Titel: Ueber die Anwendung von Gußstahlblech zu Dampfkesseln; vom Regierungsrath v. Burg in Wien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 168/Miszelle 2 (S. 154–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj168/mi168mi02_2

Ueber die Anwendung von Gußstahlblech zu Dampfkesseln; vom Regierungsrath v. Burg in Wien.

In einer der abgehaltenen Wochen-Versammlungen des nieder-österreichischen Gewerbevereins sprach Hr. Regierungsrath Ritter v. Burg über die verschiedene Qualität und Blechdicke der Gußstahlbleche. Der Gewerbeverein hat in Folge eines von v. Burg gehaltenen Vortrages an das k. k. Handelsministerium das Ansuchen gestellt: es möge bei einer Revision und neuen Redigirung des jetzt in Oesterreich bestehenden Gesetzes über die Sicherheitsmaßregeln gegen die Gefahr von Dampfkessel-Explosionen ein Paragraph eingeschaltet werden, nach welchem es in Zukunft gestattet seyn soll, zu Dampfkesseln auch Gußstahlbleche zu verwenden, deren Dicke jedoch nur halb so groß zu seyn brauche, als diese jetzt nach der Vorschrift bei den Eisenblechen seyn muß. Diese Toleranz in der Dicke der Stahlbleche wurde dadurch motivirt, daß, wie sowohl die von Hrn. v. Burg gemachten zahlreichen, sowie mehrere andere Versuche nachgewiesen haben, Gußstahlbleche nahezu die doppelte absolute Festigkeit guter Eisenbleche besitzen. Auf Vorschlag der Section der Mechanik wurde noch beigefügt oder hervorgehoben, daß zu diesem Zwecke nur solche Stahlbleche verwendet werden sollen, welche sich im kalten Zustande, ohne rissig oder unganz zu werden, um einen rechten Winkel biegen lassen, weil dadurch der Beweis der erforderlichen Dehnbarkeit und Geschmeidigkeit geliefert wird.

Der Vortragende sprach über die durch eigene Experimente erzielten Erfahrungen, theilte Mehreres über Anwendung des Gußstahlbleches zur Construction der Dampfkessel |155| mit und machte auf die höchst interessanten Versuche aufmerksam, welche Hr. Vickers in Sheffield über die Festigkeit des Stahles bei verschiedenem Kohlenstoffgehalt in neuester Zeit durchgeführt hat. Die Vicker'schen Versuche (polytechn. Journal Bd. CLXIV S. 434) zeigen, daß die Festigkeit gegen das Zerreißen, d. i. die absolute Festigkeit des Stahles bis zu 1 1/4 Proc. Kohlenstoffgehalt um so größer wird, je größer der Gehalt an Kohlenstoff ist. Bei größerem Kohlenstoffgehalt nimmt die Festigkeit wieder ab und kann sogar bis auf 6 1/2 und 6 Tonnen sinken. Was ferner die Bruch- oder relative Festigkeit betrifft, so zeigen diese Versuche, daß der Stahl in dieser Beziehung um so stärker ist, je weniger Kohlenstoff er enthält. Der Widerstand gegen plötzliche und starke Stöße wird nämlich, wenn der Stahl rein und nicht unganz ist, was man nur vom Gußstahl erwarten kann, am größten, wenn dieser nur so viel Kohlenstoff enthält als nöthig ist, um ihn schmelzbar zu machen. Für die meisten Zwecke des Maschinenbaues ist jenes Material das beste, welches sowohl dem Zerreißen als Zerbrechen den nöthigen Widerstand leistet, und als solches muß man, wie aus den in Rede stehenden Versuchen hervorgeht, Gußstahl empfehlen, dessen Kohlenstoffgehalt 5/8 bis 6/8 Proc. beträgt, indem er einerseits dabei noch nicht so spröde ist, um die Bruchfestigkeit zu sehr zu beeinträchtigen, andererseits immer noch eine absolute Festigkeit (gegen das Zerreißen) von 40 bis 45 Tonnen, d. i. von 63,200 bis 71,000 Pfd. per Quadratzoll Querschnitt besitzt. (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen.)

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