Titel: Die Fabricate sowie verschiedene Fabricationsprocesse der Gußstahlfabrik von Friedrich Krupp in Essen (Rheinpreußen).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 165/Miszelle 5 (S. 231–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj165/mi165mi03_5

Die Fabricate sowie verschiedene Fabricationsprocesse der Gußstahlfabrik von Friedrich Krupp in Essen (Rheinpreußen).

Mitgetheilt von F. W. Gehra.

Dieselben werden in der internationalen Industrie- und Kunst-Ausstellung zu London, 1862, durch folgende Ausstellungs-Gegenstände, sämmtlich aus Gußstahl verfertigt, vorgeführt:

1) Exemplar eines in cylindrischer Form massiv gegossenen, noch keiner weiteren Bearbeitung durch Schmieden oder Werkzeuge unterzogenen Blockes Gußstahl im Gewichte |232| von 40,000 Pfd., 44 Zoll Durchmesser, 8 Fuß lang. Derselbe ist unter dem größten Hammer des Etablissements, von 100,000 Pfd. (1000 Ctr.) Gewicht, in kaltem Zustande nach vorangegangenem partiellen Einsägen durch hundertfache Wiederholung der Hammerschläge in der Mitte durchgebrochen. Durch die dabei entstandenen beiden Bruchflächen eines so schweren Blockes wird zu zeigen beabsichtigt, wie das Etablissement auch die Fabrication der größten Massen beherrscht, und wie die Rohgüsse bereits rein und porenfrei beschaffen sind, und das nachherige Schmieden nicht, wie vielfach angenommen wird, die Verdichtung von Gußblasen zum Zweck hat.

2) Ein theilweise im rohen, vierkantig gegossenen Zustande verbliebener, theilweise ausgeschmiedeter Block Gußstahl, der ganzen Länge nach durchbrochen, um wiederum die Dichtigkeit, Feinheit und Zähigkeit schon des Rohgusses des in dem Etablissement verfertigten Gußstahles zu zeigen, sowie die Erhöhung dieser Eigenschaften durch den Schmiedeproceß. – Die Qualität dieses Stückes ist die mildeste und zäheste, welche das Etablissement verfertigt, namentlich zur Verwendung für Kanonen. Gewicht des Stückes 8000 Pfund.

3) Ein Stück ausgeschmiedeten Gußstahles von 30,000 Pfund Totalgewicht, 30 Zoll breit, 17 Zoll dick, in 4 Theile gebrochen, in der Absicht, den durch den Schmiedeproceß der rohen Gußblöcke, wie den ad 1, ausgeübten Einfluß, sowie die durchaus gleiche Dichtigkeit und Homogenität des Materiales von einem Ende zum andern zu veranschaulichen.

4) Ein Stück geschmiedeten Gußstahles, 17 Zoll breit, 9 Zoll dick, an beiden Enden den Bruch zeigend und in der Mitte im erwärmten Zustande unter dem Hammer zusammengebogen, so daß die gegenüberstehenden Flächen auf einander liegen, wobei trotz der sehr starken Längenzerrung in der äußeren Krümmungsfläche nirgendwo eine Neigung zum Zerreißen entstanden.

5) Eine Sammlung Bruchproben von Gußstahl verschiedener Form und Qualität, sowie von Gußstahlplatten, 1 1/2 Zoll dick, 16 Zoll breit, abgehobelt, geschliffen und im kalten Zustande makellos gebogen, als fernere Zähigkeitsprobe dienend.

6) Ein Stück Gußstahl, welches die Fabricationsweise eines der wichtigsten Producte des Etablissements, der seit 1853 patentirten, in Preußen und England noch unter Patentschutz stehenden Eisenbahn-Radreifen ohne Schweißung vergegenwärtigt.

Rohgüsse von der Beschaffenheit der ad 1, wenn auch kleiner, werden durch Schmieden auf diese Form gebracht und demnächst das Schmiedestück, wie auch hier geschehen, an zwei Stellen durchbohrt und beide Bohröffnungen durch eilten Sägeschnitt verbunden.

7) Ein durch Austreiben unterm Hammer aus dem vorhergehenden Stücke ad 6 gebildeter Ring, eine weitere Fabricationsstufe der Radreifen vergegenwärtigend.

