Titel: v. Gasteiger, über die Faß-Fabrication durch Maschinen im Arsenal zu Woolwich.
Autor: Gasteiger, Anton
Fundstelle: 1863, Band 169, Nr. CVIII. (S. 409–413)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/ar169108

CVIII. Die Faß-Fabrication durch Maschinen im Arsenal zu Woolwich; von Anton v. Gasteiger.

Aus den Mittheilungen des nieder-österreichischen Gewerbevereins, 1863 S. 531.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Es ist die Zähigkeit bekannt, mit welcher die Binder an ihren herkömmlichen Werkzeugen, wie Handgriffen festhalten – eine Zähigkeit, an welcher die meisten Versuche der Einführung verbesserter Werkzeuge in die Binderei scheiterten. Ebenso ist bekannt, daß sich dieses Gewerbe bei uns noch nicht zum fabrikmäßigen Betriebe emporgeschwungen, es dürfte somit |410| nicht ohne Interesse seyn, einige Andeutungen über die fabrikmäßige Darstellung von Fässern im Arsenal zu Woolwich in diese Blätter aufzunehmen.

Hr. Anton v. Gasteiger lieferte eine Abhandlung über diesen interessanten Industriezweig. Er sagt: „Die Fabrication der Pulverfässer wird im Arsenal zu Woolwich mit einer Genauigkeit, Schönheit und Schnelligkeit erzielt, die überrascht und um so interessanter erscheint, da mit denselben Maschinen auch Fässer zur Aufbewahrung von Flüssigkeiten erzeugt werden könnten.“

Acht verschiedene Operationen sind nöthig, bis das vollendete Product entsteht:

1) Die rohen Bohlen werden in die ungefähr nöthige Länge mittelst Kreis-Sägen geschnitten.

2) Die Bohle(Pfostenstück) wird dann von der Cylinder-Säge in einzelne Dauben geschnitten. Der Kreis A (Fig. 17) stellt die Cylinder-Säge vor, B die Bohle, 1, 2 .... 6 die einzelnen Stücke (Dauben), in welche die Bohle zerschnitten wird.

Das Holz B wird auf den Support befestigt, welcher eine zweifache Bewegung zuläßt; die eine, parallel zur Cylinder-Achse, durch diese Bewegung, verbunden mit der rotirenden des cylindrischen Sägeblattes, erfolgt das Durchschneiden des Holzes, und eine zweite zu und von dem Cylinder, wodurch das Einstellen bewirkt wird, um einen neuen Schnitt machen zu können. Ein Rand, an welchen die Bohle angestoßen wird, bedingt die stets gleich dicke Schneidung der Dauben. Ehe man den Abfall 6 sich bilden läßt, schiebt man die nächste Bohle B' an.

3) Das Hobeln der geschnittenen Dauben auf der concaven Seite. Die concave Seite der Daube ist für das Innere des Fasses bestimmt, und um dieselbe glatt zu machen, dient eine Hobelmaschine von einfacher Construction. Das derselben zu Grunde liegende System dürfte durch Fig. 18 und 19 versinnlicht seyn.

a ist die Trommel, welche die Hobeleisen trägt und sich mindestens tausendmal per Minute um ihre Achse bewegt; b, b, c, c' sind geriffelte Führungswalzen; d, d stellt die zu hobelnde Daube vor. Das Hobeleisen muß gegen die Trommel-Achse etwas geneigt seyn, um so ein successive tieferes Abhobeln zu bedingen und ein Aufreißen der Holzfaser zu verhindern; dieß ist um so nöthiger, als die Bewegungsrichtung der Hobeleisen senkrecht gegen die Richtung der Fasern ist.

4) Biegung der Daube in einer eisernen Presse und Zurichtung ihrer langen Kanten. Je eine Daube wird in eine Presse aus Gußeisen gespannt, welche der Daube vollkommen die Biegung |411| gibt, welche sie im fertigen Fasse haben soll. Jedes Faß ist aber oben und unten dünner als in der Mitte, und durch diesen verschiedenen Durchmesser ist eine verschiedene Krümmung einer und derselben Daube (von der Mitte zunehmend gegen die Enden) bedungen, wie deren verschiedene Breite, letztere von der Mitte gegen die Enden abnehmend. Jene ebenen Flächen, an welchen die einzelnen Dauben an einander stoßen, gehen jedoch verlängert durch die Achse des Fasses.

Diesen Forderungen muß die Daube entsprechen. Ist dieß nicht der Fall, so leidet entweder die gefällige Form des Fasses oder dessen Solidität; denn Fehler können dann nur durch Nachhobeln beseitigt werden.

Die in Fig. 20 im Durchschnitt skizzirte Maschine gestattet das Einhalten aller erwähnten Forderungen.

