Titel: Speier's elastische Gesundheits-Matratzen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 165/Miszelle 11 (S. 79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj165/mi165mi01_11

Speier's elastische Gesundheits-Matratzen.

Als eine für die Krankenpflege höchst wichtige und förderliche Erfindung, welche aber bisher noch nicht genügend zur Kenntniß des Publicums gekommen, bezeichnet Hr. Sanitätsrath Dr. L. Posner die elastischen Gesundheits-Matratzen, welche von Hrn. Speier in der Oberwallstraße 19 in Berlin angefertigt werden. Diese Matratzen bestehen aus einem Netze waagrecht miteinander verbundener Drahtspiralen, welche eine Elasticität entwickeln, die der des vielgerühmten Arnott'schen Wasserbettes vollständig gleich kommt. Die Weichheit und Schmiegsamkeit eines solchen Lagers kann von den besten Haarpolstern nicht erreicht werden, während dasselbe andererseits eine kaum zu alterirende Dauerhaftigkeit besitzt und somit in ökonomischer Beziehung die wesentlichsten Vortheile bietet. Abgesehen von denselben aber, sind die hygienischen Vorzüge dieser Matratzen vor allen bekannten Lagerungs-Methoden so wesentlich und entschieden, daß die Einführung derselben, namentlich für öffentliche Krankenanstalten, aufs wärmste und aus voller Ueberzeugung empfohlen wird. Die Permeabilität der Matratzen für die Luft erhält das Lager kühl und schützt vor dem in Polstern und Strohsäcken bei längerem Gebrauche unvermeidlichen mulstrigen, dumpfen Geruche; contagiöse Stoffe, für welche sonst die Bettunterlagen so ergiebige und nachhaltige Träger bilden, haften an diesen Drahtmatratzen nicht, eben so wenig können sie Brutstätten für Ungeziefer abgeben. Das Lager behält stets eine unveränderliche Ebenheit, und dieser Umstand, sowie die Kühle und Trockenheit desselben treten der Bildung von Decubitisstellen (Wundliegen-Stellen) hemmend entgegen.

Wenn strikteste Reinlichkeit und Ventilation des Lagers eine der nächstliegenden Aufgaben der Krankenpflege ist, so kann diese durch nichts besser und ausreichender erfüllt werden, als durch die in Rede stehenden Matratzen, deren allgemeine Benutzung auch durch ihren civilen Preis keineswegs beeinträchtigt wird. Eine derartige Lagerstelle, für welche an anderweitigen Fournituren nichts weiter nothwendig ist als eine Wollendecke oder ein etwa zolldickes Haarpolster, kostet circa 14 Thaler, kommt somit im Preise dem einer sorgfältig gearbeiteten Roßhaarmatratze ziemlich gleich, während sie in Bezug auf Weichheit, Comfort und Dauerhaftigkeit die letzteren weit übertrifft. Es könnte also vielleicht die erste Anschaffung etwas kostspieliger erscheinen, jedoch würde dieß durch die ungestörte Benutzung, ohne jegliche Reparatur, Wäsche u.s.w. bald mehr als ausgeglichen seyn. Hr. Dr. Posner empfiehlt schließlich seinen Berufsgenossen, sich der in Rede stehenden Erfindung aufs Angelegentlichste anzunehmen und durch Autopsie sich von der Trefflichkeit derselben noch bündiger zu überzeugen als dieß durch eine kurze Notiz geschehen könnte. (Monatsschrift des Gewerbevereins zu Köln, 1862 S. 94.)

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