Titel: Neues Schmiermittel für neues und altes Lederzeug aus lohgarem Leder.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 164/Miszelle 8 (S. 316–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/mi164mi04_8

Neues Schmiermittel für neues und altes Lederzeug aus lohgarem Leder.

Für Lederwaarenfabrikanten sowohl, als überhaupt für Jedermann, der viel Lederzeug und andere Gegenstände aus lohgarem Leder besitzt, dürfte die neuerdings bekannt |317| gewordene Erfindung eines neuen Schmiermittels von Interesse seyn, das bereits von mehreren bayerischen Gewerbevereinen einer eingehenden Prüfung und Würdigung unterzogen worden ist.

Bekanntlich leiden alle Gegenstände aus lohgarem Leder, seyen dieß Pferdgeschirre, Wagenleder, Schuhwerk etc., durch die Einwirkung des Regens, besonders aber des Schnees, wegen der in denselben enthaltenen Ammoniaksalze etc., ferner in Folge fehlerhafter Behandlung mit Wichse, Schmieren und Fetten, nicht minder bei Aufbewahrung in der ammoniakalischen Atmosphäre der Ställe und in feuchten, dumpfigen, dem Lichte wenig zugänglichen Räumen, endlich durch Schweiß, der erst sauer, dann aber alkalisch reagirt. Unter Einwirkung dieser ungünstigen Einflüsse überziehen sich diese Lederwaaren mit einem graublauen Schimmel, welcher dem Leder seine Geschmeidigkeit entzieht, es brüchig macht, aufbläht, überhaupt der völligen Auflösung durch Fäulniß schnell entgegenführt. Es kommt dieß daher, daß dem Leder der Gerbstoff, das conservirende Agens, mehr oder weniger entzogen worden ist, und daß es seinen Fettgehalt verloren hat.

Hr. Hermann Bachmann, Assistent an der Polytechnischen Schule zu Nürnberg, hat nun eine Lederschmiere zusammengesetzt, welche bestimmt ist, dem Leder nicht nur den Gerbstoff zu erhalten, sondern, wenn es ihn bereits verloren haben sollte, wieder zu ersetzen, ebenso demselben seinen ursprünglichen Fettgehalt wieder zu geben. Die Schmiere enthält deßhalb Gerbstoff im gelösten Zustande und anderntheils eine Fettsubstanz, welche geeignet ist, Sauerstoff zu absorbiren, und die vom Leder aufgenommene Säure zu verdrängen. Der Erfinder bedient sich hierzu der nicht trocknenden Oele und Fette, nämlich der Elaïnsäure in Verbindung mit der Palmitinsäure (aus Palmöl). Benutzt man unzersetzte Fette, als elaïnsaures Lipyloxyd, Elaïn, oder palmitinsaures Lipyloxyd etc. zum Einfetten von lohgarem Leder, so hat die Erfahrung gelehrt, daß durch den Gehalt an Lipyloxyd die Neigung des Leders zur Schimmelbildung vermehrt wird, sobald das Fett nicht in großem Ueberschusse vorhanden ist. Trocknende Oele können schon wegen ihrer Eigenschaft, den Sauerstoff zu absorbiren, einzutrocknen und daher das Leder spröde und brüchig zu machen, nicht benutzt werden. Zur Vereinigung der Fettsäure mit der Gerbsäure dient eine Ammoniakseife mit einem Ueberschuß an Elaïnsäure, welche die Faser erweicht, das Eindringen der Schmiere befördert und so die Schimmelbildung verhindert. Sie wird hergestellt aus Elaïnsäure, die bis 100° C. erhitzt ist, und Salmiakgeist, der so lange zugesetzt wird, bis der Ammoniakgeruch nicht mehr sogleich verschwindet. Durch fortgesetztes Erhitzen wird das überschüssige Ammoniak entfernt und eine gallertartige Seife erzielt. Die Verhältnisse aber, in welchen die Bestandtheile des Schmiermittels zusammengesetzt sind, gibt der Erfinder im bayerischen Kunst und Gewerbeblatt, Januar 1862, S. 23 wie folgt an:

8 Theile Elaïnsäure,
2 Palmitinsäure,
6 Seife, nach vorher beschriebener Art bereitet,
3 1/2 Gerbstoff aus 1 1/6 Th. festem Gerbstoffe bestehend.

Als Gerbstoff kann Catechugerbsäure und Eichengerbsäure im Gewichtsverhältnisse von 3 : 1, in 8 Th. Wasser gelöst, verwendet werden. Beim Mischen der Schmiere werden die Fettsäuren auf 50° C. erhitzt, worauf unter beständigem Umrühren der erwärmte Seifenleim zugesetzt und nach dem Erkalten dieser Masse die Gerbstofflösung beigemengt wird. Die hell lederfarbene Schmiere wird bei ihrer Anwendung auf sehr hartem Leder etwas erwärmt und soll dasselbe geschmeidig und weich machen, es auch stets in diesem Zustande erhalten, überhaupt aber ihrem Zwecke vollkommen entsprechen. Deutsche Industriezeitung, 1862, Nr. 18.)

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