Durch die Presse a wird der Daube die entsprechende Krümmung der Länge und Breite nach gegeben und durch die beiden verstellbaren Kreis-Sägen S die gebogene Daube dann richtig begrenzt. Die beiden Kreis-Sägen sind gemeinschaftlich, wie aus Fig. 20 ersichtlich, verstellbar, und zwar zu dem Zwecke, um Dauben für Fässer verschiedener Dimensionen mittelst derselben Maschine herstellen zu können.

Die Ebenen der Sägeblätter schneiden sich in der Achse des Fasses und stehen daher normal zu der Krümmung der Daube. Es ist klar, daß für die Darstellung von Dauben verschiedener Größe auch die Matrize und Patrize a und b der Presse geändert werden müssen.

Die Presse bewegt sich zwischen den beiden festgestellten Sägen langsam durch; letztere werden durch die über die Riemenscheiben r, r gehenden Treibriemen bewegt.

5) Vereinigung der Dauben an einem Ende durch Reifen. Das Mittel zur Vereinigung der Dauben ist folgendes: Ein Gußeisenkörper G (Fig. 21) mit conoidischer Höhlung H und beweglichem Boden B dient zur Aufnahme der richtig an einander gereihten Dauben, und die Höhlung desselben entspricht in ihrer oberen Hälfte genau der äußeren Form einer Faßhälfte. Außerdem sind jedoch zwei ringförmige Nuthen n zur Aufnahme zweier Eisenringe vorhanden. Die ganze Form besteht aus zwei gleichen Theilen 1, 2, welche in Scharnieren beweglich sind, und wenn zusammengeklappt, leicht an einander befestigt werden können. Der Stempel S einer hydraulischen Presse bewegt sich in der Form auf und ab.

Die Vereinigung der Dauben geschieht somit, wie folgt: Die Form wird geöffnet und es werden die Eisenreife eingelegt, hierauf die Dauben in gehöriger Zahl hineingestellt und die Form mittelst T (Fig. 22) zusammengehalten. Es befinden sich die Dauben tiefer als die eingelegten |412| Eisenringe, müssen sonach erst durch den Preßkolben der hydraulischen Presse gehoben werden, wenn sie in die Eisenreifen gelangen sollen. Bei diesem Aufwärtsdrücken findet ein festes Aneinanderpressen der einzelnen Dauben statt.

Die Eisenreifen liegen vollkommen in den Nuthen, daß ihre innere Fläche als Fortsetzung der an dieser Stelle unterbrochenen conoidischen Fläche wirkt. Ward der Boden B so weit gehoben, daß die Dauben in die Reifen gelangten, so läßt man den Preßkolben der hydraulischen Presse sich senken; es senkt sich auch der Boden B und nun nimmt man die Form aus einander und das halb gebildete Faß heraus.

6) Erhitzen des Fasses im Innern und Vereinigen der Dauben am anderen Faß-Ende mit Reifen. Das Faß wird nun über einen Eisenblech-Cylinder mit durchlöchertem Mantel gestürzt. Der Cylinder ist mit glühenden Kohlen gefüllt und diese bringen so dieselbe Wirkung hervor, wie das in den Fässern angemachte Feuer der Binder. Es tritt nämlich eine Contraction der Holzfaser an der Innenseite ein und dadurch ist nicht allein die gegebene Biegung bleibend gemacht, sondern auch eine geringe Vorbiegung des Untertheiles erzielt.

Nachdem die Erhitzung eine genügende Zeit stattgefunden, bringt man das Faß in umgekehrter Stellung in den Apparat, Fig. 21. Es wird somit das andere Faß-Ende mit Reifen versehen. Das auf beiden Seiten bereifte Faß wird nun wieder über den Darr-Cylinder gestürzt und einige Zeit der Erhitzung ausgesetzt. Um jede Unterbrechung der Arbeit zu vermeiden, sind mehrere Darr-Cylinder in Thätigkeit.

7) Die beiden Faß-Enden werden nun abgedreht und mit der zur Aufnahme der Faßböden nöthigen Nuth versehen. Um das Rundlaufen des Fasses auf der Drehbank rasch zu erzielen, dient ein conoidisches Futter an der Spindel und ein eben solches Lager an der Lünette oder Mitteldocke (Hülfsdocke).

8) Einsetzen der Böden. Der aus einem Brete mittelst der Bandsäge kreisrund geschnittene Boden des Fasses wird mit der Feder versehen, welche in oberwähnte Nuth einzugreifen hat. Dieß geschieht auf einer Drehbank. Das Futter zur Befestigung des Bodens ist eine Scheibe, mit vielen kleinen Zähnen versehen. Auf diese wird der Boden aufgedrückt und die Zähne bewirken das Mitnehmen desselben. Da die Scheibe wenig kleiner als der Boden ist, so ist sie auch ein einfaches Mittel den Boden zu centriren.

Die Meißel sind in zweiarmigen Hebeln befestigt, welche feste Drehpunkte am Support haben.

|413|

Das Einsetzen des Bodens ist Handarbeit und bedarf wohl keiner weiteren Erklärung.

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