Neben diesem Ringe ist ein zweiter, in drei Stück gebrochener ausgestellt, um durch die Beschaffenheit des Materials schon in diesem Stadium der Fabrication, vor dem Auswalzen der Reifen den Werth des Ausschmiedens der Reifen aus Blöcken für die Dichtigkeit des Materials darzuthun, gegenüber dem allerdings billigeren Proceß des bloßen Gießens und Auswalzens der Reifen ohne Schmieden.

8) 20 Stück bis zum Abdrehen vollendete Radreifen, welche durch Auswalzen aus dem Zustande ad 7 auf die verschiedenen Dimensionen und Profilformen geführt sind. – Sie sind aus Lieferungen gegriffen, die wirklich ausgeführt worden, und zwar:

Durchmesser.
engl. Zoll.
Gewicht.
Zollpfund.
1 Wagenreif für die Cöln-Mindener Eisenbahn 34 290
1 Locomotivreif für die oberschlesische Eisenbahn 48 1/4 675
1 „ „ „ bayerische Ostbahn 36 1/2 356
1 Wagenreif „ „ bayerische Staatsbahn 34 280
1 Locomotivreif „ „ sächsische Staatsbahn 57 1/4 674
1 „ „ „
1
1
k. k. südliche Staats-Eisenbahn-
Gesellschaft (für Sömmering-
Locomotive)


63 7/12


840
1 „ „ „ 45 5/24 655
1 „ „ „ k. k. pr. österreichische Staats-
Eisenbahn-Gesellschaft

63 11/24

635
1 „ „ „ k. k. a. p. Kaiser-Ferdinands-
Nordbahn

57 1/2

757
1 „ „ „ schweizerische Centtalbahn 54 1/4 636

|233|

Durchmesser.
engl. Zoll.

Gewicht.
Zollpfund.
1 Locomotivreif für die französische Westbahn 53 3/8 664
1 „ „ „ französische Westbahn 37 3/8 445
1 „ „ „ Eastern-Counties-Eisenbahn 74 7/8 924
1 „ „ „ North-London-Eisenbahn 58 1/12 800
1 „ „ „ London- und North-Western-Eisenbahn 76 13/16 759
1 „ „ „ Glasgow- und South-Western-Eisenbahn 37 11/12 479
1 „ „ „ spanische Nordbahn 59 11/24 630
1 „ „ „ Zarsko-Selo-Eisenbahn in St. Petersburg 63 1/2 925
1 „ „ „ ostindische Eisenbahn-Gesellschaft 64 1/8 738
1 „ „ „ Atlanta- und West-Eisenbahn (Amerika) 57 11/24 745

Aus diesem Auszuge erhellt auch, wie die patentirten ungeschweisten Gußstahl-Radreifen, welche sich durch gleichmäßige langsame Abnutzung und die daraus folgenden ökonomischen Vortheile auszeichnen, sowie durch Sicherheit gegen Springen, auf dem europäischen Bahnnetz sowohl, als auf ostindischen und amerikanischen Bahnen Eingang erlangt haben.

An 40,000 Reifen sind seither im Etablissement angefertigt worden, für die verschiedenartigsten Betriebs-Verhältnisse. unter Locomotiven, Tendern, gebremsten und nicht gebremsten Personen- und Güterwagen. In allen Climaten, resp. bei allen Temperaturen haben sie sich gleichmäßig bewährt.

9) Ein gewalzter Radreif von 8 Fuß Durchmesser, um die Vollkommenheit des Walzprocesses selbst bei solcher Größe und einem Gewichte von 1100 Pfd. zu zeigen.

Dem Walzen noch größerer Reifen steht natürlich nichts entgegen, wenn solche verlangt werden möchten.

10) Ein Seitenstück zu dem vorangehenden Randreifen von 8 Fuß Durchmesser, jedoch abgedreht und fein geschmirgelt, um die trotz jeder Größe derselben unveränderliche Reinheit und Feinheit des zu den hiesigen Radreifen verwendeten Gußstahles zu zeigen.

11a) Die Hälfte eines abgedrehten, geschmirgelten und im kalten Zustande gebogenen, an beiden Enden den Bruch zeigenden Radreifens, um an den trotz der Biegung untadelhaft rein verbliebenen Außenflächen die Feinheit und Zähigkeit dieses Materiales zu veranschaulichen.

