Titel: Hipp's elektromagnetisches Registrir-Barometer und Registrir-Thermometer.
Autor: Hipp, Matthias
Fundstelle: 1863, Band 168, Nr. LXVI. (S. 241–243)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj168/ar168066

LXVI. Elektromagnetisches Registrir-Barometer und Registrir-Thermometer; von M. Hipp, Director der Telegraphen-Fabrik in Neuenburg (Schweiz).

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Obwohl es einige Jahre her ist, daß ich Registrir-Apparate für Wärme und Luftdruck construirt habe, so konnte ich denselben dennoch in Folge anderweitiger dringender Geschäfte erst in letzter Zeit meine volle Aufmerksamkeit schenken und ihnen ihre jetzige zweckmäßige Form und Einrichtung geben.

Das elektromagnetische Registrir-Barometer sowohl als das Thermometer haben zur Fixirung ihres relativen Standes genau dieselbe mechanische Einrichtung, wie solche in Fig. 27 und 28 zu ersehen ist.

Diese Einrichtung unterscheidet sich von anderen ähnlichen namentlich dadurch, daß der fixirende Stift oder Zeiger keinerlei Reibung unterworfen ist, sich vollkommen frei bewegen kann, und daher nicht eine zusammenhängende Linie oder Curve beschreibt, sondern jedesmal den Stand durch einen in das Papier eingedrückten Punkt angibt, so oft als man es für nützlich erachtet; es kann also alle Stunden, alle Viertelstunden oder alle Minuten geschehen.

Ein endloser Papierstreifen a, a (in Fig. 27 und 28 in der Hälfte der natürlichen Größe gezeichnet) wird zwischen den beiden Rollen b, c durchgeführt und ist auf einer größeren Rolle aufgerollt; in dem Maaße also, in welchem die beiden Rollen b, c sich fortbewegen, wird der Papierstreifen sich abrollen und das vordere Ende sich fortschieben.

Auf der Achse der unteren Walze c sitzt ein Sperrrad mit 96 Zähnen (oder auch weniger, je nachdem die Entfernung der Beobachtungspunkte von einander größer oder kleiner seyn soll).

Dem Elektromagnet e gegenüber ist der Anker f angebracht, dessen Drehpunkt sich in g befindet.

Durch die hin- und hergehende Bewegung des Ankers werden die auf beiden Seiten der Walzen befindlichen Arme h eine auf- und abgehende |242| Bewegung machen. An den Enden beider Arme befinden sich Schrauben, deren Spitzen in den Rahmen k, welcher in Fig. 29 besonders abgebildet ist, eingreifen. Der Rahmen k wird also der auf- und abgehenden Bewegung der Arme folgen.

Der vordere Arm h hat noch eine andere Function: der Winkelhebel l, m theilt ebenfalls dessen Bewegung, wie aus der Darstellung zu ersehen ist. Der Arm m dieses Winkels trägt den Sperrhaken n (der leicht zu errathende Zusammenhang dieser beiden Stücke ist von der Zeichnung weggelassen, weil er die Stellung des Zeigers verdeckt hätte), welcher bei jedem Hin- und Hergang einen Zahn des Sperrrades fortschiebt.

Der vorhin erwähnte Auf- und Abgang des Rahmens würde also dem Vorwärtsgehen des Sperrrades um einen Zahn entsprechen und somit dem Vorwärtsgehen des Papieres in der Weise, daß die Bewegung des letzteren beim Rückwärts- oder Aufwärtsgehen des Rahmens stattfände.

Die conische und scharfe Spitze o, welche am unteren Theile des Rahmens sitzt, wird bei jeder Bewegung einen Punkt in den Papierstreifen machen. Diese auf einander folgenden Punkte bilden die normale Linie.

