Titel: Bouille's Bohrmaschine.
Autor: Bouille,
Fundstelle: 1863, Band 169, Nr. XLII. (S. 172–174)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/ar169042

XLII. Bohrmaschine von Bouille, Mechaniker in Paris.

Aus Armengaud's Génie industriel, März 1863, S. 129.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Hr. Bouille in Paris, welcher sich speciell mit der Construction von Werkzeugmaschinen befaßt, ließ sich im Jahr 1861 eine Bohrmaschine patentiren, deren Einrichtung von der Art ist, daß das Werkzeug in allen Punkten eines horizontalen kreisförmigen Zwischenraumes arbeiten kann. Dieses Werkzeug ist ferner, da es an eine bewegliche Construction befestigt wird, im Stande, eine Stellung unter einem Winkel zum Drehungspunkte anzunehmen, wie sie gerade nothwendig ist, und ebenso sich dem Mittelpunkte zu nähern oder sich von demselben zu entfernen, je nachdem man den Durchmesser für das Bewegungsfeld des Werkzeuges vergrößern will. Die Einrichtung dieser Maschine gestattet endlich der Bohrspitze durch den bloßen Wechsel eines Getriebes einen beliebigen Druck und zwar auf ganz selbstthätige Weise auszuüben.

Fig. 9 ist ein Verticaldurchschnitt durch die Achse der Maschine;

Fig. 10 ist die obere Ansicht derselben.

Wie man aus diesen Figuren ersieht, besteht der Apparat aus einem rechtwinkligen, gußeisernen Gestell A, welches auf dem Boden befestigt ist, und zwei kleine Arbeitstische a und a' trägt, die eine solche Einrichtung haben, daß die verschiedenen Arbeitsstücke dauerhaft an sie befestigt werden können.

Die Tafel des Gestelles hat in ihrer Mitte eine Oeffnung, über welche eine hohle Säule B mit der Kuppelungsbüchse B' gesetzt und festgebolzt wird. Diese Büchse B' dient der Welle f, die an ihren beiden Enden mit conischen Rädern versehen ist, als Futter; das untere F' dieser Räder wird durch ein ähnliches, auf der Welle e befestigtes Rad F in Bewegung gesetzt. Die Welle e steckt in einer horizontalen Hülse b, die mit dem Fuße des Säulenträgers B aus einem Stücke gegossen ist, und auf welche das dreitheilige Stufenrad E befestigt ist, das den Transmissionsriemen aufnimmt. Das Winkelrad g ist an das obere Ende der Verticalwelle f befestigt, welche die Bewegung auf das Werkzeug und die verschiedenen, mit diesem in Verbindung stehenden Organe überträgt.

Auf die Kuppelungsbüchse B', welche ihrerseits die Centralwelle der Bewegung bildet, wird der genau passende Support C aufgesteckt, der |173| mit den beiden, durch eine horizontale Hülse d verbundenen Armen C¹ und C² aus einem Stücke gegossen ist.

In das Innere dieser Hülse wird die hohle Welle d' so eingesteckt, daß sie sich leicht umdrehen läßt; letztere ist mit den gebogenen Armen D und D' aus einem Stücke gegossen, welche zur Aufnahme des Bohrers F und der denselben treibenden Organe bestimmt sind.

In Folge der Befestigungsart des Supportes C auf die Kuppelungshülse B' kann der Support eine horizontale Bewegung um seine Achse machen und unter einem beliebigen Winkel zum Drehungsmittelpunkte durch das Anziehen der Schraubenmutter b' unverrückbar befestigt werden, deren Köpfe in eine, in dem Säulensockel B angebrachte ringförmige Nuth eingelassen sind.

Ebenso kann sich der ganze Support des Werkzeugträgers D in der horizontalen Hülse umdrehen und unter einer beliebigen Neigung zum Bohrtisch mittelst Druckschrauben festgestellt werden, welche bis in das cylindrische Stück d' reichen und mittelst der Handhaben M (Fig. 10) über den Armen C¹ und C² angezogen werden.