11b) Ferner eine Partie Profilscheiben eines Radreifens, abgehobelt, polirt, gehärtet und in der Mitte durchgebrochen, um einentheils die Feinheit des Materials zu zeigen und namentlich an der Beschaffenheit des Bruches erkennen zu lassen, wie der hier zu Radreifen verwendete Gußstahl die Qualitäten des besten Werkzeugstahles besitzt. Thatsächlich werden daher auch ausgenutzte Radreifen hiesiger Fabrik allgemein zu Werkzeugen verwerthet.

12) Zwei Gußstahl-Achsen mit Gußstahl-Scheibenrädern und Gußstahl-Radreifen, betriebsfähig hergestellt für Eisenbahnwagen. Eine derselben ist durchweg fein geschmirgelt, um beispielsweise die Reinheit des Materials besser zu veranschaulichen.

Vollkommene Sicherheit gegen Bruch, relativ ungleich größere Billigkeit und Leichtigkeit zeichnen diese sogenannten Satzachsen vor andern Constructionen gleicher Bestimmung aus. Die Scheibenräder sind mit Nabe, Scheibe und Unterreif aus einem Stück gewalzt. – Gewicht einer solchen Achse mit Rädern und Reifen circa. 1550 Pfund.

Ein separates, auf der ganzen Oberfläche abgedrehtes und geschmirgeltes Scheibenrad ist ebenfalls ausgestellt, von der Nabe aus nach zwei Richtungen im kalten Zustande rechtwinklig umgebogen, um die Solidität dieser Gattung Räder, resp. die Güte des dazu verwendeten Materials zu zeigen. Durch einen radialen Sägen-Einschnitt ist die Profilform daran besser veranschaulicht worden.

13a) Eine Locomotiv-Hinterrad-Achse mit Rädern und Gußstahlreifen, welche letztere aus hiesigen Etablissements. Diese Satzachse ist Eigenthum der englischen Eastern-Counties-Eisenbahn, zu deren Locomotive Nr. 255 gehörend, und ist durch deren Güte für die Ausstellungszeit überlassen. Sie zeigt die Abnutzung der Gußstahl-Reifen nach 66,17914 engl. gleich 14,386 4/5 deutschen Meilen Durchlauf, ohne seit |234| der Inbetriebsetzung abgedreht worden zu seyn. – Gewicht der Locomotive Nr. 255 560 Ctr., wovon auf den Triebrädern 200 Ctr. Das linke Rad wird gebremst. Die Reifen laufen seit 12. October 1859. – Am 23. Juni 1860 wurde die Locomotive mit neuen Triebachslagern versehen, bei welcher Gelegenheit die Reifen jedoch, weil sie fast noch keine Abnutzung zeigten, nicht gedreht wurden. Die Locomotive ist am 24. März 1862 wieder in Reparatur genommen.

13b) Eine Locomotiv-Hinterrad-Achse mit Rädern und Gußstahl-Radreifen, letztere aus hiesigen Etablissements. Diese Satzachse ist Eigenthum der North-London-Eisenbahn, zu deren Locomotive Nr. 40 gehörend, und ebenfalls durch Güte der Eisenbahn für die Ausstellung überlassen, um die Ausnutzung der Reifen zu zeigen, nachdem sie vom 31. Juli 1860, dem Tage ihrer Inbetriebsetzung an, bis zum 21. März 1862, ohne abgedreht worden zu seyn, 73,494 engl. gleich 15,977 deutsche Meilen durchlaufen haben. Auf den Rädern ruhen 170 Ctr. Die betreffende sechsrädrige Lastzug-Maschine wurde von den HHrn. Beyer, Peacock und Comp. in Manchester geliefert. Lauf- und Triebräder gekuppelt. Cylinder 16 Zoll + 24 Zoll.

14) Eine Gußstahlachse mit Scheibenrädern und Radreifen für New-Yorker Straßen-Pferdebahnen, durch größere Solidität, langsame Abnutzung und namentlich große Leichtigkeit sich auszeichnend. Besonders letztere Eigenschaft ist für den Pferdebetrieb jener Bahnen von großer Wichtigkeit. Die Satzachse wiegt nur circa 400 Pfund.

