Titel: Sogenanntes Scharlachwasser (Eau écarlate).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 164/Miszelle 8 (S. 465–466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj164/mi164mi06_8

Sogenanntes Scharlachwasser (Eau écarlate).

In einer der letzten Zusammenkünfte des Gewerbevereins zu Hannover wurde auf obiges Wasser – welches vom Fabrikanten unter pomphafter Anpreisung zur Beseitigung |466| aller möglichen Flecken (Tinten-, Fettflecke etc., zum Waschen von Handschuhen, schwarzem Seidenzeuge u.s.w.) empfohlen wird – aufmerksam gemacht. Es wurden zugleich Proben dieses Scharlachwassers vorgezeigt; die eine Flasche enthielt ungefärbtes Scharlachwasser, die andere rothgefärbtes. Das letztere soll bei scharlach- und orangegefärbten Sachen angewandt werden – das erste bei allen sonstigen gefärbten und ungefärbten Sachen. Eine Probe von der ungefärbten Flüssigkeit wurde mir zur Untersuchung überlassen.

Die damit angestellte Untersuchung ergab, daß die Flüssigkeit etwa 4 bis 5 Procent festen Rückstand hinterließ, bestehend aus oxalsaurem Kali und oxalsaurem Natron. Die Flüssigkeit reagirte sehr wenig alkalisch, war auch schwach parfümirt.

Nach dieser Untersuchung scheint die so pomphaft angepriesene Flüssigkeit nichts anderes zu seyn, als eine Auflösung des sogenannten „Reinigung- oder Schönungsalzes“ – worüber bereits im polytechn. Journal Bd. CLIX S. 400 berichtet wurde – in Wasser. Die Vorschrift zu dieser Flüssigkeit ist folgende: Man nimmt 1000 Gewichtstheile reines Regenwasser oder destillirtes Wasser, 32 Theile Kleesalz, 16 Theile Soda, 5 Theile Potasche. Will man die Flüssigkeit roth gefärbt haben, so setzt man obiger Mischung 2 Theile Cochenille zu und filtrirt nach einigem Stehen.

Eine Flasche mit obigem Scharlachwasser enthält etwa 6 Neuloth (300 Gramme), worin etwa 3 Quint fester Substanz gelöst sind. Diese kostet höchstens 1 Silbergroschen; dazu kommen die Kosten für das Glas, Etikette, Kork, etwas wohlriechende Essenz, die sich mit 2 bis 3 Groschen gewiß sehr reichlich bezahlt machen, so daß die Flasche mit der Flüssigkeit gefüllt auf höchstens 4 Silbergroschen zu stehen kommt. Wenn nun die Flasche für 16 Silbergroschen verkauft wird, so hat der Fabrikant (Burdel in Paris) dafür gesorgt, daß er nicht zu Schaden kommt. Dr. Sauerwein. (Monatsblatt des hannoverschen Gewerbevereins, 1862, Nr. 3 und 4.)

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