schlecht gewordenen Aepfelweinen nachzuweisen, und es können nach ihm sogar solche Weine als sehr geeignetes Material zur Darstellung dieser Säure benutzt werden; noch öfter findet man die Buttersäure in dem Boden solcher Keller, in welchen Aepfelwein bereitet wird. Ferner fand Pierre dieselbe Säure in dem Auszuge zweier Proben von Ackererde, welche seit wenigstens vier Jahren nicht mehr gedüngt worden war; sowie in großer Menge im Wasser eines Tümpels auf einem Bauernhofe, welches in der Nähe befindliche Brunnen verdorben hatte. Die nähere Untersuchung über die Quelle der Buttersäure in diesem Falle zeigte, daß dieser Tümpel von einer Düngstätte Wasser empfieng, auf welcher durch Frost verdorbene Zuckerrüben faulten, und daß von diesen die Buttersäure stammte, denn es konnte im ausgepreßten Saft einer solchen Rübe Buttersäure nachgewiesen werden; bekanntlich haben schon Pelouze und Gélis gezeigt, daß sich diese Säure in großer Menge aus Zucker bildet, wenn derselbe in Gegenwart organischer Stoffe der Fäulniß unterliegt. Es konnte in diesem Wasser außerdem keine Substanz aufgefunden werden, welcher man die schädliche an Pferden zuerst beobachtete Wirkung dieses Wassers zuschreiben konnte.

Fernere Versuche des Verf. zeigten, daß alle untersuchten dunkelgefärbten Wasser, wie sie sich in Düngerstätten ansammeln, Buttersäure enthalten.

In fast allen Pflanzen, im Stroh und anderem Viehfutter finden sich zuckerartige Stoffe, welche zum Theil unverdaut in den Dünger übergehen und in diesem das geeignete Ferment antreffen, durch welches sie mehr oder weniger vollständig in Buttersäure umgewandelt werden.

Es ist hiernach auch wahrscheinlich, daß sich diese Säure bei schlecht geleiteten Gährungsprocessen zuckerhaltiger Stoffe häufiger bildet als man bisher glaubte, und es mag dieß speciell bei der Gährung des Aepfelweines der Fall seyn, zu welchem man z.B. in der Normandie, namentlich beim Nachpressen behufs besserer Ausziehung der Aepfel, in der Regel nicht unbedeutende Mengen Wasser zusetzt, und dazu das Wasser von Tümpeln geeigneter zu finden glaubt als Helles und klares Quellwasser, wahrscheinlich wohl nur wegen der beliebten dunkleren Farbe, welche man solchem an sich dünnem Weine durch derartiges Wasser ertheilen kann; natürlich geschieht ein solcher Zusatz stets auf Kosten der Haltbarkeit des Weines, da durch Zusammenbringen des buttersäurehaltigen Wassers mit dem Zucker enthaltenden Saft bei geeigneter Temperatur alle Bedingungen zur weiteren Zersetzung des Weines gegeben sind. (Journal für praktische Chemie, 1862, Bd. LXXXV S. 251.)

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