15) Drei Gußstahl-Locomotiv-Kurbelachsen, davon zwei fertig bearbeitet, für die North-London-Eisenbahn und die London- und North-Western-Eisenbahn, die dritte ist nur geschmiedet, um dieses Fabrications-Stadium zu zeigen.

Dergleichen Achsen laufen in beträchtlicher Anzahl in Deutschland, Frankreich und England. Das Fabricat besitzt deßhalb besonderes Ansehen, weil der Dienst der Locomotiv-Kurbelachsen ein so schwieriger ist, daß sie, wenn aus anderem Materiale verfertigt, durchschnittlich bald brechen und die genügende Betriebssicherheit nicht gewähren. Mit der Anwendung hiesiger Gußstahlachsen und Radreifen ist eine der häufigsten Ursachen von Eisenbahn-Unglücksfällen in dem Maaße vermieden, als die Veranlassung des Bruches dieser Gegenstände durch mangelhafte Beschaffenheit des Materials alsdann nicht mehr besteht.

16) Gußstahl-Kurbelzapfen für Sömmering-Locomotiven. Diese Kurbeln sind, wenn aus anderem Materiale, ebenfalls verhältnißmäßig bald dem Bruch unterworfen.

17) Vier Gußstahlfedern für Eisenbahnwagen, zwei Gußstahlfedern für Locomotiven, wovon vier Stück wie für den gewöhnlichen Gebrauch schwarz lackirt sind und zwei blank gemacht.

18) Eine Doppel-Kurbelachse für ein transatlantisches Schraubenschiff des Norddeutschen Lloyd in Bremen, im Gewicht von 22,000 Pfund, 24 Fuß lang, 15 Zoll im Durchmesser, nur theilweise bearbeitet, um an demselben Stück die Schmiede- und fertige Arbeit zu zeigen.

19) Exemplar von Gußstahl-Kurbelachsen schwerster Gattung für Seeschiffe, die Kurbel noch nicht ausgeschnitten, um die Schmiede-Arbeit des Hammers von 1000 Ctr. zu zeigen; sie wiegt 31,000 Pfund und ist aus einem Rohguß von circa 50,000 Pfund geschmiedet.

20) Eine kleinere Schiffskurbelachse von 4000 Pfund Gewicht, für die Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft bestimmt.

21) Schiffs-Anker, nach eben gedachtem Festigkeits-Verhältniß gegenüber Eisen durch größere Stärke und Sicherheit, bei gleichen Dimensionen sich auszeichnend oder größere Leichtigkeit ermöglichend. Gewicht dieses Ankerbügels 1140 Pfund.

22) Schiffsschraube von 9 Fuß Durchmesser, ebenso wie Anker hier zum ersten Mal aus Gußstahl producirt. Neben dem Vorzug überlegener Stärke bietet die Schraube aus Gußstahl noch den besondern Vortheil, daß sie schärfer und dünner gemacht werden kann als aus anderen Materialien zulässig, wodurch der Widerstand bei der Rundbewegung im Wasser vermindert, also eine erhöhte Wirksamkeit erreicht wird. Gewicht der Schraube 800 Pfund.

23) Ein Paar Münzwalzen (zum Strecken und Egalisiren der Zaine) von 8 Zoll Länge und 8 Zoll Durchmesser; ein Paar Walzen von 16 Zoll Länge, 10 Zoll Durchmesser, ein Paar Bahnwalzen, sämmtlich gehärtet und hoch polirt.

|235|

Gehärtete Gußstahl-Walzen, zuerst vor 40 Jahren in kleineren Dimensionen hier ausgeführt, sind seitdem zu Tausenden nach allen Richtungen des Verkehrs verbreitet.

24) Eine Pumpenstange, 30 Zoll lang, 5 Zoll Durchmesser, geschmiedet, an einem Ende mit Verkuppelungsmuffe versehen, in welche das Ende einer zweiten Stange eingepaßt ist. – Dergleichen Stangen werden bis zu 60 Fuß angefertigt, wegen der Schwierigkeit des Transportes und der Placirung im Ausstellungs-Gebäude konnte jedoch eine größere Länge als 30 Fuß nicht versandt werden.

