Titel: Ueber die dießjährige Baumwollenzufuhr aus Ostindien; von dem Parlaments-Mitglied Hrn. Laing.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 168/Miszelle 12 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj168/mi168mi01_12

Ueber die dießjährige Baumwollenzufuhr aus Ostindien; von dem Parlaments-Mitglied Hrn. Laing.

Bei dem jetzigen unglücklichen Stande der Baumwollen-Industrie und den so verschiedenen Schätzungen der dießjährigen Ernte dürfte es von Interesse seyn, die Meinung eines alten, gewiegten Geschäftsmannes, des Hrn. Laing, eines Mitgliedes des englischen Parlaments, welcher die Verhältnisse genau kennt, mitzutheilen. Sein Ausspruch weicht von den Mittheilungen der Liverpooler Händler in Zeitungen und Preiscouranten sehr günstig ab, und ist ihm gewiß mehr Glauben zu schenken als letzteren, die ein Interesse daran haben, die Preise des Rohmaterials so hoch wie möglich zu halten.

Zur Unterstützung seiner Ansicht gibt er eine tabellarische Uebersicht über die gesammte Einfuhr der letzten 20 Jahre nach Europa, welche unten beigefügt ist.

„Es ist zwar gewagt – sagt Hr. Laing – eine Schätzung über einen solchen Gegenstand zu geben, aber ich sehe nirgends einen Grund meine Meinung zu ändern, welche ich vor 4 Monaten in Manchester aussprach, nämlich daß:

I. Ostindien in den nächsten 12 Monaten von 1,250,000 bis 2,000,000 Ballen liefern kann, aber nicht mehr;

II. daß Indien, nachdem es Zeit gehabt hat, die Baumwoll-Cultur auszudehnen, und wenn die ersten Preis-Schwankungen nach Beendigung des amerikanischen Krieges vorüber sind, permanent 2,000,000 Ballen per Jahr liefern kann, bei einem Preise von 6 Pence das englische Pfund in Liverpool. Ich glaube, daß wenn der Krieg in Amerika morgen schon durch Intervention der Großmächte beendigt werden könnte, das Resultat zu welchem wir in zwei oder drei Jahren nach heftigen Schwankungen gelangen würden, folgendes seyn dürfte:

Baumwoll-Verbrauch der ganzen Welt 5,000,000 Ballen. Davon liefert Amerika von 2,500,000 bis 3,000,000 Ballen zu 6 bis 7 Pence per Pfund; Indien 1,500,000 bis 2,000,000 Ballen zu 5–6 Pence per Pfund; die übrigen Baumwolle producirenden Länder 500,000–1,000,000 Ballen. Obgleich die officiellen Berichte der Handelskammer von England über die Baumwoll-Einfuhr von 1862 noch nicht vollständig angefertigt sind, so sind doch genügende Data zur Hand, einen Vergleich zwischen der Einfuhr des letzten Jahres, welche mit großen Hindernissen zu kämpfen hatte, und den Einfuhren der Jahre seit 1843 zu ziehen. Er ergibt folgendes Resultat:

Jahr. Import in Pfunden. Jahr. Import in Pfunden.
1843 673,193,116 1853 895,278,749
1844 646,111,304 1854 887,333,149
1845 721,979,953 1855 891,751,952
1846 467,856,274 1856 1,023,886,304
1847 474,707,615 1857 969,318,896
1848 713,020,161 1858 1,034,342,176
1849 755,469,012 1859 1,225,989,072
1850 663,576,861 1860 1,390,938,752
1851 757,379,749 1861 1,256,984,736
1852 929,782,448 1862 541,393,318

Man sieht hieraus, daß die stets klein genannte Einfuhr von 1862 doch noch die Zufuhren von 1846 sowie 1847 übersteigt, obgleich sie die der übrigen 17 Jahre nicht erreicht und gegen die letzten 10 Jahre bedenklich abfällt. Die Totalzahl der Ballen ist im letzten Jahr 1,445,451 gegen 3,035,728 Ballen des Jahres 1861; dabei muß man |80| aber nicht vergessen, daß ein Ballen ostindischer Baumwolle nur 375 Pfd. wiegt, ein Ballen amerikanischer dagegen durchschnittlich 445 Pfd. Natürlich sind diese Calculationen für das letzte Jahr noch Modificationen von officiellen Quellen ausgesetzt, sie werden indessen nur sehr geringen Aenderungen unterliegen dürfen.

Das Verhältniß, in welchem die Lieferungen der verschiedenen Baumwoll-Länder zu dem Bedarfs Europas beitrugen, findet man in folgender Liste:

Jahr. Verein. Staaten.
Pfund.
Brit. Indien.
Pfund.
Die übrig. Länder.
Pfund.
1843 574,738,720 65,709,729 32,744,867
1844 517,218,622 88,639,976 40,252,906
1845 626,650,412 58,437,426 36,892,115
1846 401,949,393 34,540,143 31,366,738
1847 364,599,291 83,934,614 26,173,710
1848 600,247,488 84,101,961 28,670,712
1849 634,504,050 70,838,515 50,126,447
1850 493,153,112 118,872,742 51,551,007
1851 596,638,962 122,626,976 38,113,811
1852 765,630,544 84,922,432 79,229,472
1853 658,451,796 181,848,160 54,978,793
1854 722,151,346 119,836,009 45,345,794
1855 681,629,424 145,179,216 64,943,312
1856 780,040,016 180,496,624 63,349,664
1857 654,758,048 250,338,144 64,222,704
1858 833,237,776 132,722,576 68,381,824
1859 961,707,264 192,330,880 71,950,928
1860 1,115,890,608 204,141,168 70,906,976
1861 819,500,528 369,040,448 68,943,760
1862 32,204,205 401,913,000 107,276,113

(Mitgetheilt von H. Minssen im Breslauer Gewerbeblatt, 1863, Nr. 5.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: