Titel: Fabrication von künstlichen Steinen und Cement aus Wasserglas mit Kalk etc.; von F. Ransome.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 164/Miszelle 4 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/mi164mi05_4

Fabrication von künstlichen Steinen und Cement aus Wasserglas mit Kalk etc.; von F. Ransome.

Um künstliche Steine zu fabriciren, vermischt der Patentträger fein pulverisirten Kalkstein mit so viel Natron-Wasserglas von 1,70 spec. Gewicht, daß eine plastische Masse entsteht. Die aus derselben geformten Steine werden an der Luft getrocknet, bis sie hart werden, wozu 2–3 Tage erforderlich sind. Nachher wäscht man sie mit einer Chlorcalciumlösung von 1,20 spec. Gewicht. Diese Lösung wird entweder mit einem Pinsel aufgetragen, so daß alle Theile der Oberfläche der Steine vollständig damit benetzt werden, oder man taucht die Steine in dieselbe ein. Das Wasserglas wird nicht bloß an der Oberfläche der Steine durch das Chlorcalcium zersetzt, sondern erleidet wahrscheinlich allmählich auch im Innern derselben eine Zersetzung, wobei der Kalk des Kalksteins sich mit der Kieselsäure verbindet.

Eine Mischung von fein pulverisirtem Kalkstein und Wasserglas ist auch als Cement verwendbar, um Mauern etc. zu überziehen. Nachdem dieser Ueberzug hinreichend trocken und hart geworden ist, wäscht man ihn ebenfalls mit Chlorcalciumlösung. Da der Cement sich besser verarbeiten läßt, wenn er nicht sehr steif ist, so benutzt man zur Herstellung desselben eine Wasserglaslösung von nur 1,50 spec. Gewicht.

Sowohl zur Fabrication künstlicher Steine als zur Cementbereitung benutzt der Patentträger auch eine Mischung von Kalkstein, gebranntem Kalk und Wasserglas. Wenn diese Mischung angewendet wird, braucht man die Masse nicht mit Chlorcalciumlösung zu waschen, da der gebrannte Kalk sofort einen Theil der Kieselsäure des Wasserglases in unlöslichen kieselsauren Kalk verwandelt. Mit oder statt Kalkstein können auch Sand, Thon oder andere erdige Stoffe der Mischung zugesetzt werden.

Die Mischung für Cement wird in jedem Fall dünner und mit schwächerer Wasserglaslösung gemacht, als die Mischung zur Anfertigung von Steinen. Die Mischung muß sofort nach ihrer Bereitung verwendet werden, da sie rasch erhärtet.

Eine gute Mischung zu künstlichen Steinen erhält man auch aus 6 Centner trocknem Sand, 1 Centner trocknem gemahlenen Pfeifenthon und 122 1/2 Pfund Natronwasserglas von 1,75 spec. Gewicht. Die aus dieser Masse geformten Steine werden ebenfalls nicht gebrannt, aber nach dem Trocknen mit Chlorcalciumlösung behandelt.

Zur Anfertigung von Schleifsteinen eignet sich eine Mischung von 1 Centner gemahlenem Glas, Bimsstein oder Smirgel und 5 Maaß (á 2 Pfd. Wasser) Natronwasserglas. Die Concentration des letzteren für diesen Zweck richtet sich nach der Bestimmung der Schleifsteine; dieselben fallen um so härter aus, je concentrirtere Wasserglaslösung |396| verwendet wurde. Die aus der Mischung geformten Schleifsteine werden ebenfalls mit Chlorcalciumlösung von 1,20 bis 1,30 spec. Gewicht behandelt. – Patentirt in England am 9. April 1861. (Aus dem London Journal of arts, Januar 1862, S. 21).

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