Durch die Anwendung des Gußstahls zu den Pumpen-Gestängen in Bergwerken wird die bisher übliche unsichere und häufig nicht billigere Verbindung von Eisen und Holz, also eine Ursache von Unglücksfällen und häufiger, störender Reparatur vermieden; auch bietet dieselbe bei der Hälfte des Gewichtes ungleich größere Solidität als Gestänge aus Walzeisen combinirt und durch Nieten verbunden.

25–30) Patentirte Gußstahl-Kanonen, 6 Stück, nämlich:

Seelenweite. Pfund.
25) 1
26) 1
27) 1
28) 1
4-Pfünder,
25- „
40- „
100- „
von


vorne
hinten

zu laden
„ „
„ „
„ „
3,41''
3,75''
4 75''
7,00''
595
1965
3612
7709
außen und innen
fertig bearbeitet
und blank gemacht.
29) 1 68- „ „ „ 8,12'' 8365
30) 1 Rohr „ „ 9,00'' 18000.

Nur der 4-Pfünder ist mit Zügen versehen, die übrigen Rohre dagegen weder mit Zügen noch mit Verschlußapparat, ersteres nicht, um des wichtigen Zweckes willen, die Feinheit des Materiales an der spiegelreinen Politur der Seele zu zeigen, letzteres nicht, weil die Verschluß-Construction nicht öffentlich bekannt zu werden bestimmt ist. Der 4-Pfünder entspricht dem in der französischen Artillerie eingeführten betreffenden Caliber, der 25-, 40-, 100- und 68-Pfünder sind Caliber der englischen Artillerie, und zwar erstere drei des gegenwärtig adoptirten Systemes gezogener Rohre, das letztere von 8,12'' Seelenweite jedoch entspricht dem älteren Festungs- und Marine-Geschütz mit glatter Seele; dasselbe ist aus einem Rohguß von circa 50,000 Pfund ausgeschmiedet.

Durch Ausstellung dieser Kanonen soll besonders die hier nunmehr erreichte vollständige Beherrschung der Fabrication beliebig schwerer Massen Gußstahls und die durchaus gleichmäßige Beschaffenheit derselben manifestirt werden, indem die Darstellung schwerer Rohre mit Schildzapfen aus einem Stuck Gußstahl bekanntlich außerordentliche Schwierigkeiten bereitet.

Früher mußte sich das Etablissement auf die Lieferung von Kanonen geringerer Caliber (6-, 12- und 24-Pfünder) beschränken, sofern das Rohr mit Schildzapfen aus einem Stück bestehen sollte, oder es mußte zur Darstellung großer Caliber der Ausweg einer immerhin weniger vollkommenen, schweren und kostspieligeren Combination des Gußstahlrohres mit gußeisernem Mantel, an welchem die Schildzapfen angegossen, wählen.

Das Etablissement trat zuerst im Jahre 1847 mit der Idee hervor, Kanonen aus Gußstahl anzufertigen, und nachdem mit 3- und 4-Pfündern Proben ausgeführt, gelang es ihm, zur Londoner Ausstellung 1851 einen 6-Pfünder, jedoch mit gußeisernem Mantel, an welchen die Schildzapfen angegossen, zu produciren. Das Stadium der Erprobung dauerte bis um das Jahr 1856, und sind überhaupt bis jetzt über 1000 Stück Gußstahl-Kanonenrohre, theils fertig bearbeitet, theils massiv geschmiedet und roh vorgedreht aus dem Etablissement hervorgegangen.

31) Zwei fertig bearbeitete Kanonenrohre, der Länge nach bis zur Seele eingesägt und demnächst auseinander getrieben und gebrochen, so daß vier Cylinder-Hälften vorhanden, um an den in der ganzen Wanddicke entstandenen Bruchflächen noch evidenter die Beschaffenheit des Materiales der vollendeten Geschütze vorzuführen.

32) Fünf ausgebohrte Cylinder, in welchen Geschützzüge beliebigst erdachter Form eingeschnitten sind, um diese Arbeit, auf welche das Etablissement ebenfalls eingerichtet, zu vergegenwärtigen und zu zeigen, daß jede vorzuschreibende Form von Zügen hier ausgeführt werden kann.

33) Roh geschmiedete und fertig ausgebohrte, gedrehte und polirte Gewehr- und Büchsenläufe.