Der Zeiger p endet in eine stählerne Schraube mit scharfer Spitze und kann sich, wie aus der Zeichnung zu ersehen, in dem Einschnitte des Rahmens k frei bewegen; so oft nun der Anker des Elektromagnets angezogen wird und der Rahmen eine abwärtsgehende Bewegung macht, wird die stählerne Schraube mit ihrer Spitze ebenfalls einen Punkt ins Papier machen, dessen Abstand von der Normalen den relativen Standpunkt des Thermometers oder Barometers andeutet.

Zur genauen und bequemen Ablesung dieses Abstandes kann statt des gewöhnlichen Zirkels ein Mikrometer dienen.

Es bleibt nun noch übrig mitzutheilen, auf welche Weise die Wirkung der Wärme und des Luftdruckes auf den Zeiger übergetragen wird.

Bei dem Thermometer geschieht es am bequemsten durch die thermometrische Lamelle, eine wie bekannt aus Stahl und Messing zusammengesetzte, spiralförmig gebogene Lamelle, durch deren Bewegung der Zeiger des Registrir-Apparates gestellt wird; die Ablenkung des Zeigers beträgt ungefähr 2 Millimeter für 1° Cels., so daß der zehnte Theil eines Grades noch mit Leichtigkeit abgenommen werden kann; die Unsicherheit kann auf den geringen Betrag von etwa 1/20 Grad reducirt werden, soll jedoch demnächst durch genaue Messungen von mir bestimmt werden.

Das allgemein bekannte Aneroidbarometer eignet sich wegen seiner bequemen Form ganz besonders für den Registrir-Apparat; der Zeiger desselben braucht nur mit einer stählernen Spitze versehen zu werden. |243| Es herrschen zwar bei den Physikern noch einige Zweifel, ob das Aneroidbarometer das Quecksilberbarometer ersetzen könne; es scheint jedoch, daß genaue Untersuchungen darüber fehlen, ob man dem Systeme oder dem Mechanismus die geringen Abweichungen zur Last zu legen hat, welche sich bei einem guten Aneroidbarometer gegenüber dem Quecksilberbarometer noch zeigen.

So viel ist sicher, daß der mit einem Aneroidbarometer versehene Registrir-Apparat, wenn er von Zeit zu Zeit mit einem Quecksilberbarometer verglichen wird, auch den strengeren Anforderungen der Wissenschaft genügen kann.

Wenn man übrigens auf die Bequemlichkeit des Apparates einigermaßen verzichtet, kann derselbe auch zu directer Angabe des Standes der Quecksilbersäule benützt werden, wie ich es schon vor mehreren Jahren der naturforschenden Gesellschaft in Bern vorgeschlagen habe. Ein Schwimmer auf dem offenen Schenkel eines Quecksilberbarometers, welcher vermittelst Rolle oder Hebel auf einen Zeiger wirkt, oder ein Schwimmer von Eisen, welcher auf der Quecksilbersäule im geschlossenen Raume sich befindet und einer nahe liegenden Magnetnadel seine Bewegung mittheilt, ist vollkommen geeignet vermittelst des oben beschriebenen Registrir-Apparates auch den Standpunkt der Quecksilbersäule (sogar mit vergrößerter Bewegung, was für die Genauigkeit der Ablesung nur von Vortheil seyn kann) wieder zu geben.

Daß auch andere, zur Messung meteorologischer Erscheinungen bestimmte Apparate in oben angegebener Weise zur Fixirung dieser Erscheinungen eingerichtet werden können, ist sehr wahrscheinlich, und wird, sollte es auch nicht in allen Fällen den strengen wissenschaftlichen Anforderungen entsprechen, doch die dahin einschlagenden Beobachtungen wesentlich unterstützen und erleichtern.

Zur Ingangsetzung des Apparates bedarf man einer Batterie und einer Uhr, welche jene öffnet und schließt so oft als man es für nützlich erachtet; dieß kann bei einer gewöhnlichen Uhr dadurch leicht erreicht werden, daß man den Minutenzeiger auf einem schmalen Blättchen hingleiten läßt, welches man auf dem Zifferblatt isolirt befestigt; sicherer ist es jedoch, wenn die Uhr besonders dazu eingerichtet wird.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: