Titel: Ueber den Mangangehalt des Roheisens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 165/Miszelle 5 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj165/mi165mi01_5

Ueber den Mangangehalt des Roheisens.

Im polytechn. Journal Bd. CLV S. 119 hat Dr. List aus Hagen über ein aus braunsteinhaltigem Spatheisenstein und Brauneisenstein erzeugtes Roheisen referirt und an die im Roheisen enthaltene Menge Mangan die Bemerkung geknüpft, daß dieß wohl das Maximum sey, welches von Roheisen aufgenommen werden könne. Er fand in diesem Eisen 1,46 Silicium und 3,80 Mangan. Obwohl frühere Untersuchungen höhere Mangangehalte ergaben, so war es doch wünschenswerth, andere Roheisen zu untersuchen, welche ebenfalls aus stark manganhaltigen Erzen erblasen worden waren, und hat sich dieser Aufgabe der k. k. Professor in Leoben, Hr. Rob. Richter, |77| unterzogen. Das Ergebniß ist in dem pro 1861 herausgegebenen Jahrbuch der Bergakademien Schemnitz und Leoben und der Montan-Lehranstalt Przibram niedergelegt. – Prof. Richter hat ein Spiegeleisen von Jauerburg in Krain aus Frischschlacken erblasen, und ein Spiegeleisen von Theresienthal in Böhmen untersucht; er fand:

Jauerburg Theresienthal
Schwefel 0,073
Silicium 1,902 2,732
Mangan 7,578 22,183
Kohlenstoff 2,311

Der Mangangehalt in dem Theresienthaler Roheisen von 22,183 Proc. dürfte wohl der höchste bis jetzt aufgefundene seyn. Durch den hohen Mangangehalt hat das Spiegeleisen seine ganze magnetische Kraft verloren, schlägt auch aus neutralen Kupferchloridlösungen kein metallisches Kupfer nieder, sondern reducirt dasselbe bloß zu Kupferchlorür, welches sich abscheidet. Es ist nun sehr auffallend, daß beim Verschmelzen stark manganhaltiger Eisensteine unter verschiedenen Verhältnissen an dem einen Orte mehr, an dem andern Orte weniger Mangan reducirt und in das Roheisen übergeführt wird. Die Zustellung des Ofens, die Temperatur in demselben, ferner das Reductionsmittel werden von großem Einfluß seyn, gewiß ist aber auch die reducirte Menge Mangan von der Zusammensetzung der Schlacke, nach deren erfolgter Bildung, abhängig. Je höher die Temperatur im Ofen ist, desto leichter und in desto größerer Menge wird das Mangan reducirt werden und diese Menge wird auch steigen, wenn der Kohlensatz gegen den Ersatz vermehrt wird, weil, wenn eine vollständige Reduction des Manganoxyduls erfolgen soll, eine größere Menge von Kohlenstoff vorhanden seyn muß, als eigentlich zur Reduc- und Wärmeerzeugung nöthig ist. Es kann ferner die Anwesenheit von Cyankalium im Hohofen günstiger auf die Reduction des Manganoxyduls wirken, als die Kohle, und die Wirkung noch dadurch gesteigert werden, daß die Spannung der Gase eine bedeutende ist, weil die Reduction der Oxyde durch gespannte Gase, hier des Cyankaliumdampfes leichter erfolgt, als wenn die Gase unter gewöhnlichem Drucke sich befinden. Die Zusammensetzung der Schlacke nach ihrer unmittelbaren Bildung wird ebenfalls von großem Einflusse seyn, indem aus einer sauren Schlacke das darin befindliche Mangan viel schwieriger reducirt werden wird, weil die damit verbundene Kieselsäure sich der Reduction des Manganoxyduls widersetzen wird. Anders verhält es sich bei Schlacken basischer Natur, weil hier die Kieselsäure eine hinlängliche Menge von Basen gebunden hält, und der Reduction einiger kein Hinderniß entgegensetzen wird. Sehr wahrscheinlich ist ferner, daß der Mangangehalt in ein und demselben Stücke Roheisen verschieden ist, und zwar werden die oberen Schichten einen größeren Mangangehalt zeigen, als die unteren. Der Grund liegt in dem eigenen Verhalten des Mangans, sich gern aus der geschmolzenen Masse theilweise auszuscheiden, was ein Aufsteigen desselben nach oben zur Folge hat. Tritt nun die Erstarrung des Eisens vor der Ausscheidung des Mangans ein, so müssen dann die oberen Schichten des Roheisens einen größeren Mangangehalt zeigen, als die unteren. (Berggeist, 1862, Nr. 47.)

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