Titel: Aufforderung zur Betheiligung bei einer für jeden Dampfkesselbesitzer wichtigen Erfindung, und zur Bildung eines National-Belohnungs-Vereines für Erfindungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 164/Miszelle 11 (S. 318–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/mi164mi04_11

Aufforderung zur Betheiligung bei einer für jeden Dampfkesselbesitzer wichtigen Erfindung, und zur Bildung eines National-Belohnungs-Vereines für Erfindungen.

Tausende, ja Millionen Thaler oder Gulden werden noch heute als entwickelte, aber als nicht ausgenützte Wärme-Einheiten durch den Schornstein in die Luft gejagt, und sind so für die Industrie nutzlos verloren. Selbst die Wissenschaft lehrt bis heute, daß, wenn 1 Pfd. Kohle 7300 Pfd. Wärme-Einheiten entwickelt, man doch nur die Hälfte mit 3700 W.-E. in Rechnung nehmen könne, denn 1 Pfd. Kohle braucht den Sauerstoff |319| von 11 Pfd. Luft, und zum Verbrennen sey das Doppelte, also 22 Pfd., nöthig. Da aber die Temperatur im Schornstein mindestens 180° R., ja, wie man allgemein rechnet, mit 240° R. und nicht gar selten noch mit Flammen in dem Rauchcanale hinter dem Kessel entweicht, so wird der enorme Verlust an entwickelten Wärme-Einheiten sehr erklärlich. Wie man auch durch Aenderung der Feuer bemüht war, die höchst möglichste Wärme zu entwickeln, und durch Kesselconstruction die höchst mögliche Ausnützung zu erzielen, so ist die Beseitigung dieses Verlustes nicht erreicht, und man hat es bis heute noch nicht in der Gewalt diesen Verlust auf diejenige Höhe zu beschränken, auf welcher derselbe unbedingt stattfinden muß, um den Zug im Schornstein nicht zu behindern.

Diese Erfindung, sich die im Rauchcanale befindende zu hohe Temperatur ganz nach Belieben nutzbar zu machen und sie dem Kessel zurückzuführen, habe ich gemacht, indem ich bei der vollkommensten oder unvollkommenen Verbrennungsvorrichtung (dem Feuerherde) die directe Heizung belasse, diese aber mit noch einer, auf ein allbekanntes Naturgesetz sich stützenden, Einrichtung so vereinige, daß man die Temperatur, welche über der Höhe der zum Zuge nothwendigen Temperatur liegt, dem Kessel selbst zurückführen kann, also die Wärme aufsauge, wie der Schwamm das Wasser, und so dem Besitzer eines Kessels erhalte.

Meine Erfindung ist ferner gänzlich unabhängig gemacht vom Heizer und Taglöhner; jeder denkende Fabriksaufseher kann mit Hülfe des Thermometers sich den Grad der Temperatur wählen, mit welchem er die Feuerluft in den Schornstein entweichen lassen will, und die höhere Wärme noch zu seinem Kessel zurückführen, oder sie anderweitig nutzbar machen, er hat also die Größe der Ersparniß an Brennstoff genau in seiner Hand.

In Folge meiner Erfindung können und werden zwei jetzt bestehende Kessel ganz dasselbe leisten, was sonst drei Kessel leisteten. Neue Kessel werden für gleiche Pferdekräfte kleiner, und wenn auch nicht billiger, doch weniger Raum einnehmen. – In Zuckerfabriken kann man statt der Dämpfe die aufgesogene Wärme aus den Rauchcanälen benützen und so den Dampfverbrauch herabmindern.

Diese nach allen Richtungen hin wichtige Erfindung will ich möglichst rasch zum Gemeingut der Nationen machen, will aber, da ich nur von den Arbeiten meines Geistes lebe, und dieß mein alleiniges Capital ist, diese Erfindung der Allgemeinheit in folgender Weise verkaufen: – In einem als Manuscript mit Vorbehalt des Uebersetzungs-Rechtes gedruckten Buche gebe ich die genaue Beschreibung und Erläuterung, wie jeder Fabriks- oder Dampfkesselbesitzer oft schon mit seinen eigenen Leuten sich diese Einrichtungen schaffen oder fertigen lassen kann. – Jeder, welcher à Pferdekraft seiner ihm gehörigen Dampfkessel zehn Silbergroschen oder 50 kr. Silber öfter. Währ., in allen Fällen aber als Minimalbetrag, selbst bei Kesseln mit weniger Pferdekraft, zehn Vereinsthaler mir franco einsendet, erhält, wenn sich die genügende Anzahl vereinigt hat, dieß Manuscript zugesandt. – Von den Herren Industriellen, welche als Maschinenbauer den besonderen Vortheil bei den zu machenden Einrichtungen genießen werden, erwarte ich gleichfalls eine höhere Betheiligung als den hier festgestellten Minimalsatz von zehn Thalern.

