Titel: Transatlantischer Telegraph.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 164/Miszelle 1 (S. 462)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/mi164mi06_1

Transatlantischer Telegraph.

Bekanntlich hat man in England den Gedanken einer directen Telegraphen-Verbindung auf der schon einmal versuchten Linie Valentia-Newfoundland wieder aufgenommen. Für diese Linie haben die Fabrikanten von submarinen Kabeln, die Herren Glaß, Elliot u. Comp., der alten transatlantischen Telegraphen-Compagnie ein neues Kabel unter Uebernahme der Garantie für die Wirksamkeit, soweit das Kabel nicht beim Verlegen beschädigt wird, offerirt. Der elektrische Leiter soll dabei aus 7 Kupferdrähten bestehen, jeder 1/16 engl. Zoll stark und zu einem gemeinsamen Strang zusammengelegt. Um den innersten Draht sind 6 Drähte herumgelegt, das Ganze ist durch Umgebung mit Chatterton's Composition (Schellack und Gutta-percha?) zu einem soliden Körper verbunden. Das Gewicht des Leiters beträgt für jede Seemeile 510 engl. Pfund, die ganze Länge 1900 Seemeilen. Nach dem alten Telegraphir-Systeme soll man 22 Buchstaben = 4 1/2 Worte per Minute darauf übermitteln können, doch hofft man mit verbesserten Apparaten die Schnelligkeit auf 12 Worte per Minute steigern zu können. Der Leiter soll durch 8 verschiedene Lagen isolirt werden, 4 von der reinsten Gutta-percha und 4 von der oben erwähnten Chatterton'schen Mischung, die abwechselnd übereinander gelegt werden. Zusammen haben diese isolirenden Schichten eine Dicke von 3/16'', eben so viel der innere Kern der Leitungsdrähte, so daß das ganze Tau 9/16 Zoll stark wird. Die Anwendung von getheertem Hanf hat man aufgegeben, und umgibt statt dessen unmittelbar das Leitungsseil mit der Drahtbedeckung. Zu diesem Ende werden je drei Drähte vom besten Holzkohleneisen zu einer Litze zusammengewunden, mit Gutta-percha und Chatterton's Mischung bedeckt und 13 solcher Litzen nunmehr auf der gewöhnlichen Maschinerie spiralförmig um das Leitungsseil herumgelegt. Das fertige Kabel geht sogleich in einen großen, mit Wasser gefüllten Behälter, wo es bleibt, bis es ins Schiff verladen wird, wo es ebenfalls in Wasserbehältern aufbewahrt werden soll. Hierdurch will man einmal die Erhitzung und Beschädigung der Gutta-percha durch das Zusammenliegen in großen Massen vermeiden, andererseits die Möglichkeit haben, jede etwa eintretende Ableitung des Stromes nach außen augenblicklich zu erkennen. Den Gebrauch des getheerten Hanfes hat man schon deßhalb aufgeben müssen, weil der Theer in etwaige Risse der Gutta-percha eindringend, die rechtzeitige Entdeckung derselben verhinderte, später aber beim Legen ausgespült wurde und dann die Ableitung des Stromes zuließ. (Breslauer Gewerbeblatt, 1862, Nr. 11.)

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