Titel: Personne's Verfahren zur volumetrischen Bestimmung des Quecksilbers durch titrirte Flüssigkeiten.
Autor: Personne, J.
Fundstelle: 1863, Band 169, Nr. L. (S. 202–204)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/ar169050

L. Verfahren zur volumetrischen Bestimmung des Quecksilbers durch titrirte Flüssigkeiten; von J. Personne.

Aus den Comptes rendus, t. LVI p. 951.

Die bisherige Bestimmungsmethode des Quecksilbers auf nassem Wege durch Fällung von Chlorür oder besser Metall oder Sulfür aus Quecksilberlösungen, sagt der Verf., erfordere längere Zeit und liefere doch nicht immer genügend genaue Resultate. Die Bestimmung auf trockenem Weg lasse sich bei genaueren Resultaten rascher ausführen als die auf nassem, nehme aber doch noch ziemlich viel Zeit in Anspruch und sey nur indirect zur Analyse von Quecksilberlösungen anwendbar.

Der Verf. gibt daher folgende „sichere und schneller ausführbare Methode zur Bestimmung des Quecksilbers.“

Sie ist auf die Verbindung des Quecksilberjodids mit Jodkalium, dem Doppeljodür von Polydore Boulay, HgJKJ, gegründet, das eine farblose Lösung bildet. Man hat zwei Lösungen, von denen in gleichen Volumen die eine 1 Aequivalent Quecksilberchlorid, die andere 2 Aequivalente Jodkalium enthält. Gießt man die Quecksilberlösung in die des Jodkaliums ein, so wird das beim Zusammenkommen beider Flüssigkeiten sich ausscheidende Quecksilberjodid so lange wieder aufgelöst, bis ein der angewandten Jodkaliumlösung gleiches Volumen Quecksilberlösung zugesetzt ist nach der Gleichung:

HgCl + 2 KJ = HgJ,KJ + KCl.

Die geringste Spur Chlorid, im Ueberschuß zugesetzt, bringt in der Flüssigkeit einen bleibenden rochen Niederschlag hervor, der derselben eine sehr deutliche Rosa-Färbung, selbst bei künstlichem Lichte mittheilt. Diese Färbung gibt den Sättigungspunkt ebenso genau an als Lackmus bei Säuren und Basen.

Es ist durchaus erforderlich, die Quecksilberlösung in die Jodkaliumlösung einzugießen, weil im anderen Falle das Quecksilberjodid im Entstehungsmomente kein Jodkalium zur Lösung vorfindet und in Folge |203| dessen einen Cohärenzzustand annimmt, der eine nur langsame Auflöslichkeit in Jodkalium bedingt. Die Quantitäten des zugesetzten Jodkaliums werden in diesem Falle daher je nach der Zeit, die man auf die Bestimmung verwendet, variiren.

Die Normal-Jodkaliumlösung stellt man dar durch Auflösen von 33,2 Grm. JK in Wasser, so daß es 1 Liter Lösung gibt. 10 Kub. Cent. desselben repräsentiren 0,1 metallisches Quecksilber.

Eine Normal-Quecksilberchloridlösung, mittelst welcher malt die Reinheit des Jodkaliums controliren oder den Titre einer unbekannten Lösung bestimmen kann, bereitet man durch Auflösen von 13,55 Grm. Quecksilberchlorid in Wasser bis zu 1 Liter Lösung. Die Auflösung des Salzes wird durch Zusatz von 5 Aequivalenten oder 30 Grm. Chlornatrium, das, wie alle neutralen Alkalisalze, keinen Einfluß auf die Reaction ausübt, erleichtert. 10 Kub. Cent. dieser Lösung repräsentiren, wie die erste, 0,1 Quecksilber.

Beide Lösungen kann man, ohne die Schärfe der Reaction zu beeinträchtigen, 10mal schwächer nehmen und so Bruchtheile von Milligrammen bestimmen.

Damit das Verfahren des Verfassers wenigstens auf die Mehrzahl der Quecksilberverbindungen, wenn nicht auf alle, angewandt werden könne, mußte eine Methode aufgefunden werden, durch die das Quecksilber dieser Verbindungen stets im Zustande des neutralen Chlorids in Lösung gebracht wird. Der Verf. überzeugte sich, daß weder Königswasser noch unterchlorige Säure (H. Sainte-Claire Deville) hierzu anwendbar sind, ohne Verlust zu erleiden, daß man aber sehr günstige Resultate erhält, wenn man nach Rivot Chlorgas unter Mitwirkung von Kali- oder Natronlauge einwirken läßt.

Will man z.B. das Quecksilber im Zinnober bestimmen, so wägt man 1 Grm. desselben in fein gepulvertem Zustande ab, bringt diese Menge in ein Proberöhrchen und übergießt sie mit 20 Kub. Cent. Aetznatronlauge. Man vertheilt durch Schütteln das Pulver gleichmäßig und leitet einen Strom Chlorgas, das nicht gewaschen zu werden braucht, in die Flüssigkeit. Man unterstützt die Einwirkung durch langsames Erwärmen, das bis zum Kochen gesteigert wird, sobald alle Substanz gelöst ist. Im Anfange darf nicht zu stark erwärmt werden, weil sich sonst ein Theil der Substanz nicht auflöst. Die erhaltene Lösung wird bis zur vollständigen Verjagung des Chlors gekocht, wobei man keinen Verlust zu befürchten hat, weil das Quecksilberchlorid bei der Gegenwart des alkalischen Chlorürs nicht flüchtig ist. Die erkaltete Flüssigkeit wird |204| in eine graduirte Röhre gebracht, so daß man mit dem Waschwasser 100 Kub. Cent. Lösung erhält.

Der Verfasser bediente sich zur Bestimmung einer titrirten Jodkaliumlösung, die in 10 Kub. Cent. 0,1 Quecksilber entsprach, und verbrauchte zur Sättigung von 10 Kub. Cent. derselben 115 Theilstriche einer Zehntel-Kub. Cent. Burette der erhaltenen Quecksilberchloridlösung. Diese 115 Theilstriche entsprachen also 0,1 Quecksilber, oder da das gesammte Quecksilber in 10000 Theilstrichen enthalten war, so findet man dessen Menge aus der einfachen Gleichung

115 : 0,1 = 10000 : x; x = 10000/115 = 68,95 Quecksilber.

Die Berechnung gibt 68,21 an.

Den kleinen Ueberschuß, den der Versuch ergab, schreibt der Verf. einem Verlust an Schwefel zu, der durch die mit dem Zinnober vorgenommene Sublimation veranlaßt wurde.

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