Der Bohrapparat kann zweierlei Bewegungen annehmen, nämlich eine ununterbrochen rotirende und eine verticale, um das Bohren und nachher das Zurückschrauben des Werkzeuges zu bewirken.

Wenn die Verticalwelle f durch das Stufenrad E in Bewegung gesetzt wird, so theilt sie dieselbe durch Vermittelung der beiden conischen Räder g und g', wovon das letztere auf der Welle h sitzt, und durch das Ineinandergreifen der beiden Getriebe h¹ und h² der Horizontalwelle i mit, welche in dem hohlen Cylinder d' steckt. Die Welle ist mit einem langen Schließkeil versehen, wodurch das Getriebe h² stets und zwar bei jeder Stellung der Bohrspindel dauerhaft befestigt ist, das heißt die hohle Welle d' läßt sich aus der Hülse d des Supportes nach Belieben weit herausziehen, um dem Werkzeug das ganze erforderliche Feld einzuräumen. Im Nachstehenden soll nun mitgetheilt werden, wie sich das Bohren auf eine selbstthätige Weise bewirken läßt.

Die Welle i theilt dem Werkzeug seine rotirende Bewegung mittelst des conischen Räderpaares j und j¹ mit und treibt zugleich durch das Rad j auch das Rad j², welches an das untere Ende einer kleinen Welle l befestigt ist, die in eine Verstärkung des krummen Armes D des Werkzeugträgers eingelassen ist. Das obere Ende dieser Welle ist mit einem kleinen conischen Rade versehen, welches in ein anderes conisches Rad eingreift, das auf die Horizontalwelle t befestigt ist, auf welcher auch das gerade Rad l festsitzt. Letzteres greift in ein gleiches Rad l' ein, welches auf die Welle x befestigt ist, die mit Gewinde versehen wird, um eine Schraube |174| ohne Ende zu bilden und um folglich ihre Bewegung auf die Schraubenmutter n zu übertragen. Durch letztere geht die verticale Druckschraube o hindurch, welche mit dem Kopfe der Bohrspindel in einer Weise verbunden ist, die derselben gestattet, sich durch die Einwirkung der Schraubenmutter n vertical von unten nach oben und von oben nach unten zu bewegen, je nachdem sie von der linken zur rechten, oder von der rechten zur linken Seite gedreht wird.

Um die Bohrspindel, wenn das Bohren stattgefunden hat, wieder in die Höhe steigen zu lassen, wird ein kleines Schwungrad mit Handhabe P in dem Bereiche des Arbeiters angebracht. Die dasselbe tragende Achse wird mit einem kleinen conischen Rad versehen, welches in ein gleiches, auf die Verticalwelle n² befestigtes greift. Die Verticalwelle läuft in Lagern, die auf die Arme D und D' festgebolzt sind. Dieselbe ist an ihrem oberen Ende mit einem Getriebe n' versehen, welches in ein unter dem Schraubenrade n angebrachtes Rad eingreift, d.h., das Schraubenrad hat eine doppelte Reihe von Zähnen, welche nach zwei verschiedenen Durchmessern gegossen sind. Das Rad mit dem größeren Durchmesser greift direct in die Schraube ohne Ende m ein, während der Theil des Rades mit dem kleineren Durchmesser mit den Zähnen des Getriebes n' in Berührung bleibt. Die diesem Getriebe mitgetheilte Bewegung wird natürlich auf das Schraubenrad in einer Richtung übertragen, welche derjenigen entgegengesetzt ist, die es von der Schraube ohne Ende m empfängt und bewirkt dadurch den Rückwärtsgang der Schraube ohne Ende o und folglich auch der Bohrspindel.

Man kann mit einer derartigen Maschine, welche ungefähr 1200 Kilogr. wiegt und stählerne Wellen hat, Löcher von 40 Millimeter Durchmesser 2 Decimeter tief in Eisen bohren.

Der Preis dieser Maschine ist mit Hinzurechnung des Betrages für die zugehörige treibende Stufenscheibe ungefähr 2000 Francs.

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