Titel: Die Aufbewahrung der Zuckerrübenblätter als Winterfutter.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 164/Miszelle 11 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/mi164mi05_11

Die Aufbewahrung der Zuckerrübenblätter als Winterfutter.

Die Verfütterung der frischen Rübenblätter im Herbst hat bekanntlich den Nachtheil, daß eine reichliche Fütterung derselben die Thiere gerade zu der Zeit schwächt, wo sie am meisten im ganzen Jahre zu arbeiten haben. Werden aber wenige gefüttert, so verfaulen die meisten Blätter und Rübenköpfe auf dem Felde. Um diesem großen Verluste vorzubeugen, haben wir zur Aufbewahrung der Blätter folgendes in anderen Ländern bewährte Verfahren angewendet:

Es wird eine Grube von ungefähr 5–6 Fuß Tiefe an einem Platze gegraben, der nicht von Grundwasser leidet. Die Länge und Breite richtet sich natürlich ganz nach der Menge der vorhandenen Rübenblätter. Es ist hauptsächlich darauf zu sehen, daß die Grube unten etwas schmäler ist, als oben, und daß scharfe Ecken bei der Grube vermieden werden. Auf den Boden einer solchen Grube wird zuerst eine dünne Lage Stroh gebracht. Hierauf kommt eine Lage Rübenblätter von 4–5 Zoll Höhe (im lockeren Zustande gemessen); die Rübenblätter werden festgetreten und mit etwas Salz überstreut, hierauf kommt eine Lage Stroh, am liebsten Haberstroh, von 2–3 Zoll Dicke, dann folgt wieder eine Lage Rübenblätter von 4–5 Zoll Dicke. So wird abwechslungsweise eine Schichte Stroh und eine Schichte Rübenblätter in die Grube gebracht, wobei hauptsächlich darauf zu sehen ist, daß am Rande und an den Ecken der Grube die Schichten am festesten getreten und am stärksten gesalzen werden, weil sonst die Einwirkung der Luft am Rande etwas Schimmel erzeugen könnte.

Da durch die eigene Schwere des Futters und die darauf kommende Erde die Masse sich bedeutend zusammensetzt, so ist es zweckmäßig, die Lagen 3–4 Fuß hoch über den Boden heraus zu machen. Hierauf wird die von der Grube ausgeworfene Erde zum Bedecken des Futters verwendet. Die Bedeckung soll wenigstens 2 Fuß dick seyn, damit durch die Last der Erde das Futter recht fest zusammengedrückt und die darin befindliche Luft hinausgedrängt wird.

Wenn sich beim Setzen in dem Boden Risse bilden, so werden sie mit der Hacke wieder geschlossen, auch ist selbstverständlich dafür zu sorgen, daß die bedeckte Grube in der Mitte höher ist, als an den Seiten, damit kein Regenwasser hineinläuft. Wer wenig Blätter, aber große und wasserdichte hölzerne Geschirre hat, kann seine Rübenblätter in solche eben so gut einschlagen, als in Erdgruben; natürlich ist aber auch hier eine dichte Erdbedeckung unerläßlich. Das so eingeschlagene Futter kommt bald in eine Gährung und erhält sich den ganzen Winter, ja bis in Frühling und Sommer des nächsten Jahres ganz vorzüglich.

Die damit gefütterten Ochsen und Kühe fressen es trotz seines unscheinbaren Aussehens (indem es an der Luft bald seine frische Farbe verliert) sehr gerne. In den ersten Monaten bis gegen Neujahr ist der Geruch des Futters besonders stark, von da an jedoch wird er milder und es scheint, daß es die Thiere im Februar und März noch lieber fressen, als in den ersten Wochen nach dem Einschlagen. Wir haben letzten Herbst an fünf verschiedenen Orten mehr als ein Dutzend große Gruben mit Rübenblättern in dieser Weise eingeschlagen und darin die Blätter und Rübenköpfe von wenigstens 400 Morgen aufbewahrt. Obgleich die Sache uns damals selbst noch neu war, sind alle Gruben ohne Ausnahme vorzüglich gerathen und wir haben dadurch eine Masse gutes Futter gerettet, was sonst bloß auf dem Felde verdorben wäre.

Aehnlich wie Rübenblätter kann auch anderes grünes Futter aller Art, namentlich Klee u. dergl., mit abwechselnden Strohschichten eingeschlagen werden, so daß der Ueberfluß an Grünfutter, den der Herbst mit sich bringt, sich für den Winter auf die bezeichnete Weise ganz gut verwerthen läßt. Statt Haber- oder anderem Stroh sind namentlich auch Welschkornstengel recht gut zu gebrauchen, nur ist darauf zu achten, daß je saftiger das grüne Futter ist, desto mehr Salz und Stroh erforderlich ist. Zu einer Fuhre von ungefähr 20 Ctr. Rübenblätter mögen 5–6 Pfd. Salz hinreichen.

|400|

Es versteht sich von selbst, daß man das eingeschlagene Futter im Winter und Frühling nicht lauter verfüttert, sondern es eben als eine sehr werthvolle Zugabe zum Trockenfutter im Winter und Frühling verwendet.

Stuttgart, im April 1862.

Fr. Reihlen und Söhne, Zuckerfabrik.

(Wochenblatt für Land- und Forstwirthschaft, 1862, Nr. 18.)

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