Während das Etablissement bisher nur dergleichen massiv geschmiedete Läufe lieferte, ist dasselbe nunmehr auch mit ausgedehnten Einrichtungen beschäftigt, um fertig bearbeitete Militär-Läufe in großen Quantitäten schnell ausführen zu können.

34) Werkzeugstahl verschiedener Qualität und Stärke von quadratischem, rundem |236| und flachem Querschnitt, nebst einer Collection von Bruchenden dieser Stäbe. – Zu allen Gattungen Werkzeugen, sowie zu Stempeln und Stampfen für Münzen und Präge-Anstalten wird der Gußstahl in geschmiedeten Stangen geeigneter Stärke und Qualität geliefert, und wenn auch die mehr charakteristischen Fabricate des Etablissements die Gegenstände von großem Gewicht und schwieriger Schmiede-Arbeit sind, so ist doch die Fabrication des Werkzeugstahls keineswegs vernachlässigt oder in den Hintergrund getreten, im Gegentheil wird auch betreffs seiner stets auf Fortschritte Bedacht genommen, um bei möglichst noch erhöhter Güte die Beschaffungskosten zu ermäßigen.

Mit der Einrichtung von Walzwerken zum Walzen von Gußstahl-Schienen und Platten beschäftigt, hätten gegenwärtig diese beiden Fabricate nur durch Proben repräsentirt werden können, welche nicht aus der massenhaften Fabrication gegriffen wären, für diese also nicht wohl als maßgeblich hätten bezeichnet werden dürfen. Uebrigens gestattete auch der dem Etablissement bewilligte Raum nicht, die Ausstellungs-Gegenstände zu vermehren. Schon binnen Kurzem wird das Etablissement zur Production jener beiden Fabricate gerüstet seyn.

Unter anderm sollen mittelst 2000 Pferdekraft Walzen von 15 Fuß Bahnlänge betrieben werden, um große Platten bis zu 1 Fuß Dicke und selbst noch dicker, z.B. zur Panzerung von schwimmenden Batterien oder Festungswerken, zu walzen, sowie auch um Kessel-Cylinder jeder Länge ans einem Stück herzustellen, mit nur einer oder zwei Reihen Nieten außerhalb des Feuers, behufs Oekonomie an Gewicht und Nietarbeit und größerer Solidität. Ferner werden damit Caliber-Walzen verbunden, zur Anfertigung aller vorkommenden Façons, für welche sich bisher Eisen hinsichtlich seiner Festigkeit als ungenügend erwiesen hat. Die ungleich größere Sicherheit, welche Gußstahl vermöge seiner Stärke und nicht veränderlichen Textur-Beschaffenheit bietet, empfiehlt besonders auch seine Anwendung zu Gitter- und Hängebrücken, für welche die Walzwerke ebenfalls berechnet sind. Die dabei erreichbare Gewichts-Verminderung ist namentlich wichtig für weite Spannungen der Brücken, bei welchen sich je nach Umständen sogar erheblich geringere Beschaffungskosten für Gußstahl im Vergleich zu Eisen ergeben werden.

Es mag schließlich noch erwähnt werden, daß in der Londoner Ausstellung 1851 ein roher Gußstahlblock von 4500 Pfd. von dem Etablissement geliefert, figurirte, welcher das schwerste der Zeit ausführbare Massengewicht repräsentirte, und in welchem vorzugsweise die Errungenschaft erkannt wurde, welche die Londoner Ausstellungs-Jury dazu bestimmte, dem Etablissement die einzige damals im ganzen Departement der Gußstahl-Concurrenz ausgetheilte Council medal zu verleihen.

Der seit jener Zeit errungene Fortschritt wird daher evident durch die nunmehr ausgestellten fertigen Fabricate vom 20fachen Einzelgewicht, und von rohen Gußblöcken vom 10fachen Gewicht der damaligen größten Objecte erkennbar seyn, wozu indessen noch bemerkt werden muß, daß gegenwärtig die Production großer Massen Gußstahls nicht mehr limitirt ist, und nur die außerordentlichen Schwierigkeiten und Kosten des Transportes, ja die Unmöglichkeit der Handhabung im Ausstellungsgebäude zwangen, keine größeren Gewichte als geschehen, ausstellen. (Breslauer Gewerbeblatt, 1862, Nr. 14.)

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