Wenn sich mir durch eine recht lebhafte Betheiligung in ganz Deutschland Seitens der so sehr großen Zahl von Dampfkesselbesitzern, in Fabriken, Eisenbahnen und Dampfschiffen, da auch diesen beiden letzteren eine bedeutende Ersparniß bereitet wird, ferner Seitens der Maschinen- und Dampfkessel-Erbauer und Ingenieure, der sichere Reingewinn von 25000 Thlr. Silber ergeben hat, so soll, da ich genau darüber Buch und Rechnung führen und öffentlich legen werde, ebenso die Namen der sich Betheiligenden stets bekannt machen werde, der Mehrbetrag dazu verwendet werden, einen National-Belohnungsfond für Erfindungen deutscher Männer zu begründen, aus welchem, sobald die Erfindung einen das Gesammtwohl der Menschen betreffenden Gegenstand bildet, welche nicht durch Patente genügenden Schutz erhalten, oder wo die Ausführungen ihrer Erfindung, wegen der Größe der Menge, die daraus Nutzen ziehen wird, wie in meinem Falle ihnen die alleinige Ausführung ihrer Erfindung nicht gestattet, eine Belohnung zu Theil werden, auf Grund der in einer General-Versammlung zu beschließenden Statuten, worüber Näheres bekannt gegeben werden soll. Ein solcher National-Belohnungs-Verein ist schon von Vielen als ein Bedürfniß erkannt, und wird auch sicher als ein dem Zeitgeiste und der deutschen Nation würdiges Ziel erkannt werden, und schon dieser Zweck dürfte viele für das Allgemeinwohl patriotisch strebende Männer veranlassen, mein Unternehmen zu begünstigen. – Man schützte Maler und Schriftsteller in ihrem geistigen Eigenthume durch Gesetze gegen den Nachdruck; aber die Erfindungen einzelner Geister, welche dem Allgemeinwohle zu Gute kommen, nur |320| durch mangelhafte, einem Jeden viel Geld kostende, oder nur auf wenige Jahre sich erstreckende Patente oder Musterschutzgesetze und gestattet das Nachbilden, wenn es mit Variationen umgeben ist.

Zu einem Belohnungsfond für Erfindungen soll meine Erfindung jetzt den Anlaß bieten, und kann dieser Fond sich sehr rasch steigern, wenn sich die Gewerbe-Vereine Deutschlands dieser Sache annehmen, und Jeder, der an einem und mehreren Dampfkesseln oder Dampfmotoren meine Erfindung anbringt, sich bereit erklärt zum National-Belohnungs-Verein von jeder Pferdekraft seines oder seiner Dampfkessel jährlich 1 Sgr. oder 5 kr. öfter. Währ, durch zehn Jahre vom Tage der Benützung meiner Erfindung ab, zu zahlen. – Ein so kleiner Beitrag des Einzelnen ist, da die Benützung von Dampfkesseln in allen Branchen der Gewerbe vertreten ist, die nach allen Seiten hin gerechteste und einfachste, und Jeder kann sich, um einem so edlen Zwecke dadurch zu dienen, zu dieser Zahlung bekennen. Hoffend, daß man, wenn man die Wichtigkeit meiner Erfindung zugibt, den beanspruchten Preis nicht zu hoch finden wird, gegen den Werth, den solche Erfindung haben kann, wenn sich dieselbe bewahrheitet, und Jeder gesichert ist, daß ich mindestens nicht zu jenen, die Menschheit durch marktschreierische Anpreisungen beschwindelnden Charlatanen gehöre, die ich selbst gründlich hasse, ersuche ich die Gewerbe-Vereine oder intelligente Männer Deutschlands, Comités zu bestellen, um solchen Belohnungs-Verein Deutschlands zu bilden, und so auch ihr Schärflein zu meiner Unternehmung beizutragen, damit meine Erfindung auch möglichst rasch ins Leben eingeführt werden kann.

Gern gestehe ich ein, daß mein Weg neu und originell ist, meine Erfindung zu verwerthen, aber bei der Eigenthümlichkeit derselben scheint mir dieser Weg der zweckmäßigste, weil mit wenigem Gelde Viele dieser Erfindung theilhaftig werden, und ich mich schütze: gegen die gewissenlos getriebene Aneignung neuer Erfindungen durch die Industriellen, wobei dem Erfinder oft nur das Nachsehen bleibt. Indem ich hoffe, daß der Fond zu diesem Vereine ein recht großer in kurzer Zeit seyn möge, so daß mein Anspruch nur einen sehr kleinen Theil davon bildet, übergebe ich dieses der Oeffentlichkeit, unbekümmert um die sicher nicht ausbleibenden Bedenken, die jedes Neue hervorruft.

Prag, 1862.

Friedrich Schäfer,
Civilingenieur im Maschinenbau, Bergwerks-Director, Mitglied der General-Direction,
als Secretär des Ausschusses für Mechanik, im Vereine zur Ermunterung des
Gewerbegeistes in Böhmen.

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Mit Vorstehendem, durch Hrn. Ingenieur Friedr. Schäfer bekannt gemacht, erkennen wir nicht nur die große Wichtigkeit einer solchen Erfindung in national-ökonomischer Beziehung an, sondern haben auch alle Ursache, volles Vertrauen in den ehrenhaften Charakter des Erfinders zu setzen, welcher uns als strebsamer Industrieller mit soviel theoretischen und praktischen Mitteln bekannt ist, daß wir an einer möglichen Ausführung der Erfindung nicht zweifeln.

Joh. B. Batka,
Kaufmann, Fabriksbesitzer; prov. Geschäftsleiter des böhmischen
Gewerbe-Vereines.

Dr. E. Fried. Anthon,
Fabriks-Inspector und Sections-Vorstand des böhmischen
Gewerbe-Vereines.

Dr. Robert Hoffmann,
Chemiker der k.k. pat. ökonom. Gesellschaft in Böhmen und
Sections-Vorstand-Stellvertreter des böhmischen Gewerbe-Vereines.

Dr. jun. Moritz Raudnitzer,
Verwaltungsrath des Schriftenwesens im böhm. Gewerbe-Verein.

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