Titel: Das Aluminium auf der Londoner Industrieausstellung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1862, Band 165/Miszelle 4 (S. 394–395)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj165/mi165mi05_4

Das Aluminium auf der Londoner Industrieausstellung.

Sowohl von den englischen als auch französischen Ausstellern sind Proben der erstaunlichen Fortschritte in der Fabrication und Bearbeitung des Aluminiums abgelegt worden. In der englischen Ausstellung findet sich ein Zain Aluminium von etwa einer Elle Länge, 2 Zoll Dicke und vielleicht 3–4 Zoll Breite ausgestellt.

Nach allen Wahrnehmungen will es uns indessen scheinen, daß dieses interessante Metall noch vorläufig nicht mit dem von Alters her die Aristokratie unter den Metallen bildenden Gold und Silber in der Luxusindustrie wird concurriren können. Das Aluminium erscheint den letzteren gegenüber noch immer als Parvenu. Trotz der erfinderischesten Bemühungen, dafür Verwendungen aufzufinden, bei denen auch namentlich seine große Leichtigkeit vortheilhaft benutzt wird, und trotz der vollendetsten Formgebung wird man in den meisten Fällen den gegenwärtigen, etwa 50 Proc. des Silberwerths ausmachenden Preis desselben noch immer im Verhältniß zu seinem inneren Werthe und seiner geringeren Haltbarkeit und Farbe zu hoch finden.

Wenn man die künstlerisch vollendete Pferdegruppe von Aluminium und den prachtvollen Helm der englischen Aussteller betrachtet, so kann man sich, ungeachtet der Befriedigung in künstlerischer Beziehung, nicht des Gedankens erwehren, daß die Formen, in Gold oder Silber ausgeführt, dennoch einen glänzenderen und reicheren Eindruck machen würden, als in Aluminium.

Neben den verschiedenen Kunstgegenständen findet sich in der englischen sowohl als französischen Ausstellung eine reiche Auswahl mehr für praktische Zwecke eingerichteter Gegenstände, z.B. Hausschlüssel, Trinkgefäße, Sextanten und andere Meßinstrumente, Fernrohrfassungen und Operngläser, Abdampfschalen, Serviettenringe, Frauenschmuck, als: Haarnetze, Broschen. Letztere von dünnstem Blech getrieben und mit Stahlknöpfen besetzt, kaust man in ansehnlicher Größe in den Londoner Kaufläden für billiges Geld. Für bessere Gegenstände dürfte aber ein wesentlicher Uebelstand darin liegen, daß das eigenthümliche Lüster rauher Flächen noch die vortheilhafteste Erscheinung für das Aluminium darbietet, denn mit blanker Oberfläche erinnert dasselbe zu sehr an Zinn und Blei. Jener Lüster läßt sich aber, nach den gemachten Erfahrungen, nicht dauernd erhalten und die Gegenstände werden bald unansehnlich. Auch von der Aluminiumbronze |395| ist bis jetzt bei Weitem noch nicht die Anwendung gemacht worden, welche man sich anfangs davon versprach.

Angeblich soll allmählich bei der Fabrication der Taschenuhren die Aluminiumbronze Eingang finden, eine massigere Verwendung aber noch nicht erreicht seyn.(Berg- und hüttenmännische Zeitung, 1862, Nr. 33.)

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