Titel: Incrustirte Bleiröhren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 164/Miszelle 5 (S. 315–316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/mi164mi04_5

Incrustirte Bleiröhren.

Unter dem 10. April d. J. ist dem Hrn. Prof. Dr. Heinrich Schwarz in Breslau ein Patent auf den Schutz der Bleiröhren gegen den Angriff des Wassers ertheilt worden.

Die Bleiröhren eignen sich bekanntlich zu Wasserleitungen vortrefflich, da sie sich leicht in großen Längen darstellen und verlegen lassen, da sie ferner sich allen Krümmungen sehr leicht anschmiegen, hohen Druck aushalten und der Oxydation sehr lange widerstehen. Für enge Dimensionen würden sie schon längst alle anderen Materialien verdrängt haben, wenn nicht die Furcht vorhanden wäre, daß das dadurch geleitete Wasser bleihaltig würde. Obwohl man in dieser Beziehung vielfältig übertriebene Befürchtungen gehegt, so ist doch durch übereinstimmende Untersuchungen erwiesen, daß unter gewissen Bedingungen das durchgeleitete Wasser Spuren von Blei aufnimmt, die bei längerem Genusse der Gesundheit nachtheilig werden können.

Ist das Wasser z.B. stark gypshaltiges Brunnenwasser, so wird wenig zu befürchten seyn; ist es dagegen reiner, Fluß- oder Regenwasser, so nimmt es Blei in kleinen Mengen auf. Sind z.B. die Flüsse durch Regen stark angeschwollen, enthalten sie also relativ wenig lösliche Salze, so zeigt das aus den damit gespeisten Leitungen entnommene Wasser leicht einen Bleigehalt, besonders wenn die Leitungen eben erst gelegt sind. Am meisten und schnellsten löst destillirtes Wasser Blei auf.

Die Erfindung, um die es sich hier handelt, geht nunmehr dahin:

„die Bleiröhren so zu Präpariren, daß jedes Wasser, selbst das reinste destillirte Wasser dadurch geleitet werden, auch darin längere Zeit verweilen kann, ohne die mindeste Spur Blei zu lösen.“

Diese Ausgabe ist vollständig erreicht. Die präparirten Bleiröhren haben vier Wochen lang in einem und demselben Volumen destillirten Wassers verweilt, ohne daß das von Tag zu Tag geprüfte Wasser selbst durch das empfindlichste Reagens, Schwefel-Ammonium, den mindesten Bleigehalt anzeigte.

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Die rühmlichst bekannte Bleiröhrenfabrik von Ohle's Erben (Gebrüder Anderssohn) in Breslau hat die fragliche Methode erworben, und bringt derartige incrustirte Röhren in den Handel. Der Patentinhaber ist bereit, auch mit anderen Fabriken der Art in Verbindung zu treten. (Breslauer Gewerbeblatt, 1862, Nr. 9.)

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